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| 02:35 Uhr

Lahmes Internet ärgert Unternehmer

Zwei Stunden täglicher Büroarbeit könnte Forstwirt Frank Hartig einsparen – wenn die Internetverbindung nur schnell genug wäre.
Zwei Stunden täglicher Büroarbeit könnte Forstwirt Frank Hartig einsparen – wenn die Internetverbindung nur schnell genug wäre. FOTO: René Wappler
Spremberg/Reuthen. Die Internet-Qualität kann heutzutage darüber entscheiden, wie gut sich Firmen im Wettbewerb behaupten. Ländliche Regionen sind dabei oft im Nachteil, wie ein Beispiel aus Reuthen zeigt. René Wappler

Wieder mal übt sich Forstwirt Frank Hartig in Geduld. Er sitzt in seinem Büro am Rand von Reuthen, die Termine drücken, eigentlich muss er los, aber diese Internetseite lädt so langsam, als wäre der Computer eben in den Tiefschlafmodus abgetaucht.

Nichts Neues für Frank Hartwig - und trotzdem eine Katastrophe. Rechnungen kommen digitalisiert in ein Archiv, Daten werden in der Cloud gespeichert: Die Niederlassung des Forstbetriebes Boscor in Reuthen unterscheidet sich insofern kaum noch von Firmen anderer Branchen.

Nur dumm, wenn die Internetverbindung andauernd lahmt. Sebastian Freiherr von Rotenhan gehört zur Geschäftsführung der Boscor-Gruppe - und er warnt vor den Nachteilen, die den ländlichen Regionen aus diesem Problem erwachsen können. "Seit Wochen beobachten wir nun, dass das Internet derart überlastet ist, dass wir jeden Tag über mehrere Stunden überhaupt keinen Zugang haben, was wohl an den völlig veralteten Leitungen liegt", erläutert er. "Dies ist für uns sehr ärgerlich, aber wie sollen sich hier überhaupt noch Unternehmen ansiedeln, wenn man als erstes feststellen muss, dass man zeitweise vom Internet und damit von den Märkten abgekoppelt ist?"

Eine vergleichbare Frage stellte im Oktober 2015 schon einmal die Abgeordnete Iris Schülzke (BVB/Freie Wähler) im brandenburgischen Landtag: Hartnäckig hält sich nach ihren Worten der Eindruck, es sei der Landesregierung egal, inwieweit ländliche Regionen mit Breitband-Internet ausgestattet sind - obwohl dieser Faktor die Existenz kleiner Unternehmen auf den Dörfern sicherstelle.

Die Landesregierung wies den Vorwurf der Abgeordneten zurück: Auf 60,8 Prozent belaufe sich der Breitband-Versorgungsgrad im Land Brandenburg, während der Bundesdurchschnitt bei 68,7 Prozent liege. Das Konzept mit dem Titel "Glasfaser 2020" folge dem Ziel, das Bundesland "möglichst flächendeckend mit einer Glasfaser-Infrastruktur auszubauen".

Allerdings zählt der Spree-Neiße-Kreis laut Breitbandatlas des Landes Brandenburg zu den Regionen mit besonders vielen Bedarfsmeldungen. Insgesamt sind es 542. Davon entfallen 48 allein auf Jämlitz/Klein Düben, 39 auf Neuhausen, 21 auf Forst, 18 auf Guben und elf auf Spremberg.

Forstwirt Frank Hartig aus Reuthen hat sich unterdessen schon an Abgeordnete aus dem Spree-Neiße-Kreis gewandt - bislang jedoch ohne konkretes Ergebnis. Ähnlich berichtet es Sebastian Freiherr von Rotenhan von der Geschäftsführung der Boscor-Gruppe: "Hilferufe an die Politik wurden zwar gehört und höflich beantwortet, ohne dass sich jedoch das Geringste geändert hätte."

Laut dem brandenburgischen Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) sieht ein Bundesprogramm vor, bis zum Jahr 2018 "die weißen Flecken" bei der Breitbandversorgung zu beseitigen. Das Investitionsvolumen umfasse insgesamt zwei Milliarden Euro, wobei die Länder und Kommunen einen finanziellen Anteil von 20 bis 40 Prozent tragen müssten.

Eine deutliche Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit führte bereits eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Cottbus zutage: Demnach gilt die Verfügbarkeit des schnellen Internets bei den Unternehmern aus der Lausitz als wichtigster Standortfaktor - noch vor der Nähe zu überregionalen Straßen und dem Potenzial an Facharbeitern. Als die gleichen Unternehmer jedoch danach befragt wurden, wie zufrieden sie tatsächlich mit dem Internetangebot sind, landete dieser Faktor lediglich im lauen Mittelfeld.

Zum Thema:
Rainer Schubert, der Breitband-Beauftragte des Spree-Neiße-Kreises, erläutert, warum die Telekom ihre Glasfaserkabel noch nicht flächendeckend im Landkreis Spree-Neiße verlegt hat: "Für Orte, wo es schon eine Versorgung gibt, stehen keine Fördermittel aus dem Programm ,Glasfaser 2020' zur Verfügung. Dort könnte die Telekom auch ihre Kabel verlegen, jedoch auf eigene Kosten." Mit seiner Werbung wecke das Unternehmen Erwartungen, die derzeit nicht erfüllt werden könnten. "Darauf haben wir die Telekom schon hingewiesen", sagt Schubert.