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Kurt Augustin: Sulfatdebatte wurde dramatisiert

Während das Eisenoxid ein sichtbares Problem der Spree ist, ist das Sulfat unsichtbar – und wohl auch nicht mehr so gefährlich.
Während das Eisenoxid ein sichtbares Problem der Spree ist, ist das Sulfat unsichtbar – und wohl auch nicht mehr so gefährlich. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Damit sich der Sulfatgehalt der Spree für die Trinkwasserwirtschaft bei Berlin nicht zum teuren Problem auswächst, werden der Spree auch weiterhin zwei Millionen Kubikmeter sulfatarmes Wasser im Jahr zugeführt. Das erklärte am Rande des Besuchs des Agrar- und Umweltministers Jörg Vogelsänger an der Vorsperre Bühlow Kurt Augustin, der Abteilungsleiter für Wasser und Boden im Umweltministerium.

Die heftige Debatte vor zwei Jahren schätzt er aber als dramatisiert ein. "In unseren Gewässern gibt es keinen Grenzwert für Sulfat, die 250 Milligramm pro Liter gelten für Trinkwasserqualität", erklärt Augustin.

Vor reichlich zwei Jahren allerdings hatte ein plötzlicher Anstieg des optisch unsichtbaren Sulfats in der Spree nicht nur die Wasserwerke Briesen und Neuenhagen beunruhigt. Von etwa 80 Milligramm pro Liter schnellte der Wert 2015 in Zerre auf 450 hoch und nahm über die Messpunkte Wilhelmsthal und Bräsinchen kaum ab.

Inzwischen ist erforscht, dass der Sulfatwert hoch bleibt, aber wohl in den nächsten Jahren nicht weiter steigen wird. Zudem soll das Sulfat auch sehr viel unbedenklicher für die Gesundheit der Menschen und der Ökosysteme sein, als noch vor sieben Jahren angenommen. Dr. Volker Preuß, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Wassertechnik der BTU Cottbus/Senftenberg erklärte im Juli in der Vorlesungsreihe "Wassergespräch Lausitz - Wie weiter mit dem Wasser in der Region?", dass selbst bei 500 bis 1000 Milligramm Sulfat pro Liter das Trinkwasser unbedenklich sei. Zur Warnung vor einer abführenden Wirkung - schließlich sieht die Trinkwasserverordnung von 2011 die Grenze bei 250 Milligramm vor - betonte Preuß, dass für diesen Effekt etwa das Hundertfache des Lübbenauer Wertes notwendig sei. Der Lübbenauer Wert liegt seit Jahren bei 329 Milligramm pro Liter.

Aber am Beton "nage" das Sulfat nachweislich - weshalb Kanada auf den Grenzwert von 500 Milligramm Sulfat pro Liter setzt. Auch ältere Bauwerke an der Spree, die von Wasser ab 300 Milligramm Sulfat pro Liter umflossen werden, stehen aus diesem Grund unter Beobachtung. Und in Absprache mit der Trinkwasserwirtschaft bei Berlin werde das Spreewasser weiter so verdünnt, dass der Sulfatgehalt bereits bei Wilhelmsthal unter 400 Milligramm pro Liter bleibt.