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| 16:00 Uhr

Regisseur Andreas Dresen dreht im Tagebau Nochten
Spremberger spielt Film-Soldaten

Boxberg: Auf der Spreestraße wird ein Teil des Films um Gerhard Gundermann gedreht. In der Szene rettet der Film-Gundermann einen Igel.
Boxberg: Auf der Spreestraße wird ein Teil des Films um Gerhard Gundermann gedreht. In der Szene rettet der Film-Gundermann einen Igel. FOTO: Joachim Rehle
Spremberg. Marcus Twartz nimmt als Statist am Dreh des neuen Werks über Gerhard Gundermann teil. René Wappler

Eine Nacht lang steckt Marcus Twartz in einer alten Armee-Uniform. Als Statist spielt der 30-Jährige aus Spremberg im neuen Film des Regisseurs Andreas Dresen mit. Das Team dreht im Tagebau Nochten, in einer Szenerie aus dem Winter zum Jahreswechsel 1978/79, als Frost und Schnee so heftig wüteten, dass die Temperatur auf minus 28 Grad sank und Soldaten der Nationalen Volksarmee in die Braunkohleindustrie abkommandiert wurden. Das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete damals seinen Lesern im Westen Deutschlands: „Hunderte mit Braunkohle beladene Güterzüge blieben auf den Wegen vom Tagebau der Bezirke Cottbus und Dresden zu den Kraftwerken im Schnee stecken.“ Im Tagebau Nochten waren Soldaten einer Panzereinheit im Einsatz.

Dieser harte Winter wird also auch im Film von Andreas Dresen eine Rolle spielen, der das Leben des Baggerfahrers und Musikers Gerhard Gundermann aus Spreetal beleuchtet. Im Oktober begannen die Dreharbeiten. Sie führen das Team nach Angaben der betreuenden Agentur „Filmpresse Meuser“ nach Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Sachsen.

So erlebte der Spremberger Marcus Twartz die Kostümprobe bei der Firma Telux in Weißwasser: „Da hingen Bilder von damals an der Wand, auch Porträts von Gundermann, fast wie eine kleine Museumstour.“ Die Detailfreude der Ausstatter ging so weit, dass sie die Statisten mit originalgetreuen Hosenträgern und Kragenbinden ausstatteten – obwohl diese Accessoires im fertigen Film wohl kaum zu sehen sein werden, wie Marcus Twartz vermutet.

Drehbuchautorin Laila Stieler traf sich im Jahr 2004 erstmals mit der Witwe des Liedermachers, Conny Gundermann. „Daraus wurde eine Freundschaft“, sagt sie. „Conny Gundermann ist einer der großzügigsten Menschen, die ich kenne.“ Um beim Entwerfen der Szenen der damaligen Zeit gerecht zu werden, sah sich Laila Stieler alte Ausgaben der Aktuellen Kamera an, Dokumentationen aus dem Archiv des RBB – und sie las alte Artikel der Lausitzer Rundschau. Selbst die russische Zeichentrickserie „Hase und Wolf“ studierte sie noch einmal, um sich in die Stimmung ihrer Kindheit und Jugend zu versetzen.

An Gerhard Gundermann fasziniert sie „das Empfinden von Dingen, die auf irritierende Weise parallel laufen“, das Phänomen, „dass man für und gegen etwas gleichzeitig sein kann“: ein Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands – kurz: SED, wieder aus der Partei geworfen, ein Informant der Staatssicherheit, der dem Geheimdienst dann wegen seiner Aufsässigkeit doch nicht mehr behagte.

Der Statist Marcus Twartz aus Spremberg hat nach eigenem Bekunden „keinen Bezug zur DDR, bis auf die Momente, in denen ich Opa und Oma über diese Zeit ausfrage“. Trotzdem interessiert er sich für über seine kleine Nebenrolle hinaus für den Film über den Liedermacher Gerhard Gundermann. „Ich freue mich immer, wenn in unserer Region etwas Besonderes passiert.“

Im August 2018 will der Pandora Filmverleih „Gundermann“ in die deutschen Kinos bringen. Alexander Scheer spielt den Liedermacher. In weiteren Rollen sind Axel Prahl, Bjarne Mädel und Kathrin Angerer zu sehen.