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| 11:29 Uhr

Energie-Tour
Wasser steht in der Talsperre Spremberg am unteren Limit

 Wie am Bagenzer Strand liegt der Wasserstand auch am Staudamm deutlich unter den einstigen Wasserrand.
Wie am Bagenzer Strand liegt der Wasserstand auch am Staudamm deutlich unter den einstigen Wasserrand. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Neuhausen. Neuhausen/Spree lebt den Klimaschutz. Wie, das erklären auf einer deutsch-polnische Radtour der Staumeister, ein Solarparkbetreiber, ein Wasserkraftanlagen-Mitarbeiter und die Gemeinde als Schulträger. Von Annett Igel-Allzeit

Die Gemeinde Neuhausen/Spree muss ihre großen Radtouren wohl künftig der Abteilung Sicherheit im Kraftwerk Jänschwalde melden. Mit dem deutschen Wort „Klima“ und dem polnischen „klimat“ auf neonfarbenen Westen bewegten sich rund 65 Radler aus den Partnergemeinden Zary und Neuhausen/Spree durch die Region östlich der Talsperre Spremberg. Am Solarpark Frauendorf holte sie die „Security“ ein. Die Radler waren für Klimaaktivisten gehalten worden, die Kraftwerker hatten die Stilllegung der Bahnstrecke befürchtet – einen Tag nach den Klima-Streiks.

Tatsächlich waren die Polen aus der Landgemeinde Zary mit Tomasz Zolkiewicz, Vorsitzender der Vereinigung Natura Polska, angereist, um zu sehen, wie Neuhausen/Spree seit sechs Jahren das Klimaschutz- und Energiekonzept umsetzt. „Wir haben es bereits übererfüllt“, sagt Bürgermeister Dieter Perko (CDU) zum Tourstart.

Talsperre Spremberg hat kein Wasser zu verschenken

An der Talsperre warten Staumeister Ralf Herkula und Talsperren-Ingenieurin Kathleen Lehmann. Während ein Teil der Gruppe den Blick vom Staudamm genießt, erklärt Herkula im Maschinenhaus mit einer drei Meter dicken Wand im Rücken, wie fünf Grundablässe mit einem Durchmesser von je 1,80 Metern die gesteuerte Wasserabgeabe ermöglichen.

„Zu verschenken haben wir derzeit allerdings kein Wasser“, sagt er, „zwei trockene Jahre – das spüren wir.“ Der Durchfluss der Spree am Pegel Spremberg betrug im Mittel des Jahres 2018 rund 9,9 Kubikmeter pro Sekunde. Damit lag er bereits unter 12,4 Kubikmeter pro Sekunde, Mittel aus der Messreihe von 2000 bis 2018. Inzwischen kommt die Spree mit acht Kubikmetern pro Sekunde an.

Der Gesamtstauraum der Talsperre, der bei der Bauwerks-Übergabe 1965 bei 40 Millionen Kubikmetern lag, habe sich auf 38,47 Millionen verringert. „Der Eisenschlamm ist daran nicht maßgeblich beteiligt“, sagt Herkula, „dafür sorgen Uferabbrüche.“ Für rund 15 Millionen Euro wurde die Talsperre, die dem Landesamt für Umwelt untersteht, umfassend saniert. „Wir könnten noch einmal so viel Geld gebrauchen, um das fortzusetzen“, so der Staumeister. Sanierungsbedürftig ist unter anderem der Sickergraben.

Wasserkraftanlage Mühlenstraße versorgt 250 Haushalte

An der Wasserkraftanlage Mühlenstraße in Neuhausen lässt Dietmar Schirrock den Rechen hochfahren, der Laub aus der Spree harkt – Eisenflocken gibt es hier nicht. Schirrock arbeitet für einen Gubener Investors, der zudem ein Wasserwerk an der Neiße in Grießen betreibt, weil er Fan der alternativen Energieerzeugung ist.

Während die Wasserkraftanlage der Talsperre 2100 Haushalte versorgen kann, schafft die Anlage in Neuhausen mit einer Million Kilowattstunden 250 Haushalte.

 Artenvielfalt am Solarpark Frauendorf: Auf der Anhöhe werden 64 heimische Pflanzen vorgestellt.
Artenvielfalt am Solarpark Frauendorf: Auf der Anhöhe werden 64 heimische Pflanzen vorgestellt. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit

Was wird im Solarpark Frauendorf für die Natur getan?

Zehn Millionen Kilowattstunden im Jahr kann Jörg Schulze vom Energieversorger Spreegas am Solarpark Frauendorf bieten. Er erläutert, was auf der 20 Hektar großen Fläche für die Natur getan wird. 64 Pflanzenarten der Lausitz vermehren sich hier, darunter Pflanzen von der Roten Liste wie die Gewöhnliche Hainsimse, die Pechnelke, der Sandthymian.

„Mehrere Bienenvölker haben wir vor Ort. Laut unserer Imker produzieren sie 20 bis 40 Kilogramm Honig im Jahr“, so Schulze.

Heidi und Günter Bartel aus Komptendorf haben Frikassee gekocht. Er schmeckt im Haus der Feuerwehr Koppatz. Für die Mittagruhe organisierte Natura Polska einen Fahrradrepaturkurs und ein Quiz.

Nach Laubsdorf zur Schule geht es abschließend. 1,5 Millionen Euro Fördermittel flossen in die energieeffiziente Sanierung. Solarmodule liegen auf den Dächern, die Wände sind gedämmt, die Fenster wärmedämmverglast. Während die polnischen Gäste der Heizkosten-Senkung lauschen, sehen sich die Bürger aus Neuhausen/Spree um.

Nach vielen Jahren stehen sie erstmals wieder auf dem Schulhof. Die Farben, der zweite Fluchtweg, die Bepflanzung, lobt Eberhard Gläser, alles sei hier richtig schön geworden.