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Art Lausitz
Eisenocker plus Leinöl gleich Kunst

Klettwitz mit Regen - das Bild hat Bernhard Glück mit Farbe aus Braunkohle und Leinöl geschaffen.
Klettwitz mit Regen - das Bild hat Bernhard Glück mit Farbe aus Braunkohle und Leinöl geschaffen. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. „Art Lausitz“-Künstler Bernhard Glück verwandelt Bank-Filiale in Lausitzer Büro. Annett Igel-Allzeit

Malen mit den Naturstoffen, die die Lausitz so abwirft? Bernhard Glücks erster Versuch dazu ist so jung wie das 21. Jahrhundert. Er malt mit Ocker, Eisenoxid, Braunkohle, Ruß, Leinöl, Leinfirnis, dem warmen Blau des gelb blühenden Kreuzblütlers Waid. Das hat den blutjungen Banker Christoph Schwarz so fasziniert, dass er seinen Chef Henry Lehmann überzeugen konnten, diesen Künstler aus Meuro in alle, wirklich alle Büroräume der Deutschen Bank-Filiale zu lassen. Raum für die Kitzbüheler Alpen, die Provence, das Senftenberger Seenland, Spitzbergen, Meißen – warm, kalt, nass, kohlenstaubtrocken. Bernhard Glück wartet nicht nur geduldig, bis ein Leinölbild trocknet und die Schlussfirnis möglich ist, sondern er kann die Arbeit an einem Aquarell auf ganz zwei Tage ausweiten. Und er nimmt sich die Zeit, seine Farben in Experimenten zu suchen.

1951 wurde er als Bernhard Kurt Glück im thüringischen Ebersdorf geboren. Er wurde Elektromonteur, arbeitete als Wetterdiensttechniker, bevor er sein Diplom macht, seine Doktorarbeit schrieb und die Professur bekam. 1994 ließ er sich mit der Familie in Meuro nieder, pendelte 13 Jahre zwischen Senftenberg und der Provence, wo seine Frau zeitweise mit den drei Söhnen lebte.

Als Soldat hatte Glück im Jahr 1970 bei Strausberg mit der Ölmalerei begonnen, zwei Jahre später das Aquarellieren entdeckt und sich wiederum zwei Jahre später an Bildrestaurationen gewagt. Stolz betont er, dass er sich alles selbst beigebracht habe. Er sucht immer wieder neue Malmittel, legt Pflanzen in die Farben, druckt mit Holzscheiten, punktiert wie die Pointillisten. Und er vertraut den Farben der Lausitz, während er Leonardo da Vincis Proportionsstudien nachvollzieht und dem verehrten Meister eine wilde Lilie vor die Füße pflanzt.

Zudem hat Glück einen liebenswerten Humor: Einkaufen in Kitzbühel kann einen nackig machen. Die Banker müssen in Spremberg  Monacco aushalten, und Leonardo da Vinci hat nicht nur Proportionen gesehen, sondern auch ganz versonnen das liebe Gesichtchen einer Verflossenen. Nebelregen und die eisigen Farben auf Spitzbergen sind einfach schön, wenn der Betrachter warm steht. Und das Lavendelblau muss ein schmaler Bauer am Bild­rand erst in die Wirklichkeit holen. Ja, während seine Frau Marathon laufe, sitze er und male.

Zur Finissage verriet Henry Lehmann nicht, welche Bilder die Deutsche Bank nun kauft. Aber er versprach, dass sie noch eine ganze Weile hängen. Bernhard Glück verriet den Freunden der Kunst, die gekommen waren, wie viel Spaß es bereitet habe, ein Büro mit der Provence, das nächste mit Spitzbergen oder mit Österreich zu füllen. Er hatte verschiedene Lausitzer Pulver mitgebracht, den Mörser, einen kleinen Spachtel, das Öl. Er erklärte den Blauen Montag, der einst die im gelben Waid-Ferment  getränkte Wäsche an der Luft blau werden ließ. „Und aus dem Erfurter Blau“, so Glück, „lassen sich mit Lausitzer Ocker so vielfältige Grüntöne mischen.“ Motive gebe es genug und auch Farben aus der Lausitz.

Bernhard Glück zeigt, wie er seine Farben aus Ocker, Braunkohlenmehl und Leinöl anrührt.  t
Bernhard Glück zeigt, wie er seine Farben aus Ocker, Braunkohlenmehl und Leinöl anrührt. t FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR