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| 01:03 Uhr

Kinder und ihre Schutzengel

Spremberg.. Heiß – der Inhalt einer Tasse Tee oder Kaffee genügt, um bis zu einem Drittel der Körperoberfläche eines Kleinkindes zu verbrühen. Und heißes Wasser brennt wie Feuer – solche Aussagen in der Riesenküche im Foyer des Spremberger Krankenhauses regten am Dienstagnachmittag während der Ausstellungseröffnung zum Nachdenken über den Alltag mit Kindern an. Dass die Kinder gesund groß werden, genau dafür müssen die Erwachsenen etwas tun und die Sicherheit zu Hause, auf den Spielplätzen und im Straßenverkehr erhöhen. Von Martina Arlt

Statistiken sprechen für die Sorge: Unfälle seien die Todesursache Nummer eins bei Kindern. Unfallverletzungen gelten bei Kleinkindern als zweithäufigster Einweisungsgrund ins Krankenhaus und als häufigster im Schulalter. Aus der intensiven Beschäftigung mit diesem Thema ist Wanderausstellung „Kinder sehen anders“ entstanden. In Zusammenarbeit des Gesundheitsamt Spree-Neiße mit dem Spremberger Krankenhaus wurde schließlich die Möglichkeit gefunden, die Ausstellung im Rahmen der Gesundheitswoche der Örtlichen Liga in Spremberg zu zeigen. Am Dienstagnachmittag wurde sie eröffnet. Diplommediziner Rosemarie Ahland, Chefärztin für Anästhesie und stellvertretende ärztliche Direktorin: „So langsam entwickeln wir uns hier im Foyer unseres Krankenhauses zu einem wissenschaftlich-kulturellen Zentrum... Kinder sind neugierig, sie wollen die Welt erobern, und dabei lauern täglich viele Gefahren auf sie. Wir sollten nichts mehr dem Zufall überlassen, wir können Vorsichtsmaßnahmen treffen.“
Es gebe viele Möglichkeiten, die Kinder zu schützen. Einige „Schutzengel“ im Haushalt sind in der Präsentation im Krankenhaus zu sehen: Herdschutzgitter, die Fenstersicherung, Kantenschutz und der Schrankverschluss. Auch die Verankerung von Kabeln elektrischer Geräte sei ganz wichtig, damit die Kinder die Geräte nicht herunterreißen können.
Hannelore Haupt vom Gesundheitsamt des Landkreises Spree-Neiße: „Die Sensibilisierung und Mitarbeit der Eltern spielt bei der Sicherheit unserer Kinder eine entscheidende Rolle, Unfälle zu vermeiden.“ In Brandenburg verunglückten leider noch weitaus häufiger Kinder als im Bundesdurchschnitt. Deshalb sei die Prävention ein wichtiges landesweites Gesundheitsziel. Die Ausstellung mache mit der Riesenküche, der Riesentreppe, dem Riesenbilderbuch und der Riesenbildertrommel für Erwachsene sinnlich erfahrbar, wie kleine Kinder ihre Umwelt erleben.
Die Besucher, darunter auch Erzieher der Kindereinrichtungen, hatten am Dienstagnachmittag nun die Möglichkeit, sich an den Informationsständen der Polizei bei Bernd Pohl, dem zuständigen Revierpolizisten, und Holger Liesk, Prävention Landkreis Spree-Neiße, und am Stand der Ortsverkehrswacht Forst mit Joachim Erdmann, sowie bei Vertretern der Unfallkasse Brandenburg und des Gesundheitsamtes zu informieren.
Oberarzt Michael Lang, ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Landkreises Spree-Neiße, hielt einen Vortrag zum Thema „Kinderunfälle in der täglichen Praxis“ . Immerhin ist Michael Lang in den zehn Jahren, die er als Notarzt tätig ist, fast 5000 Mal zum Einsatz gefahren und hatte viele Erfahrungen sammeln können. Barbara Melcher von der Unfallkasse Brandenburg erklärte, „was Hänschen nicht lernt oder warum wir unsere Kinder trotzdem nicht in Watte packen wollen“ . Nach Ergebnissen einer repräsentativen Studie seien bundesweit etwa 1,8 Millionen Kinder pro Jahr bei Unfällen verletzt worden. Für 532 Kinder unter 15 Jahren sei im Jahr 2000 der Unfall tödlich ausgegangen. Ein Großteil der Unfälle passiere in der Schule, etwa ein Drittel zu Hause und in der Freizeit. Die häufigsten Unfallorte seien hierbei das Kinderzimmer, gefolgt von der Küche und der Treppe.

Hintergrund Bis Montag im Foyer
 Diese Ausstellung ist noch bis zum Montag, 31. Oktober, im Foyer des Spremberger Krankenhauses geöffnet. Interessierte Gruppen können sich für eine Führung durch die Ausstellung anmelden - beim Gesundheitsamt unter der Telefonnummer (03562) 98 61 53 19 oder 98 61 53 01.