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Spremberg
Richter spricht Urteil nach Spremberger Klinik-Attacke

Spremberg/Cottbus. Freispruch für den Täter – der psychisch Kranke muss aber in den Maßregelvollzug.

Mit einem Freispruch endet der Gerichtsprozess gegen einen Mann, der am Neujahrsmorgen in der Psychiatrie des Spremberger Krankenhauses einen anderen Patienten angegriffen hat. Allerdings muss der Angeklagte die Kosten des Verfahrens selbst tragen. Außerdem kommt er in den Maßregelvollzug und kommt nicht in ein Haus für betreutes Wohnen, das er selbst vorgeschlagen hatte.

Die Anklage im Fall am Cottbuser Landgericht lautete auf gefährliche Körperverletzung und versuchten Totschlag. In seiner Urteilsbegründung ging der Richter auf die Tat ein: „Eine recht banale Situation genügte, um sie auszulösen“, sagte er. So führte ein Streit um den Kaffeekonsum des Angeklagten dazu, dass er den anderen Patienten attackierte und versuchte, ihn zu erwürgen. Nur das Einschreiten zweier Mitarbeiterinnen des Krankenhauses Spremberg brachte ihn davon ab.

Für den Angeklagten führte der Richter ins Feld, dass er seit dem Jahr 2002 mit der Diagnose der paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie leben muss: Er leidet demnach unter Wahnvorstellungen, die sich unter anderem in der Furcht vor Vergiftung und der Idee äußern, jemand habe ihm einen Chip in den Kopf gepflanzt, um seine Gedanken zu steuern.

Zudem habe er den Tod des Patienten zwar in Kauf genommen, aber nach Ansicht des Richters dabei nicht mit der klaren Absicht gehandelt, ihn zu töten. „In unbehandeltem Zustand sind weitere Taten zu erwarten“, erklärte der Richter. So zeige der Beschuldigte nur eine widersprüchliche Krankheitseinsicht, und er habe in der Vergangenheit seine Medikamente unregelmäßig eingenommen.

„Er ist weiterhin gefährlich“, sagte der Richter. „Der Therapiebedarf kann nur ausreichend im Maßregelvollzug gedeckt werden“  – also durch die permanente Unterbringung von ihm in einem Fachkrankenhaus.

(wr)