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| 03:06 Uhr

Kraftwerk verwandelt Müll in Strom

Geschäftsführer Uwe Amann (4. v. l.) und Eigentümer Thomas Prinzhorn (4. v. r.) schauen sich auf dem Kraftwerksgelände um.
Geschäftsführer Uwe Amann (4. v. l.) und Eigentümer Thomas Prinzhorn (4. v. r.) schauen sich auf dem Kraftwerksgelände um. FOTO: Wappler
Spremberg. Das Ersatzbrennstoff-Heizkraftwerk in Schwarze Pumpe hat am gestrigen Donnerstag offiziell seinen Betrieb aufgenommen. Es schafft 52 Arbeitsplätze. Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) sagt: "Ein wichtiges Unternehmen für unsere Region." René Wappler

Einen merkwürdigen Wunsch hegt der Eigentümer des Kraftwerks, der 70-jährige Thomas Prinzhorn aus Österreich: Die Stadt Spremberg müsste in sein Heimatland verlegt werden, sagt er am Donnerstag beim Festakt im Zelt neben der 140 Millionen Euro teuren Anlage.

Da schauen ein paar Gäste verwundert drein. Bis er die Pointe hinterherschiebt. "In Österreich versuche ich mühsam, seit sieben Jahren die Reststoffe mit dem modernsten Stand der Technik zu verbrennen." Das Problem: Selbst nach dieser langen Zeit gebe es dafür keine Genehmigungen. Und sobald die Frist "ausreichend überschritten" sei, wie er sarkastisch bemerkt, befinde sich die Technik auf einem veralteten Niveau. "Wie in der Fabel von Hase und Igel", stellt Thomas Prinzhorn fest. Ganz anders hingegen sieht es nach seinen Worten in Spremberg aus: "Hier herrscht ein Klima, in dem man die Industrie mag und wirklich schätzt."

Zwar dürfte sich der Staatssekretär des Brandenburgischen Wirtschaftsministeriums, Henning Heidemanns, über diese freundlichen Worte freuen. Doch eines stellt er gleich mal klar: "Wir wollen Spremberg nicht nach Österreich ziehen lassen." Gerade auf Landesgrenzen - wie in diesem Fall zwischen Brandenburg und Sachsen - sei es immer schwierig, "gute Dinge hinzubekommen". Trotz des zurückliegenden harten Winters pünktlich die Inbetriebnahme des Kraftwerks zu feiern - das gilt für den Staatssekretär als Ausweis erfolgreicher Arbeit.

Trotzdem hat Geschäftsführer Uwe Amann beim Bau des Kraftwerks ein paar graue Haare dazubekommen, wie er einräumt. "Die gab es bei diesem Projekt kostenfrei dazu." Er spricht von einem knapp bemessenen Budget, von Kosten, die immer genau dort steigen, wo es vorher niemand erwartet hätte. "Dennoch haben wir den finanziellen Rahmen eingehalten und unser Ziel erreicht."

Für den Bürgermeister der Gemeinde Spreetal, Manfred Heine (parteilos), grenzt die jüngere Geschichte des Industrieparks Schwarze Pumpe an ein Wunder. Er erinnert an DDR-Zeiten, an den schrecklichen Geruch und den Ruf der "Dreckschleuder", den Schwarze Pumpe damals innehatte. "Wir haben es geschafft, diesen Standort trotz des schlechten Leumundes zu modernisieren", sagt er. "Im wahrsten Sinne des Wortes haben nach der Wende alle aufgeatmet."

Zum Thema:
Die Bauzeit des Kraftwerks betrug 26 Monate. Es weist eine Gesamtleistung von 110 Megawatt auf, versorgt die Papierfabrik mit Energie und speist 17 Megawatt Strom ins öffentliche Netz. Der Probelauf der Anlage fand am 1. Dezember 2012 statt. Zu den Brennstoffen zählen Haushaltsmüll, Gewerbeabfall und Reste der Papierherstellung.