ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:01 Uhr

Ausstellung in Neuhausen
Sie streitet sich so gern mit den Farben

Silvia Wiesner aus Kahsel malt seit 2011 ein Bild nach dem anderen. In Neuhausen wird heute ihre erste Einzelausstellung eröffnet.
Silvia Wiesner aus Kahsel malt seit 2011 ein Bild nach dem anderen. In Neuhausen wird heute ihre erste Einzelausstellung eröffnet. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Silvia Wiesner aus Kahsel stellt naturalistische und abstrakte Landschaften in Neuhausen aus.

Ängstlichkeit lässt sich bunt wegpinseln, dick überspachteln, in Lackrissen versenken und in nassem Aquarellpapier ertränken. Silvia Wiesner aus Drieschnitz-Kahsel gelingt das. In ihren Bildern streiten sich die kalten und die warmen Farben. Der Mond, eierkuchenrund, beleuchtet staunend ganz filigrane Pflanzen. Und das Violett krabbelt heimlich den Baumstamm hinauf.

30 Bilder hat sie am Montagmorgen in die Gemeindeverwaltung Neuhausen/Spree gebracht und gemeinsam mit dem Hausmeister und ihrem Ehemann in den Fluren verteilt. Kurz nach Mittag begann Silvia Wiesner, die Schildchen mit den Titeln und Techniken unter die Rahmen zu kleben. „Es ist die erste Ausstellung, die ich allein mit meinen Bildern bestreite“, sagt sie.

Gemalt hat sie schon als junges Mädchen gern. „Meiner großen Schwester, die wunderbar zeichnen konnte, haben ich nachgeeifert“, erinnert sie sich. Und mit Gebrauchswerberin – heute Dekorateurin – hatte sie zudem einen kreativen Beruf lernen dürfen. Doch dann kam das Leben mit seinen Herausforderungen. Da blieb wenig Zeit, sich für ein paar Stunden hinzusetzen und zu zeichnen. Als sie eine schwere Krankheit traf, sie versuchte, wieder ins Leben zu finden, war es ihr Mann, der sagte, dass sie etwas brauche, was ihr Spaß macht. Er erinnerte sie: „Du hast doch immer so gern gemalt.“

So begann sie im Jahr 2011 wieder zu zeichnen, probierte sich in  den Farben aus. Und im Ruhestand ab 2014 konnte sie sich noch mehr hinein knien in das wieder entdeckte Hobby. Sie suchte nach Kursen. „Ich wollte mehr wissen, denn ich war an Grenzen gestoßen, hatte  Bedenken und Ängste. Wie bekomme ich die Perspektiven richtig hin? Was kann Hell, was kann Dunkel? Mit der Farbenlehre habe ich mich neu beschäftigt.“ Silvia Wiesner besuchte Kurse der Volkshochschule Spree-Neiße bei Manfred Ewersbach und bei Angela Schaal in Spremberg. Derzeit fährt sie einmal in der Woche zu Ekaterina Orba in die Cottbuser Malschule in der Friedrich-Ebert-Straße. „Auch wenn ich noch so viele Kurse besuche, ich bleibe Laie. Mit fast 70 habe ich allein körperlich meine Grenzen“, so die 69-Jährige. Trotzdem, Bilder wie „Wirbel“ und „Märkische Heide“ scheinen ihr leicht aus dem Handgelenk zu entspringen. Sie ist fasziniert, wie viele Farbtöne es gibt. Mit ihnen taucht sie Landschaften, die in ähnlicher Form sicher schon so an Flüssen und Meeren gemalt wurden, in ein neues Licht.

Ihr Nachbar neckt sie manchmal, wenn er sich ihre Bilder anschaut: So sehe das aber in Wirklichkeit nicht aus! „Doch ich nehme es so wahr“, hält Silvia Wiesner schmunzelnd dagegen. „Wahrnehmungen“ hat sie deshalb auch ihre Ausstellung in der Gemeindeverwaltung Neuhausen/Spree genannt. Und die Kahselerin zeigt nicht nur Landschaften naturalistisch und abstrakt, porträtiert den Papagei und vertieft sich mit Pastellkreide in den kräftigen Schnabel und ins Federkleid eines Tukans, sondern sie gibt auch auch Einblicke in ihre künstlerische Entwicklung. „Derzeit spachtele ich viel, arbeite mit einem Lack, der dann bricht, und mit Acrylfarben“, sagt sie. Auch die Aquarellfarben haben sie eine ganze Weile beschäftigt, erzählt sie und führt zu zwei Bildern, die in der Nass-in-Nass-Technik in den Kursen von Manfred Ewersbach entstanden sind.  „Besonders für Aquarellfarben gilt, was mir einmal eine Kollegin sagte: Farben sind nicht gehorsam. Ja, sie laufen, laufen ineinander, verlaufen sich. Man muss besonders gut mit ihnen umgehen können“, sagt Silvia Wiesner.

Viele Kahseler kennen bereits Bilder von ihr. Im Mai, zum ersten Scheunenfest der Kreativen in Kahsel, hatte sie einige ihrer Landschaften gezeigt. Im nächsten Jahr soll es das zweite Scheunenfest geben, das hat sie mit ihren Mitstreitern schon beschlossen. „Mit diesem Fest und mit der Ausstellung will ich zeigen, wie lebenswert es auf dem Land doch ist. Und ich will andere ermutigen, Bilder, Fotos, Kunsthandwerk auszustellen.“

Wie Recht ihr Ehemann hatte und wie sehr sie in ihrem Hobby auflebt, zeigt beinahe jedes einzelne Bild. Vom Meer, an dem sie mindestens einmal im Jahr sitzen muss, von den tapferen Tulpen, dem stillen Seespiegel direkt unterm Alpenglühen und dem Eiger-Berg in den Berner Alpen. Diesen Riesen bringt sie mit Farben in Bewegung. Selbst einen traurigen Blues malt Silvia Wiesner nicht ohne ein kleines Lächeln in Türkis.