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| 02:57 Uhr

Kunst-Porträt wächst zum Phänomen

Zum Filmteam gehören Siegmar Schulz, Joern Hirsch, Laura Völkel (von links) und David Dotzler. Auch Matti Heim vom Spreekino (rechts) reagiert überrascht auf den einschlagenden Erfolg der Dokumentation.
Zum Filmteam gehören Siegmar Schulz, Joern Hirsch, Laura Völkel (von links) und David Dotzler. Auch Matti Heim vom Spreekino (rechts) reagiert überrascht auf den einschlagenden Erfolg der Dokumentation. FOTO: Gabriele Schulz
Spremberg. Ein kleiner Film über eine Spremberger Künstlerin wächst zum großen Phänomen: Alle Vorstellungen der Irmgard-Kuhlee-Dokumentation im Spreekino waren ausverkauft. Da staunt selbst das Filmteam. René Wappler

Würde Irmgard Kuhlee mitten in der Stadt leben und nicht in ihrem Haus am Buckower See, wäre sie bereits tot. So äußert sie sich im Film "Meine Modelle müssen leben", für den sie Regisseur Siegmar Schulz und sein Team anderthalb Jahre begleiten konnten. "Was soll ich im Heim?", fragt Irmgard Kuhlee. "Da bin ich nutzlos und verloren."

Für die Dokumentation ist es ein Segen, dass die 87-jährige Malerin an ihrer Kunst festhält. Gegenüber dem Kameramann erwähnt sie, dass sie im Sternzeichen des Löwen geboren wurde, "und die Löwen sind immer zufrieden, wenn sie satt sind und nicht geärgert werden." Reinreden darf ihr niemand bei der Arbeit - "das sind ja schließlich meine Gedanken".

Offenbar haben viele Menschen aus Spremberg nur darauf gewartet, dass ihnen jemand einen derart kurzweiligen und liebevollen Einblick in den Alltag von Irmgard Kuhlee gewährt. Denn der Erfolg des Dokumentarfilms überrascht alle Beteiligten: Regisseur Siegmar Schulz, die Mitarbeiter des Spreekinos oder auch die Schauspielerin Laura Völkel, die in diesem Werk als Aktmodell für die Künstlerin posiert.

Matti Heim vom Kino sagt: "Dass der Streifen beim ersten Mal ausverkauft ist - okay. Beim zweiten Mal wundert man sich ein wenig. Und jetzt, nach der dritten Vorstellung, bin ich nur noch verblüfft."

Joern Hirsch vom Drehteam stellt kurz und knapp fest: "Ich staune ein bisschen."

Und Siegmar Schulz erinnert sich: "Vor der zweiten regulären Aufführung habe ich noch gesagt, dass ich froh bin, wenn noch 30 Leute kommen, die sich den Film anschauen wollen."

Von wegen. In einer langen Schlange standen die Besucher vor der Kasse. Manche versuchten sogar, sich heimlich in den Saal zu schmuggeln, um noch einen Platz zu bekommen. Es gibt professionelle, berühmte Regisseure, für die sich bei solchem Zuspruch ein Lebenstraum erfüllen würde. Die Spremberger Filmemacher glauben eher, dass ihr Projekt ganz simpel einen Nerv beim Publikum getroffen hat. "Die Leute lieben Irmgard Kuhlee nun mal, wie sie ist, mit ihren Ecken und ihren Kanten", sagt Siegmar Schulz. "Vielleicht ist es uns ja gelungen, ihren Charakter im Film einzufangen." Schauspielerin Laura Völkel hat Irmgard Kuhlee als "gefestigte Künstlerin" erlebt, die ihr sogar einen Rat fürs Leben schenkte: "Sie gab mir zu verstehen, ich solle stets bei mir selbst bleiben, egal, was ich tue", sagt Laura Völkel. "Das hat mich schon berührt." So sagt die Malerin in einer Filmszene, als sie ihr Modell betrachtet: "Für mich ist alles interessant, das lebt und schön ist."

Bald soll die Dokumentation auf DVD erscheinen. Derzeit nimmt das Team aus Hunderten von Fotos eine Auswahl für das Booklet vor. Eine limitierte Auflage wird zudem einen Druck von Irmgard Kuhlee enthalten, mit dem die Fans ihr Zuhause schmücken können. Als Hauptsponsor für das Projekt tritt die Sparkasse Spree-Neiße auf. Zudem weisen die Filmemacher auf die Technik des Vereins Backpictures hin, die ihnen half, ihre Ideen in die Tat umzusetzen.