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| 16:18 Uhr

Firmen ziehen Vertragskündigung in Betracht
Konflikt bricht auf Baustelle aus

Das einsame Firmenschild weist auf die Baustelle bei Welzow hin.
Das einsame Firmenschild weist auf die Baustelle bei Welzow hin. FOTO: LR / René Wappler
Welzow/Spremberg . Mehrere Subunternehmer stellen ihre Arbeit an Bergbau-Projekt bei Welzow ein.

Mehrere Subunternehmer haben ihre Arbeit am Umzug der Tagesanlagen bei Welzow-Süd eingestellt. Sie berichten, der Hauptauftragnehmer für ihren Teil der Baustelle, Straßen- und Tiefbau Welzow (STW), komme seinen Verpflichtungen nicht nach. Dessen Gesellschafter Roland Müller widerspricht. Es sei vielmehr „schlechte Presse“, die zum Stillstand auf der Baustelle geführt habe.

Dabei handelt es sich allerdings nicht um das erste Projekt, bei dem ein Auftrag für STW Probleme verursacht. Das Unternehmen sollte im Sommer auch die Bauarbeiten auf der Autobahn zwischen Vetschau und Cottbus betreuen. Ein Tempolimit galt bereits. Doch zum Verdruss vieler Autofahrer tat sich nichts auf dieser Baustelle. Schließlich ließ das brandenburgische Infrastrukturministerium einen Teil der Absperrungen wieder entfernen.

Neuer Ärger entbrennt nun um die Baustelle bei Welzow. Derzeit weist nur noch ein Schild mit dem Logo der Firma STW am Abzweig der Straße zwischen Welzow und Spremberg auf die Baustelle in der Bergbauregion hin. Auf dem Schotter stapeln sich Betonplatten. Daneben stehen drei Maschinen des Unternehmens. Es ist kurz nach elf Uhr am Vormittag, doch nirgends zeigt sich ein Bauarbeiter. Dafür gibt es Gründe.

Als einer der Subunternehmer hatte sich Björn Engel auf das Projekt gefreut. Er sollte eine Anlage seiner Firma Beng Waschtechnik und Reinigungssysteme aus Cottbus am alten Standort des Bergbaus demontieren und an der neuen Anlage wieder aufbauen. Doch es kam anders, als er es sich erhofft hatte.

Björn Engel sagt: „Wir haben unsere Arbeit eingestellt, weil STW Welzow seiner Zahlungsverpflichtung nicht nachkommt.“ Neben seinem Unternehmen sei eine Reihe weiterer Firmen betroffen. „Ich erwarte von Unternehmern Transparenz“, erklärt er. „Doch das ist hier nicht geschehen.“ So habe er bereits im Februar 2018 den Mitarbeitern von STW Welzow seine Bauplanung übergeben. Anschließend habe er Material im Wert von mehreren Zehntausend Euro beschafft.  „Jetzt habe ich einen Vertrag, den ich erfüllen soll, aber ich kann nicht starten“, erläutert er. „Das ist in hohem Maße ärgerlich.“ Er beabsichtige, nach einer gesetzten Frist den Vertrag zu lösen.

Anders stellt es ein Gesellschafter von STW Welzow dar, Roland Müller. „Es trifft zu, dass Nachunternehmer derzeit nicht an dem Projekt Neue Tagesanlagen Welzow-Süd arbeiten“, teilt er auf eine Anfrage der RUNDSCHAU mit. „Hintergrund ist aber nicht, dass STW seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen sei. Es ist vielmehr so, dass zum Beispiel Terpe Bau vor dem Hintergrund der schlechten Presse eine unmittelbare Beauftragung durch den Minenbetreiber wünscht.“ Die „überwiegend unzutreffenden Presseberichte“ schaden nach seinen Worten „unserem Unternehmen sehr“.

Verwundert über diese Aussage zeigt sich Corina Reifenstein, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Bert die Geschäfte bei Terpe Bau leitet. Schließlich sei es ihr schon rein juristisch unmöglich, einen Vertrag „wegen schlechter Presse“ zu kündigen. Sie erläutert, dass sie eine Handwerkerbürgschaft bei STW beantragt habe. „Darauf folgte jedoch keine Reaktion.“ Deshalb habe Terpe Bau nun „juristisch sauber“ den Vertrag gekündigt. „Wie es jetzt weitergeht, weiß ich allerdings nicht“, sagt Corina Reifenstein.

Knapp fällt die Stellungnahme der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) zum Konflikt auf diesem Teil der Baustelle aus. Grundsätzlich äußere das Unternehmen sich nicht dazu, teilt die Pressestelle mit. Der Zeitplan für den Umzug der Tagesanlagen gerate jedoch nicht ín Gefahr.

Neben Ärger äußern mehrere Subunternehmer Verwunderung über STW Welzow – und sie sorgen sich um die Zukunft der 70 Mitarbeiter des Betriebes. Schließlich galt das Unternehmen als solide Firma mit gutem Ruf, als der damalige Geschäftsführer Jakob Nowotnik bis zum Jahr 2017 die Leitung inne hatte. Nach Angaben der „Wirtschaftswoche“ hatte der aktuelle Gesellschafter Roland Müller hingegen bereits „mehrere Insolvenzen in der Brauereibranche zu verantworten“.