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| 18:30 Uhr

Spremberg
Kleingärten verbessern Stadtklima

Erik Höhne hat im Vorjahr das Kleingartenentwicklungskonzept erarbeitet. Jenny Manteufel aus der Stadtplanung nimmt nun Hinweise und aktuelle Zahlen der Kleingartenvereine entgegen.
Erik Höhne hat im Vorjahr das Kleingartenentwicklungskonzept erarbeitet. Jenny Manteufel aus der Stadtplanung nimmt nun Hinweise und aktuelle Zahlen der Kleingartenvereine entgegen. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Spremberger Bauausschuss und Gartenvereins-Vorstände wollen Beirat gründen. Von Annett Igel-Allzeit

Die mehr als 1600 Kleingärten gehören zu Sprembergs Stadtkultur. Dass keine Sparte in der nächsten Woche geschlossen wird, konnten die Vertreter der Stadtplanung in der außerordentlichen Bauausschusssitzung schnell deutlich machen. Rund 60 Vorstandsvertreter und Kleingärtner waren am Samstag in die Aula der Oberschule gekommen.

Erik Höhne hatte als Mitarbeiter der Stadtplanung im Vorjahr ein Kleingartenentwicklungskonzept für Spremberg erarbeitet. Zwar war im Dezember 2017 sein Arbeitsvertrag in der Stadtverwaltung ausgelaufen. Aber um es vorzustellen und Fragen zu beantworten, kam er noch einmal. Seine Bestandsaufnahme basiert auf Zahlen von 2015. Demnach liegt die Auslastung der Kleingärten bei 93,9 Prozent. 100 Parzellen stehen leer. Angesichts des  demografischen Wandels wird befürchtet, dass es im Jahr 2030 aber 321 leere Parzellen sind.

Ein langfristiges Konzept könnte gegensteuern. Kleingärten – eher ein ostdeutsches Phänomen – tun der Stadt nämlich gut. Neben dem Erholungswert bauen Bürger für den Eigenbedarf Obst und Gemüse an. Die Sparten sind Orte der Begegnung. Das Stadtklima profitiert, weil die Gärten die Luftfeuchtigkeit erhöhen und Staub absorbieren. „Und Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen sind sie auch“, sagt Erik Höhne.

Was mehrere Vorstände an der Bestandsaufnahme ärgert, sind die Zahlen. Abgesehen, dass Angaben von 2015 im Jahr 2018 nicht mehr besonders aktuell wirken, hatten einige Vereine falsche Zahlen festgestellt. „In unserem Verein haben sich die Mitglieder inzwischen verjüngt. Nur zwei Gärten stehen seit Jahren leer“, so Bernd Mudra von den „Abendfreuden“. Zwei leere bei insgesamt 51 Gärten meldet auch der Vorstand vom „Stradower Hain“: „Die Familien fühlen sich bei uns wohl, das Schwimmbad ist in der Nähe. Wichtig ist ihnen, dass Strom und Wasser anliegen und die Kosten gering sind.“  „Klein Venedig“ habe satt der elf Parzellen in der Tabelle 29 und sei hundertprozentig  ausgelastet. Die Kleingärtner kümmerten sich besser um den Uferbereich als das Land auf der anderen Seite der Spree. Nicht länger als 14 Tage dauere es, dass freie Parzellen übernommen werden. Die Lage sei beliebt. Aber angesichts der Zahl 11 fürchtet „Klein Venedig“ um die Idylle. Nach einer Empfehlung des Regionalverbandes sind vorm Hintergrund des zurückgehenden ehrenamtlichen Engagements Vereine erst ab 15 Pächtern nachhaltig stabil, denn Funktionen im Vereinsvorstand müssen gesichert werden.

Tatsächlich hatte die Stadtverwaltung die 48 Kleingartenvereine in Vorbereitung aufs Konzept um Zahlen gebeten. Frieder Beck, der Vorsitzende des Spremberger Bezirksverbandes der Gartenfreunde, versuchte, Vereine aber von der Antwort abzuhalten: „Aus Gründen des Datenschutzes“, erklärt er, „nur durch Zufall hatte ich von der Umfrage erfahren. Ich bekomme die Zahlen jedes Jahr und kann das weiterleiten“, erklärt er. Dass dabei Fehler passieren, sei nicht auszuschließen. „Das ändert nichts an der Ausgangssituation“, so Frieder Beck.

Kleinere Vereine, so Erik Höhne, könnten sich zusammentun. Auch eine Öffnung der Anlagen sei denkbar – im Sinne von Kleingartenparks mit Hauptwegen für Spaziergänger und Radfahrer. Ein Spielplatz könnte locken.

Erik Höhne fand  bei seinen bundesweiten Recherchen Themengärten, Gärten mit regionalen Obst- und Gemüsesorten und umweltbewusstes Gärtnern, Tafelgärten mit Langzeitarbeitslosen, integrierte Schulgärten. Mit Imkern Lust auf ihre Anlagen zu machen, versuchen bereits Spremberger Sparten. Interkulturell sind mehrere Kleingartenvereine längst.

Bisher sind im Konzept die Sparten „Spreewiese“ und „Wiesenweg“ für den kompletten Rückbau vorgesehen. Den teilweisen Rückbau will Erik Höhne auf viele Schultern verteilen: „Es ist besser, in vielen Sparten zwei, drei Parzellen zurück zu bauen, als in wenigen zehn bis 20.“

Oft bezahlen Vereine die Pachten für leer stehende Gärten aus ihren Rücklagen. Der Schritt, die Kosten auf die aktiven Pächter umzulegen, fällt den Vorständen schwer. Die Idee, einen Fonds einzurichten, der bei der Finanzierung des Rückbaus hilft, lobt der Bauausschuss. Gelingt es, Flächen in Bauland umzuwandeln, könnte dieser  Gewinn in den Fonds fließen. Nach Fördermitteln hat Erik Höhne geschaut. Sicher sind sie nicht, aber europäische Förderprogramme, die Bundesstädtebauförderung, das Kommunalinvestitionsfördergesetz und der Investitionspakt Soziale Integration im Quartier bieten Chancen, da es anderen Städten mit ihren Kleingärten ähnlich geht.Das Konzept wird den Bauausschuss länger beschäftigen, bis es empfohlen werden kann. Zwei erste Schritt sind geplant: Ein Beirat soll sich gründen und Rederecht im Ausschuss haben. Und Jenny Manteufel wartet auf Hinweise und neue Zahlen, die in die Excel-Tabelle eingepflegt werden können (Mail j.manteufel@stadt-spremberg.de). Vielleicht wird mancher Verein im gelben Beobachtungsstatus, dann grün. Die Kleingartenvorstände können sie auch besuchen.