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| 17:30 Uhr

Piloten im Training
Kunstflieger gastieren am Welzower Flugplatz

 Die hochgezüchteten Sportmaschinen sollen bei der kommenden Deutschen Meisterschaft wieder zu Höchstleistungen getrieben werden. In Welzow wird dafür geprobt.
Die hochgezüchteten Sportmaschinen sollen bei der kommenden Deutschen Meisterschaft wieder zu Höchstleistungen getrieben werden. In Welzow wird dafür geprobt. FOTO: LR / Marcel Laggai
Welzow. Die Deutsche Meisterschaft im Motorkunstflug ist zwar erst im Juli, aber schon jetzt wird fleißig trainiert – auch in unserer Region.

Wer vor Kurzem im Welzower Raum unterwegs war, kam sicherlich nicht umhin, ein sonores Brummen in der Luft wahrzunehmen. Je näher man sich jedoch dem Flugplatz des kleinen Ortes nährte, umso präsenter wurde das Surren von Propellern. Eine Geräuschkulisse, die nicht nur die Welzower nicht alle Tage erleben. Ein Blick gen Himmel und die Verursacher der knatternden Motorengeräusche sind ausgemacht: Kunstflieger. Hochgezüchtete Sportflugzeuge die sich scheinbar versuchen der Schwerkraft zu widersetzen und die laue Frühlingsluft zigfach durchschneiden.

Eine ganze Woche lang gastierten gleiche mehrere Piloten mit ihren Maschinen am Welzower Flugplatz, um sich auf die kommende Deutsche Meisterschaft im Motorkunstflug vorzubereiten. Angeleitet werden die tollkühnen Piloten von Klaus Schrodt, der als Koryphäe in der Szene der Kunstflieger gilt. Ob Welt-, Europa- oder Deutsche Meisterschaft, kaum ein Titel, den der 72-Jährige nicht schon erflogen hat. Unabhängig davon war er viele Jahre auch für die Lufthansa als Pilot tätig und so wundert es nicht, dass er zusammengerechnet satte drei Jahre Flugzeit auf dem sprichwörtlichen Buckel hat.

Kaum ein anderer kennt sich so mit Aerodynamik  und unterschiedlichen Formationen aus, sodass seine Fachkenntnis und sein Wort „Gesetz“ sind. Daher werden seine mitunter und teils sehr direkten Ansagen minutiös umgesetzt. Einzig der Funkkontakt, zwischen Himmel und Erde dient als Verbindung von Trainer zum Piloten. Während der Flieger in zahllosen Loopings oder Rollen  Gravitationskräfte bis zu 8 g, also das achtfache der normalen Fallbeschleunigung, aushalten müssen, sitzt Schrodt in seinem Campingstuhl und verfolgt das Schauspiel in der Luft. In der Hand ein Skizzenpapier mit sämtlichen Figuren des jeweiligen Programms und Piloten. Dabei steht den Kunstfliegern nicht der ganze Himmel zur Verfügung, sondern vielmehr nur ein recht begrenzter Raum. Die sogenannte „Box“ ist gerade einmal 1000 mal 1000 Meter groß.  „Nur innerhalb dieser ‚Box’ werden die Figuren gewertet und diese sollten bestenfalls perfekt geflogen werden“, so Schrodt.

 Auch eine russische Suchoi Su-29 zählte zur Gruppe der Kunstflieger, die am Flugplatz Welzow für die Deutsche Meisterschaft trainierte.
Auch eine russische Suchoi Su-29 zählte zur Gruppe der Kunstflieger, die am Flugplatz Welzow für die Deutsche Meisterschaft trainierte. FOTO: LR / Marcel Laggai

Der Hesse ist derweil nicht das erste Mal in Welzow zu Gast und weiß die familiäre Atmosphäre des Platzes redlich zu schätzen. Dem pflichtet auch Florian Berger bei. Der 30-jährige Münchener zählt zu den neuen aufstrebenden Talenten der Kunstflug-Szene, wie Klaus Schrodt versichert. „Mit seinen jungen Jahren legt er schon jetzt solch ein Können an den Tag, dass man garantiert noch von ihm hören wird.“  Doch leider verkaufe er sich oft unter Wert, wie der Trainer schmunzelnd hinzufügt. Berger ist aber auch wirklich kein Neuling im Luftraum. „Schon mit 13 Jahren habe ich mit Segelfliegen begonnen und später bin ich eben in die motorisierten Maschinen gewechselt.“ Der Münchener erhebt sich jedoch nicht nur zum Hobby in die Lüfte, sondern auch beruflich. Als Co-Pilot bei der Lufthansa sei er in ganz Europa unterwegs, wie er erklärt.

Unabhängig von den beruflichen Verpflichtungen verbringt Berger „jede freie Minute“ in der Luft. Dabei engagiert sich der 30-Jährige nicht nur in der Kunstflug-Szene, sondern ebenfalls bei der Red Bull Air Race, die 2017 auch am Lausitzring für ein staunendes Publikum sorgte. Dabei zählt aber weniger das kunstvolle Fliegen, als vielmehr reine Schnelligkeit. Die Piloten müssen ihre Propellermaschinen möglichst rasch durch einen Parcours von aufgeblasenen Pylonen manövrieren. „2016 und 2017 wurde ich dabei sogar Champion der Challenger Class.“ Diese Klasse wurde vom Veranstalter eigens in die Welt gerufen, um aufstrebenden Talenten nicht nur den Einstieg in die Rennserie zu ermöglichen, sondern auch den Aufstieg in die Meisterklasse. Denn leben könne man davon nicht, so Berger. „Aber die Spesen werden übernommen, sodass ich mit der Serie auch schon mehrfach in Asien oder den Emiraten unterwegs war.“

 Jeder Pilot hat solch eine Skizze an Bord, nach der alle Figuren in der Luft abgearbeitet werden.
Jeder Pilot hat solch eine Skizze an Bord, nach der alle Figuren in der Luft abgearbeitet werden. FOTO: LR / Marcel Laggai

In Asien, genauer China, ist auch Christian Auer beruflich unterwegs. Als Linienpilot eines Airbus A350 jettet er regelmäßig durch das „Land des Lächelns“. Wohnhaft in Wien, steigt auch der 50-Jährige immer wieder in das enge Cockpit der kleinen Sportmaschine. „Dafür braucht es natürlich viel Verständnis von der Familie, aber sie kennen mich ja auch nicht anders.“ Schließlich sei er diesbezüglich familiär „vorbelastet“ und seit dem Abitur immerzu in der Luft unterwegs, erklärt der fünffache Vater. Auer, der regelmäßig von Schrodt gecoacht wird, ist derweil das erste Mal in der Region zum Trainieren. Doch auch er scheint bereits Feuer und Flamme für die Lausitz und den idyllischen Flugplatz, unweit der Tagebaukante und zahlreicher Seen, zu sein. „So viel Natur drumherum und dann auch noch so ein tolles Team erlebt man nicht alle Tage und von daher werde ich garantiert nicht das letzte Mal hier gewesen sein.“ Schließlich sei es ja nur knapp eineinhalb Stunden von Wien bis Welzow mit der 350 km/h schnellen Maschine, heißt es abschließend von Christian Auer.

 Die Extra 300 SHP passt mit ihrer Lackierung optisch perfekt zum Umfeld des Welzower Flugplatzes.
Die Extra 300 SHP passt mit ihrer Lackierung optisch perfekt zum Umfeld des Welzower Flugplatzes. FOTO: LR / Marcel Laggai
 Die ersten Auswertungen machen die Piloten meist sogar noch direkt an den Maschinen.
Die ersten Auswertungen machen die Piloten meist sogar noch direkt an den Maschinen. FOTO: LR / Marcel Laggai