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| 16:18 Uhr

Spremberg
Dem Kunsthandwerker tut es weh

Der Vollmert-Brunnen im Spremberger Stadtpark nach dem Kupferdiebstahl.
Der Vollmert-Brunnen im Spremberger Stadtpark nach dem Kupferdiebstahl. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Spremberg hat noch keine Hinweise auf Kupferschalen-Diebe im Stadtpark.

Könnten Wasserkäfer doch reden! Wie Pfeile schießen sie durchs Becken des Springbrunnens im Spremberger Stadtpark auf dem Georgenberg. Seit sechs Tagen sprudelt er nicht, das Wasser ist abgestanden. Wohl in der Nacht zum 6. Juli sind 16 der 49 Kupferschalen gestohlen worden. „Einem Spremberger verdanken wir, dass wir die Tatzeit eingrenzen können“, sagt Doritha Drews, Sachgebietsleiterin für Tiefbau und Grünwesen im Rathaus, „der Spaziergänger dreht jeden Morgen seine Runde im Stadtpark. Am Donnerstag sei noch alles in Ordnung gewesen, am Freitagmorgen informierte er, dass mehrere Brunnenschalen fehlen.“ Ob die Diebe mit einem großen Fahrzeug an die Schalen herankamen? Nachts ruht der Brunnen, die Zeitschaltuhr startet ihn morgens.

Nach ersten Schätzungen der Stadtverwaltung beläuft sich der Schaden auf 20 000 Euro. Der Metallgestalter und Künstler Manfred Vollmert seufzt traurig. Die Nachricht von der Zerstörung seines Kunstwerkes trifft sehr. „Und es ist schon die zweite schlechte Nachricht heute. Auch von einer Metallplatte, die ich gestaltet habe, sind die Kupferbuchstaben gestohlen worden“, sagt er. Der Metallkünstler, dem es in mehr als  200 großen und kleinen Werken gelungen ist, Edelstahl und Kupfer in Bewegung zu bringen, gar eine Seele zu geben, ist 81 Jahre alt. Geboren wurde er in Hangelsberg an der Spree als Sohn eines Kunstschmieds. Er lernte Stahlgraveur, studierte Formgestaltung, schaffte seine Meisterprüfung als Metallbildner.

Er lebt in Seidewinkel bei Hoyerswerda, ist hier „hängengeblieben“, als die „sozialistische Wohnstadt“ auch Künstler rief. Und für die benachbarten Spremberger hat er schließlich den Stadtparkbrunnen entwickelt. 1976 wurde er aufgebaut. Gemeinsam mit Arbeitern vom Bau- und Montagekombinat (BMK), die das Becken bauten, erinnert sich Manfred Vollmert. „Oh ja, Sie können von Muschelschalen sprechen, lassen Sie sich da ruhig inspirieren“, so Manfred Vollmert. „Aber was ich bei der Gestaltung des Brunnens damals vor Augen hatte, das war der Baumschwamm.“ Tatsächlich. Wenn man dem Baumpilz im Kopf auf die Metallsäulen und ihre Schalen blickt, erinnert der leicht gewellte Rand der Schalen an den Baumpilz.

„Früher bin ich immer mal wieder am Brunnen vorbeigefahren und habe mich gefreut, wenn er sprudelte. Wenn ich nach Cottbus wollte, musste ich ja über Spremberg. Heute mit der Ortsumgehung fährt man etwas anders nach Cottbus ...“, sagt Manfred Vollmert. Über 40 Brunnen, verteilt in der gesamten DDR, hat er geschaffen. Dazu gehört die Brunnenanlage im Elsterbogen in Hoyerswerda, in dessen Metallbündel die Menschen das erste Logo des zweiten Westfernsehsenders zu erkennen glaubten und der deshalb im Volksmund den Namen „ZDF-Brunnen“ bekam. Auch der „Kugelbrunnen“ in Cottbus ist von Manfred Vollmert. Als er 2015 stark beschädigt wurde, hat der Metallkünstler noch einmal losgelegt. Aber neue Schalen für den Spremberger Brunnen? „Ach, ich schaffe doch nichts großes mehr, nur kleine Sachen für die Kirche“, erklärt er traurig, „und unsere Zunft gibt es ja fast nicht mehr“.

Doritha Drews will untersuchen lassen, was noch zu retten ist: „Die Schalen wurden gewaltsam demontiert, wir müssen sehen, ob auch die Steigleitungen beschädigt wurden.“ In den Steigleitungen kletterte das Wasser in den neun Säulen hinauf, um dann aus den Schalen zu plätschern. Mit 500 Euro will die Stadt Hinweise belohnen, die zum Täter führen. Noch kam kein Hinweis.


Vor vier Jahren arbeitete Manfred Vollmert an einem Kupfer-Wassermann für einen Brunnen bei Wittichenau.
Vor vier Jahren arbeitete Manfred Vollmert an einem Kupfer-Wassermann für einen Brunnen bei Wittichenau. FOTO: Torsten Richter