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| 16:53 Uhr

Rock- & Blues-Nacht
Die Blueser mit den langen Haaren

 Sichtlich Spaß hat die All-Star-Session an der Spree im Festzelt des Gasthauses „Zur Post“ den Musikern 2013 bereitet. Diesmal soll Rock- & Blues-Nacht am 6. Juli ab 18 Uhr in Spremberg  auch an 50 Jahre Woodstock erinnern.
Sichtlich Spaß hat die All-Star-Session an der Spree im Festzelt des Gasthauses „Zur Post“ den Musikern 2013 bereitet. Diesmal soll Rock- & Blues-Nacht am 6. Juli ab 18 Uhr in Spremberg auch an 50 Jahre Woodstock erinnern. FOTO: Arlt
Spremberg. Karten für Rock- & Blues-Nacht gibt es im Gasthaus „Zur Post“. Mutige mit Querflöte gesucht. Von Annett Igel-Allzeit

In Römer-Sandalen oder knöchelhohen Wildleder-Tramperschuhen sind sie zu den Konzerten quer durch die DDR gereist. Ein Shell-Parker musste sein und die Levi’s-Jeans. Eine Art Nickelbrille trägt Gerd-Rüdiger Heppner noch heute. Heppi, wie viele Spremberger den langjährigen Geschäftsführer der Sprela GmbH nennen, ist in der Blueser-Szene groß geworden. Und er kann sie nicht lassen. „Wenn ich in Rente bin, lasse ich mir die Haare wieder wachsen“, sagt er.

Am 6. Juli wird die 13. Rock- & Blues-Nacht im Spremberger Biergarten des Gasthauses „Zur Post“ wieder all die Erinnerungen wecken. Die Blueser-Szene wirkte wild, melancholisch und schön wie die Gitarrensoli. Sie war keineswegs nur Musik, aber viele Musiker wie Angelika Weiz, Stefan Diestelmann, Thomas Stelzer, Bernd Kleinow und Bands wie Engerling, Freygang, Pasch stehen dafür. Heppis Lieblingsband ist Monokel. „Es gab ein Jahr, da habe ich 100 Konzerte mit Monokel geschafft“, erzählt er. „Als Kabelträger fürs Fernseh’n hatte ich während meines Studiums in Karl-Marx-Stadt einen Nebenjob, nur freitags, wenn ich zur Mucke wollte, übernahm diesen Job immer ein Freund.“

Zu den Treffen der Blueser sind sie getrampt oder mit dem Zug gefahren. Aber auch in Spremberg selbst gab es in den 80er-Jahren mit der Veranstaltung „Solibeat“ Auftrittsmöglichkeiten für Monokel  – im Speisesaal des Sprelawerks. Gerd-Rüdiger Heppner hat noch Fotos. Wie sie im Speisesaal  tanzen, ihre langen Haare fliegen lassen, mitsingen, trinken, quatschen. Heppi kann leidenschaftlich mitsingen, in einer Band mitzuspielen, habe er allerdings nie versucht. „Ein Jahr Klavierunterricht hatte ich als Kind. Aber ich habe einfach nicht geübt.“

Nach der Wende wurde es für viele der DDR-Rock- und Blues-Musiker richtig schwer. „Einige sind weggegangen, andere mussten sich neu finden. Es war nicht mehr so einfach, Auftrittsmöglichkeiten zu bekommen. Die Leute kamen nicht mehr. Das Bier, was einen Tag zuvor 50 Pfennige gekostet hatte, war plötzlich nur noch für zwei Westmark zu haben“, erinnert sich Gerd-Rüdiger Heppner.

Im Jahr 2006 konnte er nicht mehr stillhalten. „Lass uns was machen“, sagte er damals zu Toralf Hasse, Inhaber des Gasthauses „Zur Post“. Seitdem gibt es in jedem Jahr die Rock- & Blues-Nacht in Spremberg. Und so bluesen sie mit – Titel wie „Schwarze Marie“, „Nie wie Vater“, „Bye, Bye Lübben City“ oder „Emil, Emil, Emil, du gehst schon wieder in die Diskothek.“ Toll findet Heppi die Texte bis heute. „Um fünf in der Früh’ reißt sie sich hoch, karrt durch die Stadt. Die Bude stinkt ihr schon von Weitem entgegen und macht sie satt. Sie schuftet sich krumm , neun Stunden, und gibt sich noch Müh’. Man hat ja ´ne Ehre im Leib oder nicht, sagt Marie.“

 Gerd-Rüdiger „Heppi“ Heppner trampt 1980 zu einem Blues-Konzert. Es gab Jahre, in denen er bis zu 100 Konzerte seiner Lieblingsband „Monokel“ besuchte.
Gerd-Rüdiger „Heppi“ Heppner trampt 1980 zu einem Blues-Konzert. Es gab Jahre, in denen er bis zu 100 Konzerte seiner Lieblingsband „Monokel“ besuchte. FOTO: LR / privat

„Diesmal steht die Rock- und Blues-Nacht auch unter dem Motto 50 Jahre Woodstock“, sagt Toralf Hasse. Die Bands und Musiker, die am 6. Juli nach Spremberg kommen, spielen Songs von Woodstock-Stars und Bands wie Neil Young, Canned Heat und Ten Years After. Es kommen sämtliche Musiker, die bei Monokel waren und sind. East Blues Experience ist mit deutsch- und englischsprachigem Blues-Rock dabei. Tino Standhaft hat zugesagt; ihm wird nachgesagt, dass er seine Gitarre großartig beherrscht. Inutero hat Songs von Alvin Lee dabei, der mit der Band Ten Years After berühmt geworden war. Die Band Heat spielt Canned Heat. Und damit der Titel „Going Up The Country“ noch einmal besonders schön in Spremberg klingt, will Gerd-Rüdiger Heppner noch einen Musikschüler finden. „Der Song“, so erklärt er, „hat nämlich einen wirklich schönen Querflöten-Part“.