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Kinderreiche Familie schwimmt

Um den Himmelfahrtstag herum kam der Nachwuchs auf dem Spremberger Schwanenteich zur Welt.
Um den Himmelfahrtstag herum kam der Nachwuchs auf dem Spremberger Schwanenteich zur Welt. FOTO: Detlef Bogott/dbo1
Spremberg. Eine kinderreiche Familie schwimmt über den Spremberger Schwanenteich: Die weißen Vögel Lady und Junior sorgen nun für sieben Küken. Mit ihnen kümmert sich Nachbarin Elfi Fuchs um den Schwanen-Nachwuchs. René Wappler

Noch sind die Jungtiere so klein, dass sie in den Wassernapf auf dem Hof von Elfi Fuchs steigen und darin schwimmen, statt nur ihre Schnäbel hineinzutunken. Auch beim Spaziergang zum Heidemuseum bewachen die Eltern ihre Jungtiere vor neugierigen Zuschauern. Kommt ihnen jemand zu nahe, plustern sie ihre Federn auf. Sie fauchen, und mit wiegendem Schritt gehen sie auf die Passanten zu, um sie in die Flucht zu treiben.

Von einem "turbulenten Start nach den Tragödien des vergangenen Jahres" spricht Elfi Fuchs. Im Sommer 2016 waren mehrere junge Schwäne gestorben, die sich in illegal ausgeworfenen Angelhaken auf dem Teich verfangen hatten. Daraufhin patrouillierten Polizeibeamte und Mitglieder des Anglervereins boten Elfi Fuchs ihre Hilfe an.

So nehmen viele Menschen aus Spremberg Anteil am Schicksal der Schwäne, die wahrscheinlich um den Himmelfahrtstag herum auf einen Schlag wieder zu einer großen Familie angewachsen sind. Elfi Fuchs sagt: "Man sieht es ja nicht sofort, wenn sie geschlüpft sind, weil die Mutter noch eine Weile mit ihnen im Nest verbleibt." Zunächst dachte die Nachbarin, das Muttertier namens Lady werde sein Nest im Häuschen auf der Schwaneninsel bauen, da die Mitarbeiter der Stadtverwaltung dort alles in Ordnung gebracht und mit Stroh und Zweigen ausgestattet hatten. Doch es vergingen 14 Tage, drei Wochen, und nichts dergleichen geschah. Die Angestellten der Stadtbrigade mähten das Schilf. Sie brachten es auf den Hang, um es für den Transport bereitzulegen - doch dann kam Elfi Fuchs auf die Idee, das Schilf könnte doch zurück auf den Teich kommen, wo die Schwanenmutter im Jahr zuvor ihr Nest gebaut hatte.

Tatsächlich fanden sich kurz darauf beide Schwäne, Lady und Junior, auf dem aufgetürmten Schilf ein, und bald darauf kam der Nachwuchs zur Welt: Eines Tages schauten ein paar kleine Köpfe aus dem Gefieder der Frau Mama. Es dauerte nicht lange, bis die Schwanenfamilie einen ersten Ausflug zum Schloss wagte. Am Montag dieser Woche fand sie sich auf dem Hof von Elfi Fuchs ein, wo immer Futter bereitsteht. Dort zeigte das Muttertier dem Nachwuchs, wie er mit dem Schnabel die Mahlzeiten aus den Schalen pickt.

Allerdings verbinden sich für Elfi Fuchs mit dem Futter auch unangenehme Erfahrungen: Gerade jetzt, in der Sommerzeit, sonnen sich viele Leute am Schwanenteich, und manche Besucher bringen ihren Küchenabfall mit, um ihn den Tieren hinzuwerfen. "Da sind ungeschälte Zwiebeln dabei und verfaulte Äpfel", sagt Elfi Fuchs. "Da die Tiere so was nicht vertragen, handelt es sich in meinen Augen nur um eine bequeme und verantwortungslose Form der Entsorgung alter Lebensmittel."

Bis zum nächsten Frühjahr werden die Jungvögel auf dem Schwanenteich bleiben. Dann folgt die Phase des Auswilderns und des Aufbruchs in ein neues Revier.