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| 15:32 Uhr

Gutachten nötig
Neustart für Feriencamp erhofft

Bürgermeisterin Christine Herntier und Fachbereichsleiter Frank Kulik hatten ein Abschiedsgeschenk aus Bohsdorf zur Konferenz des Bildungsausschusses mitgebracht.
Bürgermeisterin Christine Herntier und Fachbereichsleiter Frank Kulik hatten ein Abschiedsgeschenk aus Bohsdorf zur Konferenz des Bildungsausschusses mitgebracht. FOTO: René Wappler / LR
Spremberg. Das Gespräch über die beliebte Anlage in Bohsdorf eint zerstrittene Kommunalpolitiker. René Wappler

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Das Feriencamp in Bohsdorf könnte bald wieder seinen Betrieb aufnehmen, obwohl es erst am 4. November offiziell geschlossen wurde. Allerdings bedarf es dafür erst einmal eines Verkehrswert-Gutachtens: Das hat Fachbereichsleiter Frank Kulik am Mittwochabend vor den Mitgliedern des Spremberger Bildungsausschusses betont. Sie berieten im Ratssaal des Bürgerhauses über die Zukunft des Geländes am Felixsee.

Noch vor ein paar Monaten gifteten die beiden Kommunalpolitiker einander bei jeder Gelegenheit an. Das Lesen und Schreiben falle dem Fraktionschef der Nächsten Generation wohl schwer, suggerierte der CDU-Stadtverordnete Peter Reininger. Prompt folgte die Retourkutsche von Benny Stobinski: Der Christdemokrat könne seine Zeit auch sinnvoller nutzen als für kleinliche Kritik.

CDU-Fraktionschef  Andreas Bränzel  erklärte wiederum bei einer Konferenz des Partei-Ortsverbandes im Tennisheim an der Drebkauer Straße: Die Nächste Generation sei kurz davor, die Grenze der politischen Rufschädigung zu überschreiten – und mit Benny Stobinski werde er „kein Bier mehr trinken gehen“.

Der offene Konflikt entzündete sich an einer Rede von Andreas Bränzel aus der Stadtverordneten-Konferenz zum Feriencamp in Bohsdorf, von der Nächsten Generation mit spöttischen Kommentaren versehen und ins Internet gestellt. Der CDU-Fraktionschef hatte dafür plädiert, Geld zum Neubau der Schwimmhalle am Kochsagrund einzusetzen, das zunächst für das Feriencamp in Bohsdorf geplant war. Die Nächste Generation hingegen erklärte: Sie werde sich „jedem Plan entgegenstellen, der die Schließung des Feriencamps zur Folge hätte“.

Doch plötzlich scheint sich der Konflikt zwischen beiden Fraktionen in Luft aufzulösen. Peter Reininger und Benny Stobinski saßen am Mittwoch kurz sogar einhellig nebeneinander im Saal des Bürgerhauses – der eine als Mitglied des Ausschusses, der andere als Zuschauer. Zuvor hatte sich der CDU-Stadtverordnete für das weitere Bestehen des Feriencamps ausgesprochen.

Das fordern auch die 2400 Personen, die eine Online-Petition zum Erhalt der Anlage in Bohsdorf unterschrieben haben. Auf diese Petition ging Fachbereichsleiter Frank Kulik ein: „Eine deutliche Botschaft, dass vielen Leuten der Erhalt dieser Anlage wichtig ist“, sagte er. Seitens der Stadt Spremberg bestehe „ein starkes Interesse, mit der Stiftung SPI in Übereinstimmung zu kommen“. Die Stiftung betrieb das Camp bisher. Nun unterbreitete die Nächste Generation im Bildungsausschuss den Vorschlag, die Stadt könne doch mit SPI eine symbolische Pacht von einem Euro pro Jahr vereinbaren und den Pächter zur Sanierung auf eigene Kosten verpflichten – bei einer Vertragsdauer von mindestens zehn Jahren. Darüber hinaus ließen sich Fördermittel beantragen.

Nach den Worten des Fachbereichsleiters Frank Kulik wird die Zeit für diesen Plan denkbar knapp, wenn der Umbau noch im nächsten Jahr beginnen soll. „Wir wollen Nägel mit Köpfen machen, aber ohne Verkehrswertgutachten gestaltet sich das schwierig.“ Der Auftrag dafür sei bereits ausgelöst.

Dazu äußerte sich CDU-Mitglied Peter Reininger verwundert. „Ich verstehe nicht, wieso ein Verkehrswertgutachten vier Monate braucht“, sagte er. „Das sieht mir so aus, als hätten die Fachleute derzeit viel zu tun.“

Als Zuschauer nahm auch der SPD-Fraktionschef Dirk Süßmilch am Bildungsausschuss teil. Die Spremberger Sozialdemokraten sprechen sich ebenfalls eindeutig dafür aus, das Feriencamp weiterhin zu unterstützen. Trotzdem bleiben für den SPD-Fraktionschef zwei Aspekte ungeklärt: Dirk Süßmilch fragt sich, warum die Nächste Generation fast in letzter Minute „eine nicht abgestimmte Beschlussvorlage einbringt, die Fakten schaffen soll, während die Stadtverwaltung und Träger noch miteinander verhandeln“. Außerdem geht Dirk Süßmilch davon aus, dass ein weiteres Kaufangebot für das Feriencamp, von Benny Stobinski mit der Unternehmergesellschaft „OneLoveWorks“ vorgelegt, im Widerspruch zur Kommunalverfassung steht. „Der Fraktionschef der Nächsten Generation ist befangen, zumal er Hintergründe aus nicht öffentlichen Sitzungen erfährt, die anderen Personen nicht zugänglich sind“, sagt der SPD-Politiker. Er beruft sich dabei auf Paragraf 21 der Kommunalverfassung, in dem es heißt: Ehrenamtlich Tätige dürfen „die Kenntnis vertraulicher Angelegenheiten nicht unbefugt verwerten“.

Anstelle der CDU könnte nun also die SPD einen Konflikt mit der Nächsten Generation um das Feriencamp in Bohsdorf austragen.