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| 17:14 Uhr

Welzow
Wahrzeichen und sogar Schutz?

Schön ist sie nicht – die Proschimer Kohlebahnbrücke. Aber sie weckt Erinnerungen und ist seit 19 Jahren Radweg.
Schön ist sie nicht – die Proschimer Kohlebahnbrücke. Aber sie weckt Erinnerungen und ist seit 19 Jahren Radweg. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Welzow. Proschimer sammeln Unterschriften für den Erhalt ihrer Brücke. Die soll verschwinden.

Dass die Holzbrücken des brandenburgischen Radwegeprogramms der 90er-Jahren heute ein Problem sind, davon können einige Kommunen einschließlich Spremberg ein Lied singen. Auch Welzow hat so ein Schätzchen im Jahr 1998 bekommen. Die Bohlen und ein Geländer aus Holz waren hier nach Planungen von 1996 auf die ehemalige  Kohlebahnbrücke am Orts­eingang gezimmert worden. Damit schien ein Wahrzeichen gerettet und sinnvoll umgenutzt.

Doch inzwischen sind nicht nur mehrere Holzbohlen verfault und Lücken im Geländer, sondern die Brücke aus dem Baujahr 1939, die den Weg trägt, gilt als so marode, dass die Stadt Welzow sie abreißen lassen will. Wie Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) mitteilt, wurden für die Wiedervervollständigung des Radweges in Richtung Bluno, Schwarze Pumpe und Partwitzer See jetzt Fördermittel aus dem LEADER-Programm beantragt. Eine Rampe zum Bahndamm soll die Lücke im Radwegenetz schließen.

Doch mehrere Proschimer wehren sich weiter gegen den Abriss. Seit 14 Tagen, so der Stadtverordnete Günter Jurischka aus Proschim, laufe eine Unterschriftensammlung für den Erhalt der Brücke. Sie sei schließlich ein Wahrzeichen des Dorfes, und der Bahndamm biete Schutz. Jurischka wird nicht müde zu erklären, dass der Radweg, der Ende der 1990er-Jahre mit Fördermitteln geschaffen wurde, jetzt nicht wieder mit Fördermitteln „eliminiert“ werden dürfe. „Der überregionale Radfernwanderweg ist 19 Jahre im europäischen Netz verankert und hat  – entsprechend der Fördermittelverordnung – aktuellen Bestandsschutz“, so Jurischka. Nach einer Brückenprüfung war der Stadt Welzow signalisiert worden, dass das Bauwerk ein Sicherheitsrisiko darstelle und Handlungsbedarf bestehe. Mehrfach und heftig muss die Brücke gerammt worden sein. Das Lager ist verschoben. Durch die Risse dringt Wasser in die Stahlkonstruktion ein.

Dass im Jahr 1998 lediglich ein Brückenaufbau mit Beplankung und Geländer erfolgt sein soll, weiß Jurischka. Aber den jetzt notwendigen Sanierungsbedarf habe allein die Stadtverwaltung verursacht – „mit der absoluten Vernachlässigung des Radweges auf dem Bahndamm mit ihrem Brückenkörper“, so sein Vorwurf. Im Auftrag des Proschimer Heimatvereins fordere er eine Instandsetzung, keinen Abriss. Eine Instandsetzung soll sich der Heimatverein in seinem Antrag auf LEADER-Fördermittel gewünscht haben. Dass die Stadtverwaltung den Antrag auf Abriss und Bau einer Rampe abgeändert haben soll, blieb in der Stadtverordnung als Vorwurf im Raum stehen. „Die Brücke ist der optimale Sperrriegel, die Grenzbebauung und Abschottung der Proschimer Wohnsiedlung zur bergbaulichen Landschaftsverwüstung“, erklärt Jurischka.

 Aus Sicht der Stadt ist die Brücke ein Kostenfaktor. Wie Bauamtsleiter Rainer Schmidt bereits 2015 betont hatte, habe die Stadt die Baulast nur übernommen, weil Proschim die Brücke haben wollte. Sogar über Rückbaukosten zwischen 170 000 und 50 000 Euro haben sich das Welzower Rathaus und die Proschimer CDU-Abgeordneten Erhard Lehmann und Jurischka schon gestritten.

Vielleicht ist die Brücke „eher ein emotionales Ding“, mutmaßt die Proschimerin Sybille Tetsch: „Wenn ich mit dem Fahrrad zur Schule nach Haidemühl gefahren bin, hat über meinem Kopf ganz oft eine Lok geschnauft. Sie fuhr zur Siebanlage oder weiter.“ Sybille Tetsch erinnert sich auch an die Unfälle, die es öfter gab: „Große Fahrzeuge sind gegen die  Brücke gefahren, haben sie schwer beschädigt. Diese Unfälle wurden nie aufgeklärt, der Unfallverursacher nie gefunden. Eine Versicherungssumme hätte geholfen, die Brücke als Baudenkmal zu reparieren.“