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| 02:37 Uhr

Köfers graben Filmdokument aus

Andreas und Herbert Köfer bei der gemeinsamen Arbeit.
Andreas und Herbert Köfer bei der gemeinsamen Arbeit. FOTO: Klaus Goldmann
Spremberg. Rentner haben niemals Zeit – es sei denn, sie sind nach Spremberg eingeladen. Der berühmte DDR-Schauspieler Herbert Köfer wird am 22. April gemeinsam mit seinem Sohn im Bergschlösschen einen Film vorstellen, den sie im Jahr 1985 drehten: "Rabenvater" erzählt die Geschichte einer Scheidungsfamilie. René Wappler

Bei diesem Werk stand Andreas Köfer, der Sprößling des populären Mimen, hinter der Kamera. "Mein Vater hätte es wohl gern gesehen, wenn ich ebenfalls Schauspieler geworden wäre", sagt er. "Das kam für mich aber nicht in Frage."

36 Jahre jung war Andreas Köfer damals. Ein paar Werke fürs Kino hatte er bereits gedreht. Herbert Köfer hingegen konnte zu diesem Zeitpunkt auf mehr als 50 Filme und Fernsehserien zurückblicken. Das Publikum verehrte ihn für Auftritte in Fernsehschwänken wie "Maxe Baumann", der Serie "Rentner haben niemals Zeit" und dem Drama "Nackt unter Wölfen".

Wegen des übermächtigen Vaters sträubte sich Andreas Köfer gegen ein Berufsleben im Fernsehen. "Dabei hatte ich seine schauspielerische Arbeit immer bewundert", erinnert er sich. Und nicht nur die Arbeit: "Sehr bewusst, sehr überlegt" traf Herbert Köfer seine Entscheidungen fürs Leben, wie der Sohn im Rückblick feststellt. "Ich fand es erstaunlich, dass er aus einer Krisensituation heraus einen Beschluss fassen konnte, der ihm einen neuen Weg eröffnete - und das nicht nur einmal." Als vor 15 Jahren eine Zeitlang die Rollenangebote ausblieben, verzagte Herbert Köfer nicht. Vielmehr gründete er sein eigenes Theater namens "Komödiantenbühne", mit dem er erfolgreich durch Deutschland pilgerte.

Vielleicht liegt es bei dieser Lebensphilosophie nur nahe, dass Herbert Köfer im Jahr 1985 sofort angetan war vom Angebot, einen Film mit seinem Sohn zu drehen - einer vor der Kamera, der andere dahinter. Zu den Dreharbeiten fuhr das Team unter anderem nach Leuna, wo die berüchtigten Chemiewerke ihren Sitz hatten. "Da waren die Fensterscheiben im Hotel fingerdick mit Ruß bedeckt", sagt Andreas Köfer. "Das glaubt einem heute kaum noch jemand." So betrachtet er den Film "Rabenvater" noch immer als ein besonderes Werk seines Lebens, voller Details aus dem Alltag in der DDR. Zudem handelt es sich um das einzige Mal, dass Vater und Sohn gemeinsam gedreht haben.

Zwar lief "Rabenvater" nach dem Ende der DDR noch mehrmals in der ARD. Trotzdem gestaltete sich die Suche nach diesem Film für die öffentliche Aufführung in Spremberg schwieriger als zunächst gedacht. Die Organisatoren der Lausitziale wollten ihn unbedingt zeigen, doch sie besaßen nur eine Defa-Kopie in mangelhafter Qualität. Der entscheidende Hinweis kam schließlich von der ARD-Zuschauerredaktion, die Andreas Köfer empfahl, bei der Produktionsfirma Degeto nachzufragen. Tatsächlich sagte dort ein Mitarbeiter zu ihm: "Ja, uns liegt der Film vor - in Sendequalität."