| 15:54 Uhr

Demo
Kohle-Gegner setzen Zeichen

Hundert Protestierer formieren sich mittels eines großen Banners und eines roten Bandes am Proschimer Ortseingang zu einer roten Linie, die zeigen soll: „Bis hier hin und nicht weiter“. Sie wehren sich gegen neue Tagebaue und fordern den Braunkohleausstieg.
Hundert Protestierer formieren sich mittels eines großen Banners und eines roten Bandes am Proschimer Ortseingang zu einer roten Linie, die zeigen soll: „Bis hier hin und nicht weiter“. Sie wehren sich gegen neue Tagebaue und fordern den Braunkohleausstieg. FOTO: Anja Guhlan
Proschim. Mit einer symbolischen roten Linie und mit einer Pflanzaktion haben etwa 100 Kohle-Gegner in Proschim protestiert.

 Am Reformationstag haben sich Umweltverbände sowie regionale Initiativen zusammengetan, um in Proschim ein deutliches Zeichen gegen neue Tagebaue in der Region zu setzen. So haben der Umweltverband Bund, Greenpeace, die Grüne Liga sowie die Klinger Runde zu einer Protestaktion unter dem Motto „Proschim hat Zukunft“ aufgerufen. Dem Protest haben sich etwa 100 Menschen aus Proschim, der Region und auch aus dem Bundesgebiet angeschlossen. Ziel ist es, die Abbaggerung noch immer bedrohter Orte wie Proschim zu verhindern. Noch ist die Zukunft des Ortes Proschim völlig ungewiss. Sollte der Tagebau Welzow Süd II kommen, müssten hunderte Familien umgesiedelt werden.

„Genau das müssen wir verhindern“, meint die Welzowerin Hannelore Wodtke. Sie begrüßte die Protestierer am Proschimer Kulturhaus, bevor sich alle mit Bannern und Plakaten auf den Weg zur Promischer Ortsgrenze machten. An der Brücke am Proschimer Ortseingang zu dem bereits weg gebaggerten Haidemühl haben sich schließlich am Dienstagmorgen alle formiert. Ein rotes Band und ein Banner mit der Aufschrift „Klima schützen – Kohle stoppen“ ist zu sehen. Es soll eine rote Linie genau an der Ortsgrenze für den bedrohten Ort sein. „Bis hier her und nicht weiter“ soll die rote Linie ausdrücken. „Unser Ort soll  für einen klimaschädlichen Tagebau herhalten. Das wäre für die Proschimer eine Zumutung. Das will ich als Ur-Proschimer verhindern“, meint Andreas Kapelle, der in Proschim geboren ist und seither dort lebt.

Mit Ausrufen wie „Proschim bleibt“, „Klima schützen“ und „Kohle stoppen“ wird für kurze Zeit die Straße  nach Proschim blockiert. „Wir dürfen nur für ein kurzes Zeitfenster die Straße blockieren, dass war eine Auflage der Polizei, bei der die Protestaktion angemeldet ist“, meint Hannelore Wodtke.

Hunderte Blumenzwiebeln als Symbol für Widerstand gepflanzt.
Hunderte Blumenzwiebeln als Symbol für Widerstand gepflanzt. FOTO: Anja Guhlan

An der Formierung nimmt auch der Altbürgermeister von Welzow Hartmut Hömberg teil. „Ich habe zu meiner Amtszeit die Proschimer unterstützt und unterstütze diese jetzt auch weiter“, meint er. Seit dem Jahr 1984 kämpfen die Proschimer nun schon gegen eine mögliche Abbaggerung des Ortes. „Klimaschäden sind weltweit schon erkennbar. Wir wollen neue Tagebaue wie Welzow Süd II stoppen. Jetzt ist die Zeit für einen Braunkohleausstieg“, meint Günter Jurischka. Er nimmt nicht nur an der Protestaktion teil, sondern hat der Umweltorganisation Greenpeace ein Gründstück als Spende übergeben mit dem Wunsch dort ein Mahnmal zu errichten. „Wir haben uns entschlossen, an dieser Stelle fünf  Apfelbäume  der Sorte „Lausitzer Nelkenapfel“ zu pflanzen. So geht auch die landwirtschaftliche Nutzung hier vor Ort weiter. An den schützenden Baumpfählen ist auch eine Ausstellung installiert, die über die Folgen des Braunkohleabbaus in der Region informiert. Zudem stecken wir mit Protestierern heute hier hunderte von Blumenzwiebeln in einer großen X-Form in die Erde, um symbolisch den verwurzelten Widerstand gegen die Kohle zu zeigen. Im nächsten Frühjahr werden dann gelbe Osterglocken in dieser X-Form erstrahlen“, erklärt Anike Peters von Greenpeace Deutschland.

Hannelore Wodtke und Günter Jurischka zeigen sich mit der Protestaktion zufrieden.

Die Proteste in Proschim sollen in den nächsten Jahren zum Reformationstag fortgeführt werden. Dann mit jeweils anderen Aktionen. „Solange wir uns in der Schwebe befinden, kämpfen wir weiter“, meint Hannelore Wodtke. In dem geplanten Tagebau Welzow SüdII soll laut dem Teilplan von 2027 bis 2042 Braunkohle gefördert werden.