Nach gut fünf Stunden ist der erste Part erledigt. Dafür wurden 300 quadratische Kunststoffplatten zu einem großen Rechteck zusammengeschoben und fest verschraubt. Insgesamt 300 Quadratmeter, auf einer 10 mal 30 Meter großen Fläche. „Tatsächlich kein großer Akt, aber eben ziemlich zeitaufwendig“, erklärt Vanessa Ulicnik, die beim Bau der Kunsstoffschlittschuhbahn sozusagen den Hut aufhat. Prinzipiell sei es nicht anders als Laminat zu verlegen – nur eben großformatiger, heißt es weiter. Wie bereits im Vorjahr wird diese spezielle und vor allem nahezu klimaneutrale Schlittschuhbahn das vorweihnachtliche Stadtbild bereichern. Diesmal jedoch satte zehn Tage lange und nicht nur drei.

Bande trennt Schlittschuhläufer und Schaulustige

Bevor sich jedoch der Schlittschuhspaß in vollen Zügen genießen lässt, muss sich das Team um die 26-jährige Veranstaltungskauffrau noch um den „Feinschliff“ kümmern. Schließlich bedarf die Bahn noch etwas Arbeit – sozusagen der Part 2 des Aufbaus. Auf die „Grundsteinlegung“, also das Legen der weißen Platten, folgt das Setzen und Befestigen der Bande. „Sie dient primär als Abgrenzung zu den Zuschauern, aber auch als Halt für die Schlittschuh-Anfänger“, so Vanessa Ulicnik, während sie nach und nach die Bretter mit dem Metallgestell verschraubt. Vier Leisten in die Höhe und eins – als Handlauf – obendrauf.

Obwohl die weißen Kunststoffplatten noch nicht gereinigt sind und „poliert“ wurden, bringen sie schon vorab eine gewisse Grund-Glätte mit, wie die 26-Jährige beteuert. „Wenn man nicht aufpasst, dann kann man schon mal wegrutschen.“ Allerdings habe man die Bahnen mittlerweile schon so oft auf- und wieder abgebaut, sodass dies wirklich ´nur selten geschehe. Vor gut 15 Jahren hat die in Plön beheimatete S.O.F.A GmbH damit angefangen, die Kunststoffschlittschuhbahnen fest in ihr Sortiment aufzunehmen. Doch bevor die Bahnen für jedermann zugänglich waren, ging es für den Veranstalter ab ins „Labor“.

„Gleitmittel“ ist umweltfreundlich und schadet somit nicht

Denn obwohl die Platten schon von Grund auf gewisse Rutsch-Eigenschaften mit sich bringen, sorgt erst ein spezielles „Gleitmittel“ für den Eis-ähnlichen Rutschspaß. „An diesem Mittel hat unser Unternehmen schon eine gewisse Zeit ‚geforscht’, ehe es das gewünschte Resultat lieferte“, berichtet Vanessa Ulicnik und verweist darauf, dass die genaue Zusammensetzung ein Geheimrezept ist. Was sie allerdings sagen könne, dass man dieses „Gleitmittel“ bedenkenlos auch bei Oma in das Beet kippen könne. „Es ist rein biologisch und schadet nicht im Geringsten der Umwelt.“

Nach einer Grundreinigung der Platten wird das Geheimmittel, verdünnt mit neun Teilen Wasser, aufgetragen. „Je nach Nutzung wird das ‚Gleitmittel’ alle ein bis zwei Tage neu aufgetragen“, sagt die 26-Jährige. Nach einem Starkregen müsse dies jedoch sofort geschehen, weil er das Mittel runterspüle, heißt es weiter. „Nur so können wir den vollen Schlittschuhspaß gewährleisten.“ Allerdings gibt die ausgebildete Veranstaltungskauffrau zu, „dass das Feeling auf dem Kunststoff etwas anders ist.“ Der Anlauf gestalte sich schwerer, wenn man aber in Bewegung sei, würde man fast kein Unterschied spüren.

Unternehmen arbeitet mittlerweile mit knapp 1800 Platten

Einen nachweisbaren Unterschied hält die Bahn allerdings in Sachen Umweltbilanz parat. „Während richtige Eisbahnen enorm viel Wasser und Strom fressen, sind unsere Kunststoffbahnen geradezu energieeffizient.“ Das Unternehmen kaufe zwar ständig neue Platten hinzu, arbeite aber noch immer mit den Platten der „1. Genartion“, beteuert Vanessa Ulicnik, die es nicht nur für ihren Arbeitgeber gut findet, dass immer mehr Auftraggeber auf den Umweltaspekt achten. Mittlerweile würden teilweise mehrere Bahnen parallel laufen, fügt sie hinzu. „Aus diesem Grund können wir aktuell auf circa 1800 Platten zurückgreifen.“

Abschließend gibt die 26-Jährige noch den Rat, idealerweise auf die Leihschuhe der Bahn zurückzugreifen. „Durch den perfekten Hohlschliff kann man den Schlittschuhspaß voll auskosten.“ Zwar gebe es auch eine Schleifmaschine vor Ort, aber das richtige Schleifen dauere mitunter etwas, so Vanessa Ulicnik.