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Dorfkapelle
Heitere Bläser erobern Kapelle

Die sanierte Dorfkapelle Sergen ist Veranstaltungsort im Cottbuser Musikherbst.
Die sanierte Dorfkapelle Sergen ist Veranstaltungsort im Cottbuser Musikherbst. FOTO: ani
Sergen. Hans-Dieter Harnath schiebt den großen Schlüssel ins Türschloss der Sergener Dorfkapelle. Der filigrane Altar mit dem Bild von der Kreuztragung Jesu sticht den grauen Herbsttag aus, und die Stühle warten schon. Annett Igel-Allzeit

Im Frühjahr 2016 konnten sich die Sergener und der Förderverein Dorfkapelle Sergen über den Abschluss der Sanierungsarbeiten freuen. Die Restauratorin Dorothee Schmidt-Breitung aus Breslack bei Neuzelle hatte zuletzt gemeinsam mit ihrem Mann Christoph Schröter und weiteren Kollegen das Bild des Hofmalers Carl Joseph Begas, den Altarkorpus und auch das Taufbecken restauriert. Vor zehn Jahren hatte die rund 125 000 Euro teure Sanierung begonnen - mit den Wänden und der Decke, den Holzeinbauten und der Fassade. Und auch die Orgel - eine kleine Sauerorgel mit einem Pedalregister und 189 Pfeifen aus Holz und Metall konnte 2014 saniert werden. "Sie klingt fantastisch", schwärmt Hans-Dieter Harnath. Organisten wie der Kirchenmusikdirektor Wilfried Wilke aus Cottbus und der Kantor Dietmar Schoene aus Peitz sowie der junge Kirchenmusiker Ric Rafael Reinhold jüngst zu einer Hochzeit haben schon auf ihr gespielt.

Am kommenden Sonntag soll nun wieder Musik die Dorfkapelle erfüllen. "Die Orgel wird zwar schweigen müssen", so Harnath, "aber ein Posaunenen-Quartett kommt." Nach seinem Eröffnungskonzert in der Cottbuser Lutherkirche zieht der 44. Cottbuser Musikherbst mit Kammerkonzerten in den ländlichen Raum nach Burg im Spreewald und nach Sergen in der Gemeinde Neuhausen/Spree. Das Posaunenensemble tritt unter dem schönen Namen "Tagesform" auf und gehört zum Musikverein Vetschau. Maik Fraedrich und Guido König spielen Posaune, Torsten Donath Bariton und Frank Knispel die Tuba. Wie Guido König ankündigt, dürfen sich die Musikfreunde auf Jazz und Swing und Pop freuen. Aber auch Konzertantes sei dabei: die "Episode" vom Cottbuser Komponisten Hans Hütten zum Beispiel. Hellmuth Henneberg hat die Moderation übernommen.

Hans-Dieter Harnath freut sich darauf, das Haus wieder für Musik öffnen zu können. Die Kapelle gehört der Gemeinde Neuhausen/Spree. Der Förderverein hat sich um die Sanierung gekümmert, und will die Kapelle mit Leben füllen. "Hier wird inzwischen gern standesamtlich geheiratet, und ein Sergener Paar hat hier in diesem Jahr sein Kind taufen lassen", erzählt er, während er in dem kleinen Gästebuch am Eingang blättert. Schräg hinter ihm hängt der Taufengel, dessen Herkunft und Geschichte noch erkundet werden muss. "Er wurde auf dem Dachboden gefunden und in Potsdam gesäubert und restauriert. Sogar aus Berlin kamen schon Besucher, um ihn zu sehen", sagt Hans-Dieter Harnath. Nur die Hände konnte dem Taufengel noch kein Restaurator ersetzen. Üblich wurden diese Taufengel mit ihren Schalen im 17. und 18. Jahrhundert.

Aber wenn am Sonntag auch für den Förderverein Dorfkapelle Sergen ein paar Spenden zusammenkommen, träumt Harnath davon, dass erst einmal die Glocke der Kapelle eine elektrische Steuerung bekommt. "Sie lässt sich derzeit wirklich nur mit dem Strick läuten. Das ist so schwierig, dass es nur ganz wenige im Dorf können", so Hans-Dieter Harnath.

Das heitere Kammerkonzert mit dem Posaunen-Quartett "Tagesform" beginnt am Sonntag um 15 Uhr mitten in Sergen.