Blau und mit dem Himmel im Bunde hat Ludwik Blazejewski Grießen am Rand der Neißeaue gemalt. Und Karin Gollos tupfte in den Grießener Waldwegsaum winzige Blüten – unzählige Entdeckungen. Die Bilder sagen es: Das sechste deutsch-polnische Maler-Pleinair, das im heißen Sommer 2019 nach Grießen lockte, muss wieder schön gewesen sein. Im Niederlausitzer Heidemuseum im Schloss in Spremberg war jetzt Ernte: Unter dem Titel „Kolory Europy – Farben Europas“ wurde die Ausstellung mit den Werken der 20 Künstlerinnen und Künstler eröffnet.

Eckbert Kwast, Fachleiter des Museums, ist froh, ihnen erneut eine Ausstellungsmöglichkeit bieten zu können. Dass Besucher kommen, um vom Alltagsstress zu fliehen und in die Kunst einzutauchen, weiß er. Michael Koch, Dezernent für Soziales, Gesundheit, Jugend, Bildung und Kultur in Spree-Neiße, hat sofort ein Bild gefunden, was für ihn Heimat bedeutet. Die sorbisch-wendische Kultur und Stadtansichten aus Forst und Spremberg entdeckt er und spürt in den Bildern schnell nach, wie sie über das Malen wieder ins Gespräch gekommen sind.

Wie eine große Familie

Inna Perkas aus Cottbus nickt: „Wir werden in diesen zwölf Tagen immer zu einer Familie, singen Lieder, reden über Politik, tanken Energie, erleben alles sehr intensiv.“ Anette Lehmann-Westphal, die alle sechs Male dabei sein konnte, erinnert an Mariusz Sobieczek, der durch seine schwere Erkrankung es eben nicht geschafft hat, immer dabei zu sein. Für sie ist die Pleinair-Tradition einzigartig. Das sollte Schule machen in weiteren Landkreisen, sagt sie.

Liwia Litecka ist die einzige polnische Künstlerin, die zur Ausstellungseröffnung kommen kann. Mittwochs sei das schwierig, die meisten polnische Künstler sind durch die Arbeit verhindert. Die 26-Jährige hat gerade ihr Masterstudium in Malerei und Bildender Kunst an der Universität Zielona Gora abgeschlossen. Zum zweiten Mal war sie im Pleinair dabei, und gemeinsame Wurzeln hat sie diesmal gesucht. Der Efeu, der sich auf ihrem Bild am Mauerwerk des Kreishauses empor rankt, wird zur Landkarte. „Manchmal brauchen wir ein bisschen Zeit, um unsere Themen zu finden“, erzählt Liwia Litecka, „aber durch die Gespräche, Ausflüge und Spaziergänge malen wir dann doch bald alle los – und nehmen sogar noch Ideen und Motive und neue Sichtweisen mit nach Hause.“

Ein paar Vokabeln gelernt

Liliana Sadowska schüttelt den Kopf. Nein, sie habe sich zum Malen noch nicht hinreißen lassen. Die Germanistin bleibt wie der Schuster bei seinen Leisten, übersetzt, verführt zu einem Tandem-Sprachkurs und hat ein offenes Ohr für Sorgen. Seit dem ersten Maler-Pleinair 2011 in Przytok ist sie dabei. Dass sie Eckbert Kwasts und Michael Kochs kleine Reden nicht übersetzen darf, weil sie mal genießen soll, wurmt sie so, dass wenigstens sagen muss, dass wunderbare Worte gefunden wurden.

Rolf Radochla schmunzelt. Er ist zum ersten Mal dabei gewesen und noch immer überrascht, dass er „einfach so“ angenommen wurde. Der Philosoph mit Mützchen und Humor, der seit einigen Jahren malt, passt. Eine Spreewald-Touristin lässt er erschöpft am Ufer eines der Fließe hocken. Sie zeigt noch Bein, aber nicht mehr Gesicht, scheint gleich einzunicken. Doch hinter ihr lockt ein Kahnfahrer – stolz wie die Gondoliere in Venedig. „Ich habe mich schon geärgert, dass ich den Gondoliere-Hut nicht einfach weggelassen habe. Tatsächlich wollte ich nur sagen, wie überlaufen unser Burg im Spreewald an vielen Tagen ist.“

Das wilde Kraftwerk

Und Ronne Noacks Bild vom Kraftwerk Schwarze Pumpe? Er ist Schauspieler, Postkutscher, Posaunist, Botschafter, Weltenbummler und stets in Eile. Selbst zur Ausstellungseröffnung war er kurz nach seiner Ankunft schon wieder weg. So standen die Künstlerinnen nach Worten ringend vor seinem Werk. „Wild ist es geworden, ja. Aber Ronne musste auch schneller spachteln als wir, er hatte noch so viele andere Termine“, befinden die Frauen. Auf Nachfrage mailt er zu seinem Bild: „Das Kraftwerk steht nicht für das Filigrane, Schöne, Saubere. Es passt nicht mal in die Natur. Kein Grün, nur klotzig und protzig. Es steht aber für Energie, die wir dringend brauchen, um das Schöne zu schaffen, um unsere Umwelt, unser Zuhause zu gestalten. Blau kommt in meinem Bild viel vor. Blau – wie der Ostsee einmal sein soll. So wird sicher das eine das andere ablösen.“