| 02:36 Uhr

Kanu-Elferrat plant für Narrensaison

Spremberg. Größer als im vergangenen Jahr soll der Umzug der Karnevalisten durch Spremberg am 11.11. werden: Das kündigt der Elferrat der Kanuten an. So wird die Liveband "Na und" die Narren durch die Stadt begleiten. René Wappler

Ein einziges Mal ist der Spremberger Kanufasching ausgefallen. Als der Golfkrieg im Irak im Jahr 1991 aufflammte, beschlossen die Karnevalisten, ihr Programm wieder in die Schublade zu legen. "Im Paradies zur Faschingsnacht - woran haben wir gedacht?", sollte es heißen. Doch angesichts der möglichen Eskalation des Krieges hielt der Elferrat eine fröhliche Party im damaligen Kulturhaus eher für unangemessen.

Das sollte eine Ausnahme bleiben. Den Kanufasching gibt es bereits seit dem Jahr 1949, mal fand er im Bootshaus statt, mal im Kulturhaus Erich Weinert, und in diesem Jahr eröffnen die Karnevalisten die Saison im Hotel Georgenberg - unter dem Motto: "Zum Karneval, da feiern wir 500 Jahre reines Bier." Der genaue Inhalt des Programms bleibt allerdings bis zum 11.11. ein Geheimnis, das nur dem Kreis der Eingeweihten bekannt ist.

Im Elferrat arbeitet Benjamin Schorg mit, der nach eigenen Worten "schon als kleiner Zwerg" am Trubel teilnahm. "Seitdem ich denken kann, ist ja meine ganze Familie dabei", sagt er. "Irgendwann kam auch der Punkt, an dem ich fand, ich könnte bei der Organisation auch mal richtig aktiv werden." So stieß er im Jahr 2007 zum Elferrat.

Benjamin Schorg betrachtet das politische Kabarett als die große Königsdisziplin, mit der sich die Bütt beim Karneval im besten Falle verwandt zeigt. Zu diesem Vergleich passt, dass der Elferrat auch die Fraktionsvorsitzenden der Parteien in Spremberg für den 11.11. eingeladen hat. Schließlich kündigt er "den einen oder anderen Querverweis auf die Stadtpolitik" an.

Dafür gibt es genügend Anlässe. Nicht nur die ausgiebigen Debatten darüber, wie und wo sich am besten Geld für den städtischen Haushalt sparen ließe, laden regelrecht zu karnevalistischen Pointen ein. Erst am Montag dieser Woche schauten die Mitglieder des Hauptausschusses ungläubig in die Runde, als sie während ihrer Konferenz im Bürgerhaus vom Ärger um die Studie zu den Spremberger Bädern erfuhren: Sie sollte zunächst am 10. Oktober vorliegen, doch das zuständige Planungsbüro bat nach Angaben der Bürgermeisterin Christine Herntier "aus personaltechnischen Gründen" um Aufschub - und zwar, kein Scherz, bis zum 11.11. Nun war der Bürgermeisterin nicht zum Lachen zumute, eher im Gegenteil, doch das eine oder andere karnevalistische Wortspiel ließe sich bestimmt aus dieser Episode herausschlagen.

Ohnehin verstand sich der Spremberger Karneval immer auch als ein politisches Unterfangen. Zu DDR-Zeiten legte ein mutiger Diskjockey den "Sonderzug nach Pankow" von Udo Lindenberg auf, in dem der Musiker den damaligen Ostberliner Staatschef Erich Honecker fragt, ob dieser denn wirklich "so ein sturer Schrat" sei, der ihn nicht im "Arbeiter- und Bauernstaat" singen lasse. Dieses Lied zu spielen, galt in der Diktatur des Proletariats als derart heftiger Affront gegen die Staatsmacht, dass der Diskjockey daraufhin seine Arbeit als Lehrausbilder in Schwarze Pumpe verlor. Davon erzählt eine Dokumentation mit historischen Aufnahmen aus Spremberg und Welzow, die der RBB vor mehr als drei Jahren in seiner Sendung "Theodor" ausstrahlte.

Zugleich dient der Karneval dazu, "die Menschen ein wenig von ihrem Alltag abzulenken", wie Benjamin Schorg vom Kanu-Elferrat erzählt. "Das könnte einer der Gründe dafür sein, dass er bis auf diese eine Ausnahme im Jahr 1991 immer als eine krisenfeste Veranstaltung gegolten hat."

Dabei kümmert sich der Elferrat stets um die Organisation. Seine Mitglieder planen, dekorieren, denken über angemessene Werbung nach und beraten, wie sich die jeweiligen Akteure am besten in das Ereignis einbinden lassen.

Sein Kostüm hat Benjamin Schorg bereits aus dem Schrank geholt, und wenn er es überstreift, sieht es so aus, als würde ihn bereits die Vorfreude auf den 11. November packen. "Das hier ist das teuerste Jackett meines Lebens", sagt er. "Eine Maßanfertigung."

Zum Thema:
Die Karten für die Karnevalseröffnung der Spremberger Kanuten im Hotel Georgenberg gibt es zu einem Vorverkaufspreis von 17,50 Euro ab 25. Oktober im Kosmetikinstitut in der Langen Straße 18. An der Abendkasse kosten die Karten 21,50 Euro. Der Einlass am 11.11. beginnt um 18.30 Uhr. Die Veranstaltung startet um 19.30 Uhr. Telefonische Reservierungen sind unter der Nummer 0162 9110561 möglich.