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| 15:09 Uhr

Gesperrt vorm Karnevalauftakt
Damit Kulturhaus wieder öffnet: Welzower bringen 50000 Euro für Brandschutz auf

Die außerplanmäßigen Ausgaben fürs Welzower Kulturhaus kommen aus Haushaltsansätzen fürs Schwimmbad, für die Gemeindestraßen und für die Finanzverwaltung.
Die außerplanmäßigen Ausgaben fürs Welzower Kulturhaus kommen aus Haushaltsansätzen fürs Schwimmbad, für die Gemeindestraßen und für die Finanzverwaltung. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Welzow. Und das kurz vorm Karnevalauftakt: Wegen Brandschutzmängeln ist das Welzower Kulturhaus seit August gesperrt. Die Welzower kratzen 50 000 Euro für die nötigen Brandschutzmaßnahmen zusammen, damit das Kulturhaus wieder genutzt werden kann. Von Annett Igel-Allzeit

150 Mitglieder hat der Welzower Carneval Club (WCC). Sie und die vielen Freunde des Karnevals in und um Welzow und Proschim hoffen, dass das Kulturhaus zum 11. 11. wieder betriebsfähig und sicher ist. Die Stadtverordneten haben die außerplanmäßige Ausgabe von 50 000 Euro einstimmig befürwortet. Und der traditionelle kleine Umzug nach der karnevalistischen Schlüsselübergabe am Rathaus quer durch die Stadt soll auch in diesem Jahr zum Kulturhaus führen. Das ist geplant, versichert Welzows Karnevalspräsident Dirk Boslau.

Doch der Schreck sitzt noch tief. Nach einer Brandverhütungsschau am 1. August wurde das Kulturhaus sofort gesperrt. Viele Jahre hatte so eine Schau nicht stattgefunden. Jetzt stellten die Mitarbeiter des Sachgebietes Brand- und Katastrophenschutz des Landkreises Spree-Neiße erhebliche Mängel fest. Die Elektroanlage samt der verlegten Stromkabel kam als ernsthaftes Risiko ins Protokoll.

„Es war nur eine Frage der Zeit. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung konnten wir immer nur die unbedingt nötigen Reparaturen erledigen. Mehr war finanziell einfach nicht möglich“, sagt WCC-Präsident Dirk Boslau. Noch im September startete der WCC eine große Aufräumaktion im Kulturhaus. Zugleich kamen Hilfsangebote von allen Seiten. Die Proben der Tanzgruppen konnten in die Alte Dorfschule verlegt werden. Für die Vorstandssitzungen hat die Freiwillige Feuerwehr Welzow ihre neuen Räume angeboten. „In solchen Fällen ziehen wir Welzower an einem Strang“, sagt Danilo Roick, Vize-Präsidenten des WCC.

„Die Hälfte unserer Mitglieder sind Kinder und Jugendliche unter 16 Jahre. Sie sollen die Tradition des Karnevals mal weitertragen“, sagt Dirk Boslau. Das Kulturhaus kennt er selbst noch aus seiner Kindheit. „Es war unter anderem Kintopp“, erinnert er sich. Bereits um 1800 soll der Vorläufer des Kulturhauses als „Mertingsche Dorfschenke“ an der Dorfaue gestanden haben. Mehrmals wurde umgebaut und erweitert. Das sieht, wer das Gebäude umrundet, noch heute. Zukunftspläne hat die Stadt Welzow auch damit. Eine große Tafel zeigt das „Kulturhaus mit Biergarten“ in der Stadtentwicklungskonzeption 2030. Das geplante Vordach mit Welle und Glas ist ein Hingucker.

Spielstätte des WCC ist das Kulturhaus seit Jahrzehnten. Gegründet wurde der Karnevalsverein nämlich von Kurt Mattner, dem einstigen Leiter des Kulturhauses „Alfred Scholz“ im Jahr 1956, erzählt Danilo Roick aus der WCC-Geschichte. Auch für große Familienfeiern wie Hochzeiten und runde Geburtstage ist das Kulturhaus gefragt. Neben dem Gastraum gibt es mehrere Vereinsräume und den Saal.

Vorm einstimmigen Beschluss – ein seltenes Abstimmungsergebnis im Welzower Stadtparlament – zur außerplanmäßige Ausgabe betonten mehrere Abgeordnete den kulturellen Wert des Welzower Karnevals. Einzigartig ist, dass das Prinzenpaar stets in der ersten Veranstaltung – in diesem Jahr am 17. November – aus dem Publikum gewählt wird. Aber die Abgeordneten sehen auch die lange Mängelliste. Carsten Paulisch (SPD): „Immer nur Flickschusterei ist nicht nicht optimal. Die Karnevalisten sollten mit der Stadtverwaltung für weitere Maßnahmen eine Terminkette absprechen.“ Carsten Kupsch (Zukunft Welzow Proschim) ist froh, dass es die Brandverhütungsschau gab.

Hilmar Mißbach von der Fraktion Bürgerforum/Linke findet, dass diese Situation hätte verhindert werden müssen. In der Begründung der Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) zum Beschluss heißt es: „Der langfristige Erhalt des Gebäudekomplexes ist ungewiss. Der Gebäudeunterhalt war deshalb bisher auch nur auf das Notwendigste beschränkt.“ Das Kulturhaus gehört nicht zu den kommunalen Pflichtaufgaben. Aber es gebe in Welzow keine zweite öffentlich nutzbare Versammlungs- und Kulturstätte mit so viel Platz.

Mit dem Beschluss zur Wiederherstellung der Betriebsfähigkeit wurden zwei Aufträge vergeben: Für 27 375 Euro sollen die Hauptstromverteilung und die Notlichtanlage samt Fluchtwegleuchten erneuert und die Elektroanlage überprüft werden. Für 4771 Euro werden ein Feuerwehrplan, ein Flucht- und Rettungswegeplan, ein Bestuhlungsplan und eine Brandschutzordnung erwartet. Zudem ist das Treppenhaus rauchdicht abzutrennen. Mehr Feuerlöscher braucht das Kulturhaus und Bühnenvorhänge aus schwer entflammbarem Stoff. Und Eile ist dabei geboten, da vor Freigabe ein Termin für die Überprüfung mit der Kreisbehörde gefunden werden muss.