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Spremberg
Poesie krabbelt durch den Alltag

Herbstliche Impressionen am Laden in Bohsdorf: Der Erwin-Strittmatter-Verein sucht jetzt im Literaturwettbewerb nach der Poesie.
Herbstliche Impressionen am Laden in Bohsdorf: Der Erwin-Strittmatter-Verein sucht jetzt im Literaturwettbewerb nach der Poesie. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Der Erwin-Strittmatter-Verein in Bohsdorf hat einen Literaturwettbewerb gestartet. Annett Igel-Allzeit

Erwin Strittmatter hat nur eine Mücke gebraucht, um das Glück zu beschrieben, und eine Pflaume fürs Wunder. Für Eva Strittmatter musste die Grille nicht einmal singen: „Ich mach ein Lied aus Stille.“ Wie schwer es ist, aus Kleinstem Großes zu schaffen, sollen jetzt Literaturfreunde selbst herausfinden. Der Erwin-Strittmatter-Verein in Bohsdorf hat einen Literaturwettbewerb gestartet. Renate Brucke, die Vereinsvorsitzende, bekam bereits erste Texte. Aus Taucha und aus Köln, erzählt sie.

„Eva und Erwin Strittmatter hatten die Gabe, alltägliche Erlebnisse in ihrem Werk zu poetisieren“, so Renate Brucke. Matthias Stark, der mit ihr „Loadengeschichten“ für das Buch „Von Bohsdorf nach Schulzenhof“ gesammelt hatte, sieht das ähnlich: „Beide erwähnen mehrfach, dass sie das Leben zu Poesie keltern.“ Überschrieben hat der Verein den Wettbewerb mit „Alltag im Wort“. Eingesandt werden könne Prosa und Lyrik – unveröffentlicht und aus eigener Feder sollten die Texte sein. Schüler, die gern schreiben, seien eingeladen wie gestandene Autoren. Ob außerdem ein Pokal entwickelt und in mehreren Altersgruppen ausgezeichnet wird, hänge noch von der Resonanz ab.Bis zum 31. Dezember 2018 nimmt der Verein Texte entgegen. Eine Jury aus Vereinsmitgliedern werde die Poesie bewerten, kündigt Renate Brucke an.

 Wie bei den „Loadengeschichten“, in denen sich Schreibende an Begegnungen mit den Strittmatters erinnern oder auf ihren Spuren unterwegs sind, seien auch nach dem neuen Wettstreit eine Anthologie und  eine Lesung geplant. Gespannt ist Renate Brucke als Lehrerin im Ruhestand, wie die Schulen reagieren. „Auch an Schulen in Sachsen sind unsere Einladungen gegangen, und nach Gransee, wo am Strittmatter-Gymnasium Rezitations- und Schreibwettbewerbe bereits Tradition haben.“

 Sich auf die Poesie einzustimmen, dazu gibt es einige Möglichkeiten: So lädt der Verein gemeinsam mit den Schauspielern Michael Becker und Oliver Breite sowie mit Knut Strittmatter und Judka Strittmatter am 15. April, 16 Uhr, in die Theaterscheune Ströbitz ein. Karten dafür gibt es in der Touristinformation Spremberg, sagt Renate Brucke. Auch das Buch „Von Bohsdorf nach Schulzenhof“ und der Film „Die Mücke am Blatt“, den Peter Moschall mit der Spremberger Gymnasiastin Lara Kantor nach Texten von Erwin Strittmatter gedreht hat, seien dort erhältlich.

Einen Einblick in die Arbeitsweise Strittmatters will Franka Köpp am 27. Januar in Bohsdorf geben. Im April 2014 hatte die Akademie der Künste in Berlin das Schulzenhofer Archiv übernommen. Franka Köpp begleitet die Übernahme wissenschaftlich und gibt dem Verein einen Überblick zur Forschung „Strittmatter soll seine Arbeitsweise zum Teil minutiös dokumentiert haben“, so Renate Brucke. Um Werkmanuskripte, um Notizen und Entwürfe zur „Wundertäter“- und zur  „Laden“-Trilogie soll es gehen. Und Lust auf den Lesesaal der Akademie wollen die Wissenschaftlerin den Strittmatter-Freunden auch machen. „Einsehbar sind die Manuskripte und Notizen in der Akademie am Robert-Koch-Platz in Berlin in der Nähe des Brandenburger Tors nämlich schon“, weiß Renate Brucke. Und am 7. April will Matthias Stark in Bohsdorf erzählen, welche Schriftsteller Strittmatter bevorzugt las. Auch das könnte auf der Suche nach der Poesie im Alltag helfen.

Renate Brucke: „Wir haben auch Schulen in Sachsen zum Wettbewerb eingeladen.“
Renate Brucke: „Wir haben auch Schulen in Sachsen zum Wettbewerb eingeladen.“ FOTO: Annett Igel-Allzeit