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| 01:36 Uhr

Kosten für Bürgerhaus steigen

Spremberg. Die Gesamtkosten für die Neugestaltung des südlichen Marktplatzquartiers einschließlich des Umbaus des ehemaligen Arbeiterwohnheims (AWH) zum neuen Spremberger Bürgerhaus wird auf 6,2 Millionen Euro präzisiert. Die Mehrheit der Stadtverordneten ging mit dieser dritten Erhöhung um rund 577 400 Euro mit. Bürgermeister Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU) versprach, den Fehler, vor dem Baustart nicht bis zum Ende durchgeplant zu haben, nicht zu wiederholen. Von Annett Igel

Die Mehrkosten von insgesamt 577 400 Euro sind laut Gerhard Hänel, Geschäftsführer der Altstadtsanierungsgesellschaft (ASG) Spremberg, vor allem durch die höheren Baukosten für die Lose Fenster, Metallbau / Türen und Terrasse am Marktplatz entstanden – insgesamt 354 600 Euro. Auch die Anpassung der Telekom-Schächte und die Erstellung einer Glasstatik – Leistungen, die bisher nicht vorgesehen waren – erhöhten die Gesamtkosten um 19 600 Euro. Und 203 200 Euro mehr Nebenkosten würden entstehen, weil durch die erhöhten Baukosten mehr Planungs- und Projektsteuerungsleistungen angefallen seien. Aber auch Maßnahmen, Kostenerhöhungen gegenzusteuern, hätten Wirkung gezeigt, so Gerhard Hänel. Für die Freianlagen mit Bürgergarten und Einfriedungsmauer, Kleiner Markt / Parkplatz und Töpferstraße sowie für die bereits abgeschlossenen Tiefbau-Erschließungen und Abbrüche – was finanziell alles dem Sanierungsgebiet Spreeinsel gehöre – habe ein höherer Fördermitteleinsatz erreicht werden können. Bisher seien 450 000 Euro geplant gewesen, nun entlaste eine Förderung von 626 000 Euro den Spremberger Haushalt.
Andreas Lemke (SPD) fühlte sich an den Transrapid erinnert. Seine Fraktion lehne nicht nur diese weitere Kostensteigerung fürs Bürgerhaus ab, sondern sie beantrage eine Prüfung durch das Rechnungsprüfungsamt. Bürgermeister Klaus-Peter Schulze hielt ihm entgegen, dass das Rechnungsprüfungsamt längst mit jedem einzelnen Baulos befasst sei und die Kosten kontrolliere. Auch der Landesrechnungshof prüfe.
Uwe Wittig, der Projektsteuerer vom Architekturbüro Keller & Wittig, gab gegenüber den Stadtverordneten zu, sich bei der Fassade um 250 000 Euro verschätzt zu haben. Er erinnerte aber auch an die Umstände im Jahr 2006, als sich sein Büro im zweiten AWH-Architektenwettbewerb mit einem modernen Vorschlag und der 1,9-Millionen-Euro-Schätzung um den Umbau beworben hatte. Rund 1,6 Millionen Euro seien in der Wettbewerbsausschreibung für das reine Gebäude vorgegeben gewesen. „Im Schweinsgalopp haben wir mit der Planung angefangen“ , damit schnell die Baugenehmigung eingeholt und die Finanzierung und die Fördermittel über 1,5 Millionen Euro gesichert werden konnten. „Wir haben jetzt ein Quartier mit Straßenzügen, das war damals nicht vorauszusehen“ , sagte Wittig. Der neue Ratssaal im Dachgeschoss, ein Aufzug mit vier Haltestellen und dass das Archiv im Keller untergebracht werden soll, habe sich erst „im gleitenden Planungsprozess“ entwickelt.
Frank-Michael Schober (CDU) sagte als ehemaliger Baudezernent der Stadt Spremberg, dass er wisse, wie schnell Baukosten aus dem Ruder laufen könnten. „Vor zehn Jahren habe ich dafür Dresche gekriegt, als ich die Sanierung des Rathauses auf dem Tisch hatte.“ Trotzdem finde er, dass Wittig zu blauäugig an die Planung herangegangen sei: „Dass ein Fahrstuhl in ein solches Gebäude muss, das hätten Sie wissen können.“
Allein blieb Lemke mit der Meinung, dass der Dachgeschossausbau schon in der ersten 1,9-Millionen-Schätzung dabei gewesen sein soll – er hatte Unterlagen in der Hand, die das beweisen sollten. Peter Bode (Brandschutz) ärgerte, dass die SPD-FDP-Fraktion nun so tue, als wolle sie die Umgestaltung des AWH nicht. Bürgermeister Schulze: Rein betriebswirtschaftlich betrachtet hätte die Stadt das Gebäude nicht anfassen müssen, die Bauverwaltung wäre in der Langen Straße geblieben, und für ein Bürgerzentrum hätte sich ein leer stehendes Geschäft gefunden. Doch Zuspitzung hin und Fehler her – „trotzdem wird das AWH zu Ende gebaut werden“ , sagte auch Andreas Lemke, der das letzte Wort hatte.

Hintergrund Kosten aufgeschlüsselt
Der Umbau des ehemaligen AWH einschließlich Teilrückbau, Ratssaal, Ausbau des Dachgeschosses, Möblierung , Ausstattung und Nebenkosten soll zum jetzigen Stand 4,48 Millionen Euro kosten.
Für den Grunderwerb , den Wettbewerb, die Projektsteuerung und den Umzug stehen 650 200 Euro in der Finanzierungsübersicht.
Knapp 1,07 Millionen Euro sollen für die Freianlagen einschließlich Tiefbauerschließung, Kleiner Markt / Parkplatz, Bürgergarten, Mauer, Töpferstraße und Nebenkosten anfallen.
Für diese Investitionssumme über 6,2 Millionen Euro werden knapp 1,77 Millionen Euro durch das Land und den Bund gefördert.