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| 17:37 Uhr

Wie demografischer Wandel das Gesundheitswesen verändert
Bedarf an Pflege wächst rasant

Die Chefin des Spremberger Seniorenheims, Sabine Baumgarten (links), und Pflegedienstleisterin Heike Schlegel besuchen die neue Kurzzeitpflege im Carl-Thiem-Klinikum.
Die Chefin des Spremberger Seniorenheims, Sabine Baumgarten (links), und Pflegedienstleisterin Heike Schlegel besuchen die neue Kurzzeitpflege im Carl-Thiem-Klinikum. FOTO: LR / Wappler
Spremberg/Cottbus. Fachkräfte aus Spremberg arbeiten in neuer Station des Carl-Thiem-Klinikums.

Fachpersonal aus Spremberg wird ab dem nächsten Montag in einem neuen Angebot für Kurzzeitpflege im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum arbeiten. Die Station gehört zur Gesellschaft für Altenpflege, die unter anderem das Seniorenheim in der Muskauer Straße und die Tagespflege „Zum Forsthaus“ in Spremberg betreibt.

Dazu erläutert die Chefin des Seniorenheims, Sabine Baumgarten: „Manche Leute können nach dem Aufenthalt auf einer Akutstation noch nicht direkt nach Hause fahren.“ Das passiere zum Beispiel, wenn jemand einen Schlaganfall erlitten habe und die Wohnung bedarfsgerecht umgebaut werden müsse. „Dann kommen die Patienten für die Zeit des Überbrückens auf die Station zur Kurzzeitpflege“, sagt Sabine Baumgarten.

Als sich die künftigen Mitarbeiter in der Station umschauen, fällt ihnen sofort auf, wie großzügig sie gestaltet ist. Breite Gänge, viel Platz für die tägliche Arbeit, modern eingerichtete Zimmer. Pflegedienstleiterin Heike Schlegel sagt: „Wir sind noch nicht ganz fertig mit dem Einräumen.“ Das soll aber bis zum Montag erledigt sein: Dann ziehen die ersten zwei Patienten ein.

Die Ausschreibung für die Station auf dem Gelände des Cottbuser Krankenhauses erfolgte im Herbst 2017, wie Sabine Baumgarten berichtet. Die Etage stand leer, nachdem die onkologische Ambulanz und eine Tagesklinik ausgezogen waren. „Wir bewarben uns, als wir erfuhren, dass ein Angebot zur Kurzzeitpflege gewünscht ist“, sagt die Chefin des Spremberger Seniorenheims. „Schließlich erhielten wir den Zuschlag.“ Der Vertrag wurde in dieser Woche besiegelt.

In Spremberg und anderen Orten der Region reichen die Plätze für ein solches Angebot in den Pflegeheimen nicht aus. Das gibt Sabine Baumgarten zu bedenken. Die Nachfrage seitens der Patienten übersteige die vorhandene Kapazität. Ohnehin handele es sich bei der Station im Carl-Thiem-Klinikum um die erste reine Einrichtung zur Kurzzeitpflege im Süden des Landes Brandenburg.

Auch das Gesundheitsministerium des Landes Brandenburg bestätigt, es gebe „Schwachstellen in der Versorgung im Bereich der Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege“. Deren Versorgunganteil sei in Brandenburg nur etwa halb so groß wie im Bundesdurchschnitt. So steht es im Zwischenbericht der Kommission zur „Zukunft der ländlichen Regionen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels“.

Dabei werden die Leistungen der Kurzzeitpflege in einem nennenswerten Umfang bundesweit erst ab der Altersgruppe der 40- bis 44-Jährigen genutzt. Darauf weist der Barmer-Pflegereport des Jahres 2017 hin. 40 Prozent der Patienten konstatieren einen Mangel an altersgerechten Angeboten. Bei einer Herzinsuffizienz, einem Schlaganfall und Lähmungen werden öfter als bei anderen Diagnosen fehlende Kurzzeitpflegeplätze bemängelt.

Darüber hinaus wird die Anzahl der Pflegebedürftigen im Landkreis Spree-Neiße mindestens bis zum Jahr 2040 stetig wachsen. Das besagt die Analyse der Pflegestatistik des Potsdamer Gesundheitsministeriums. So sei eine Zunahme der Pflegebedürftigen von etwa 4000 Personen im Jahr 2013 auf fast 6400 Personen im Jahr 2040 zu erwarten. Das entspricht einem relativen Wachstum von annähernd 61 Prozent. Der Personalbedarf im Landkreis in den ambulanten Diensten und stationären Einrichtungen steigt laut der Analyse bis zum Jahr 2040 um etwa 76 Prozent.

Diese Daten deuten darauf hin, wie sich der Bedarf an der Kurzzeitpflege in den nächsten Jahren entwickeln wird. In der neuen Station an der Cottbuser Thiemstraße befinden sich vier Zimmer mit je einem Bett und acht Zimmer für zwei Personen. Neben der Pflege bieten die Mitarbeiter Therapien an, die den Genesungsprozess unterstützen. Die Integration in das Carl-Thiem-Klinikum ermöglicht nach Angaben der Mitarbeiter eine schnelle Aufnahme von Patienten aus der Akutstation.

Das Angebot finanziert sich zum Teil durch den Anteil der Pflegekassen. Er beträgt 1612 Euro im Jahr für Leistungsnehmer der Pflegegrade Zwei bis Fünf. Wenn sie im laufenden Jahr keine Leistungen der Verhinderungspflege genutzt haben, steigt der Anteil auf 3224 Euro.