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Klinik kämpft um Erfolgsmodell

Krankenhauschefin Kathrin Möbius zählte zu den Besuchern des Festakts.
Krankenhauschefin Kathrin Möbius zählte zu den Besuchern des Festakts. FOTO: René Wappler
Spremberg. Der Förderverein des Spremberger Krankenhauses bangt erneut um die Leistungen der Endoprothetik. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) versucht, den Sorgen zu begegnen. Von RENÉ WAPPLER

Durch den Wegfall der Endoprothetik wäre das Geschäftsmodell des Spremberger Krankenhauses bedroht. Darauf weist Sabine Manka vom Förderverein hin, der als Mehrheitsgesellschafter fungiert. Ihre Warnung kommt nicht von ungefähr: Die Zukunft der Hüftoperationen im Krankenhaus steht erneut infrage, wie Sabine Manka erläutert. "Damit würde der Erlös um eine Million Euro sinken", sagt sie. "Personalabbau wäre die Folge, und weniger operierende Ärzte gehen mit weniger Pflegepersonal einher, weshalb wir im Ernstfall die Rettungsstelle nicht mehr vernünftig besetzen könnten." Damit breche jedoch auch die regionale Notfallversorgung zusammen.

Ihre Bedenken äußerte Sabine Manka am Mittwoch bei der Festveranstaltung zum 20. Geburtstag des Fördervereins im Hotel Georgenberg. Schon jetzt müsse der Verein ein knappes Budget und verdichtete Leistungen meistern, gab sie zu bedenken. Trotzdem sei er immer in den schwarzen Zahlen geblieben. So bewähre sich das Krankenhaus "als einzigartiges Erfolgsmodell in der Bundesrepublik": Schließlich besteht der Förderverein, in dessen Obhut es sich befindet, zu 90 Prozent aus Mitarbeitern. "Selbst weit entfernte Krankenhäuser erkundigen sich nach unserer Trägerstruktur", sagt die Vorsitzende des Vereins.

Doch nun steht die neue Krankenhausplanung bevor. Im nächsten Frühjahr soll bekanntgegeben werden, welche Leistungen die 53 Kliniken im Land Brandenburg erbringen, und die Mitglieder des Spremberger Fördervereins gehen davon aus, dass die Endoprothetik zur Debatte steht. Im Jahr 2010 musste das Krankenhaus bereits die Knieoperationen abgeben: Angeblich bestehe kein Bedarf in Spremberg, hieß es damals.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), am Mittwoch als Gast beim Festakt im Hotel Georgenberg eingeladen, versprach allerdings: "Wir werden die heutige Krankenhauslandschaft erhalten und weiter entwickeln." Gerade in ländlichen Regionen müsse die medizinische Versorgung für die Einwohner erreichbar bleiben, sagte der Politiker.

Dabei gestaltet sich die Lage schon jetzt für viele Menschen auf dem Land schwierig, wie die Daten vom Institut für Infrastruktur- und Gesundheitsfragen zeigen: 36 Prozent der Einwohner im Spree-Neiße-Kreis und der Oberspreewald-Lausitz-Region haben demnach keinen Hausarzt in der Nähe, den sie zu Fuß erreichen könnten. Zwei Mitarbeiter des Instituts gaben in der vergangenen Woche vor dem Wirtschaftsausschuss in Forst zu bedenken: Während bis zum Jahr 2030 der Anteil älterer Menschen steigen wird, sinkt nach und nach die Zahl ärztlicher Angebote.

Ministerpräsident Dietmar Woidke spricht unterdessen von der "großen Herausforderung, die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum nicht nur zu erhalten, sondern weiter zu verbessern". Schließlich beginne der Erfolg einer Therapie damit, "dass man dem Patienten zugewandt ist" - wofür musterhaft das Spremberger Krankenhaus stehe. Im bundesdeutschen Durchschnitt seien gerade mal 86 Prozent der Patienten mit ihrer Behandlung im Krankenhaus zufrieden, in Spremberg jedoch 97 Prozent.

Der stellvertretende Bürgermeister von Spremberg, Frank Kulik, wies beim Festakt darauf hin, dass hinter diesem Ergebnis eine Leistung stehe, "die durch die Menschen hier vor Ort erbracht wurde". Der Erhalt des Krankenhauses mit allen seinen bestehenden Angeboten sei der Stadt "ein ganz großes Anliegen".

Ob sich dieser Wunsch erfüllt, wird die Krankenhausplanung im nächsten Frühjahr zeigen.