| 12:34 Uhr

Kultur
Lieblingsautoren von Strittmatter

Matthias Stark stöberte in zahlreichen Büchern. Aus einer Auswahl an Büchern brachte er den Besuchern des Literaturcafés Strittmatters Lieblingsautoren wie Hermann Hesse, Ralph Waldo Emerson oder Laotse näher.
Matthias Stark stöberte in zahlreichen Büchern. Aus einer Auswahl an Büchern brachte er den Besuchern des Literaturcafés Strittmatters Lieblingsautoren wie Hermann Hesse, Ralph Waldo Emerson oder Laotse näher. FOTO: Anja Guhlan
Bohsdorf. Vereinsmitglied Matthias Stark stellt Einflüsse auf das Werk des Schriftstellers vor. Von Anja Guhlan

Vor etwa einem halben Jahr hatte Matthias Stark als Vereinsmitglied des Strittmatter-Vereins in Bohsdorf die Idee, sich mit den Lieblingsautoren von Erwin Strittmatter zu beschäftigen. „Als ich einst in Schulzenhof die Bibliothek von Erwin Strittmatter im Obergeschoss entdeckte, war ich angetan von der Vielfalt der Bücher, die Strittmatter gelesen hatte. Ich fand es daher sehr spannend, mal zu erforschen, was er so für Lieblingsautoren hatte und ob diese seine Werke beeinflusst haben“, so Matthias Stark.

Tagelang hat er deshalb Spuren in Strittmatters Werken zu seinen Lieblingsautoren gesucht, verschiedene Bücher gelesen und ist am Ende fündig geworden. Im jüngsten Literaturcafé des Vereins  stellte er den Besuchern seine Erkenntnisse vor.

Matthias Stark, der selbst nebenberuflich als Autor arbeitet, erklärt, dass sich wohl jeder Autor und Schriftsteller beeinflussen lässt. Strittmatter ließ sich offensichtlich von anderen Autoren beeinflussen.  So fand Stark heraus, dass vier bekannte Autoren Erwin Strittmatter besonders prägten.

So entdeckte Strittmatter einst  den Daoismus für sich. Besonders  die Schriften von Laotse, der im 6. Jahrhundert gelebt haben soll, taten es Strittmatter an.  Zentrale Aussage des Daoismus ist Wu Wei. Das chinesische Wort kann als Nichthandeln übersetzt werden. Gemeint ist damit, Verhaltensweisen zu unterlassen, die gegen die Natur oder den natürlichen Verlauf von Dingen gerichtet sind.

Laut Stark  hat Strittmatter im Laufe seiner Schriftsteller-Karriere auch nur noch Dinge der Welt beobachtet und niedergeschrieben, statt sich aktiv einzumischen. „Für ihn war es sinnvoller, Dingen seinen freien Lauf zu lassen“, so Stark.

Am stärksten beeinflusste ihn aber der US-amerikanische Schriftsteller Ralph Waldo Emerson. Von ihm hat Strittmatter laut Stark die „Theorie der Ausgleichung“ übernommen. „Das, was man auf der einen Seite gewinnt, verliert man auf der anderen Seite wieder, so lautet der Wortlaut der Theorie“, meint Stark. So gewinnt man als Beispiel zwar mit dem zunehmenden Maschinenwesen an Produktivität, verliert aber zunehmend die eigenen Kräfte. Strittmatter gefiel dieses Gedankenspiel und fügte es teilweise auch in seine eigenen Werke mit ein. Von dem bekannten Schriftsteller und Nobelpreisträger  Hermann Hesse griff er den Gedanken des Eigensinnes auf. Auf sich selbst zu hören und nach seinem eigenen Sinn zu handeln, stand im Vordergrund. Besonders in Strittmatters Spätwerken ist dieser Gedanke zu erkennen.

Zu guter Letzt hat ihn auch der isländische Autor Halldor Laxness beeinflusst. Auslöser waren Strittmatters Island-Pferde. Durch sie wollte er Land und Leute Islands kennenlernen und er stieß dabei auf deren Nationaldichter. Besonders sein Erzählkosmos und die sozialkritische Erzählform beeindruckten Strittmatter stark.

Für die Besucher wie Gudrun Sägling (77) aus Görlitz und  Hedwig Jordan (83) aus Schwarze Pumpe waren ziemlich viele neue Erkenntnisse dabei: „Mir war es gar nicht bewusst, wie sich Strittmatter von anderen Autoren beeinflussen ließ. Daher ist es interessant, mal von den subjektiven Erkenntnissen eines Vereinsmitglieds  mehr darüber zu erfahren“, meint Gudrun Sägling. Auch Peter Stempin (71) war überrascht und zugleich auch angeregt: „Ich werde mir demnächst auch mal einige Werke der anderen Autoren zu Gemüte führen. Obwohl es mich bestimmt dann auch bald wieder zu Strittmatters Werken hinzieht.“

Am Ende könnte sich Matthias Stark eine weitere Vortragsreihe zu Strittmatters Lieblingsautoren vorstellen. Denn in Strittmatters Bibliothek waren unter anderem auch Rilke und Tolstoi zu finden.