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Die Mücke am Blatt
Strittmatters Texte erfrischend naturell und lebensbejahend

Peter Moschall und mit Lara Kantor nutzten nach der Premiere die Gelegenheit zum Gespräch mit Zuschauern.
Peter Moschall und mit Lara Kantor nutzten nach der Premiere die Gelegenheit zum Gespräch mit Zuschauern. FOTO: ang1
Bohsdorf. Anlässlich des 105. Geburtstags von Erwin Strittmatter feierte der beeindruckende Kurzfilm "Die Mücke am Blatt" am Sonntag in Bohsdorf Premiere. Anja Guhlan / ang1

Der Strittmatter-Verein hatte anlässlich des 105. Geburtstages von Erwin Strittmatter zu einem kulturellen Fest eingeladen. 150 Besucher folgten der Einladung und erlebten ein etwa einstündiges literarisches Programm des Schauspielers Michael Becker. Becker, der selbst Mitglied im Strittmatter-Verein ist, trug verschiedene Texte von Erwin Strittmatter und Gedichte von Eva Strittmatter vor.

Peter Moschalls wagte mit seinem Kurzfilm "Mücke am Blatt" sein eigenes Filmprojekt. Der einstige ZDF-Kameramann, der sich jetzt im Vorruhestand befindet, konnte damit große Begeisterung bei den Besuchern auslösen. "Ich wollte einfach mal einen Film drehen nach meinen eigenen Vorstellungen. Als angestellter Kameramann ist man meist doch sehr gebunden", meint Moschall. Gekonnt strickt der 61-Jährige um Strittmatters Texte vorrangig aus dem Werk "Selbstermunterungen" eine Geschichte, in dem ein jungesMädchen, dass alles sinnlos findet, einen fiktiven Dialog mit einem alten Mann, der ihr Großvater zu sein scheint, beginnt. Die gezeigten Bilder des 27-minütigen Films sind dabei sehr nah an der Natur, die Perspektiven - mal romantisch, mal erfrischend anders. Peter Moschall setzt in seinem Kurzfilm bewusst auf Entschleunigung. Keine schnellen Schnitte und keine Action. Stattdessen ein wunderbar lebensbejahender Dialog und passend aneinandergereihte Bilder. Moschall will wieder das Interesse an Strittmatter vor allem bei Jugendlichen wecken.

Bei der Hauptdarstellerin Lara Kantor hat das schon mal funktioniert. "Ich habe mich im Laufe der Dreharbeiten mit einigen Werken Strittmatters auseinandergesetzt und sie auch gelesen. Ich bin der Literatur von Erwin Strittmatter daher näher gekommen", meint die 16-Jährige. Als Pflichtlektüre gelten Strittmatters Werke in der Schule nicht mehr, weiß auch der Strittmatter-Verein. Der Kurzfilm ist ein gutes Beispiel dafür, wie Strittmatters Texte noch weitergetragen werden können. Ginge es nach Moschall, könnte der Film auch in Schulen Bestandteil des Unterrichts werden.

Viele Besucher sind jedenfalls begeistert. "Die Strittmatter-Texte in Verbindung mit den Bildern und der erdachten Story gefallen mir sehr. Ich hatte mich zuvor noch nie mit Strittmatter beschäftigt. Jetzt weiß ich ein bisschen mehr", meint der 14-jährige Lester Kielstein. Auch Gisela Gehler aus Forst findet den Kurzfilm gelungen. "Besonders die Naturaufnahmen sind wunderschön in Kombination mit den Texten", so die 65-Jährige.

Peter Moschall erklärt: "Fern ab von jeglichen Vorurteilen soll der Zuschauer zuerst die Texte, die Bilder und die Filmmusik auf sich wirken lassen, erst im Abspann wird erwähnt, dass es sich um Strittmatter-Texte handelt." Auch die Filmmusik, die von Melanie Minuit geschrieben wurde, hebt die Bilder nochmals ein Stück weiter empor. Lange hatte Peter Moschall nach geeigneter Filmmusik gesucht und sie dann bei der Berliner Musikerin gefunden. "Für mich war dieses Projekt eine wunderbare Erfahrung. Obwohl die Musik schon vorher existierte, werden zu meiner Musik Bilder gezeigt, die ich in ähnlicher Form auch beim Schreiben der Musik im Kopf hatte. Das ist verblüffend", sagt Melanie Minuit.