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Kulturhaus ist den Proschimern wichtig

Engagierte Proschimer bekamen ein Dankeschön von Dr. Anderes Kapelle und Frau im Namen des Fördervereins.
Engagierte Proschimer bekamen ein Dankeschön von Dr. Anderes Kapelle und Frau im Namen des Fördervereins. FOTO: dbo1
Proschim. Einwohner von Proschim haben am Sonntag an die Gründung ihres Kulturhauses erinnert. Der im Juli 2008 gegründete Förderverein ,,Kulturhaus Proschim" ist seit September Mieter des Kulturhauses, will es als kulturelles Zentrum erhalten. dbo1

Andreas Kapelle erinnerte zum Auftakt der Veranstaltung in seiner Festrede daran, wie schwierig der Weg dorthin war. Proschim war nach dreitägigen Kämpfen am 21. April 1945 zu 75 Prozent zerstört worden. Auch die Gaststätte von Paul Rathsburg war betroffen. In dem bis dato größten Saal im Kreis Spremberg hatte es zahlreiche Veranstaltungen gegeben, manchmal spielten sogar zwei Kapellen gleichzeitig. In der Not nach 1945 war an einen Wiederaufbau des Gasthofes überhaupt nicht zu denken.

Mehrere Ersatz-Varianten scheiterten, bis die Gemeinde unter Bürgermeister Wilhelm Starick den Umbau der Rathsburg-Scheune und der Behelfsgaststätte, im Volksmund 'Kitzelstube' genannt, ins Auge fassten. Jedoch wurden die Anträge 1952 nicht vom Kreis bearbeitet.

Die Idee, wieder ein Kulturhaus zu haben gaben die Proschimer nicht auf. Unter der Losung ,,Alle helfen mit" wurden Bürger angesprochen. Die Dorfbewohner verpflichteten sich zu 4060 Stunden Arbeit, 129 Gespannstunden und zu 676 Mark. Das Grundstück für das Kulturhaus konnte schließlich für 6153 Mark erworben werden.

Am 3. März 1965 erfolgte der feierliche Spatenstich. 8000 Arbeitsstunden im Nationalen Aufbauwerk (NAW) wurden für den Aufbau des Kulturhauses geleistet. Mehr als 200 Bewohner beteiligten sich in irgendeiner Form an den Bauarbeiten. Bewohner haben damals 8000 Hohlblocksteine und Gehwegplatten angefertigt. Der Bezirk griff in seine stillen Reserven beim Lottofonds, vom Kulturfonds der DDR wurden weitere 1000 Mark bereitgestellt. Das erste Geld reichte gerade für den Projektanten.

Aber letztendlich wurde die Herausforderung durch die Proschimer gestemmt. Am 6. Oktober fand das Richtfest statt, anschließend wurde zum Tanz in den Kulturraum der Schule eingeladen. Die Lausitzer RUNDSCHAU berichtete in ihrer Ausgabe am 18. Juni 1966 groß über die Bereitschaft der Dorfbewohner, die es so bislang noch nicht gegeben hatte. Von 1966 bis 1968 nahmen die Gastwirte Twarz, Spiller, Endries und Zehring nacheinander die Arbeit auf. Jürgen und Erika Gleiche führten die Gaststätte von September 1968 bis Dezember 1990. Im August 1991 übernahm Familie Roick die Gaststätte. Wirtin Marita Roick und Belegschaft fühlen sich der Tradition einer gepflegten Gaststätte verpflichtet und arbeiten nach der Devise ,,Freundlichkeit kostet kein Geld".

An viele tolle Veranstaltungen konnte man sich am Sonntag noch erinnern, die von Vereinen organisiert wurden. Andy Borg sang sich in die Herzen der Proschimer und Eberhard Chors brachte fast die starken Mauern des Hauses zum Wanken mit seinen Witzen. Die Fußballweltmeisterschaft 2006 wurde ein Gemeinschaftserlebnis und viele schöne Veranstaltungen folgten.

Für ihr besonderes Engagement konnten am Sonntag einige Proschimer durch den Förderverein geehrt werden. Ein großer Dank aber, so Andreas Kapelle, geht an alle Proschimer, die sich mit diesem geschichtsträchtigen Haus verbunden fühlen. An einer vom Förderverein gestalteten Tafel der Erinnerung mit alten Fotos und Berichten konnten die Proschimer die Zeit ihres Kulturhauses noch einmal Revue passieren lassen. Mario Kaulfers unterhielt die Gäste mit seiner DDR-Comedy-Show bestens.