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| 02:54 Uhr

Kampf dem Monopol bei der Elektrizität

Spremberg. Was Harri Piel beim Blättern in den Ausgaben des "Spremberger Anzeiger" in der Zeit vom 23. bis 29. März des Jahres 1914 entdeckt hat, berichtet er an dieser Stelle: hpl1

Wir hatten seit einiger Zeit den Verdacht, dass sich etwas in Sachen Elektrifizierung bewegt. Bloß was? Jetzt lässt der Redakteur des Spremberger Anzeigers die Katze wenigstens ein wenig aus dem Sack gucken. Unter der Überschrift "Praktische Durchbrechung des Elektrizitäts-Monopols?" lesen wir eine längere Erörterung zu den laufenden Verhandlungen in der Ober- und Niederlausitz. "Der von der A.E.G. verkörperte Elektrizitäts-Monopolisierungsgedanke, der bekanntlich vielen und ernsten Anfechtungen ausgesetzt ist, hat an einer Reihe von Punkten des Inlandes eine harte Probe zu bestehen. Mit großem Eifer verfolgt augenblicklich der von der A.E.G. vertretene Konzern u.a. die Elektrifizierungsbestrebungen in dem Nieder- und Oberlausitzer Gebiet und zwar im Verein mit der Ilse-Bergbau-Gesellschaft als Kraftspenderin", heißt es da. Ein weiteres großes, nicht namentlich genanntes, Elektrizitätsunternehmen arbeitete auch an dieser Frage. Es schien aber Streit zwischen A.E.G. und Ilse vorprogrammiert zu sein, weil "jeder für sich seine geschäftliche Rechnung suchen und finden muss. (...) während das konkurrierende Elektrizitäts-Unternehmen (...) sich die Kraftquelle in Form eines großen Braunkohlenvorkommens mit über 1 Milliarde Hektoliter Inhalt derart gesichert hat, dass vom Urprodukt an alles sich in einer einzigen Hand befindet."

Neben den bis heute nicht enden wollenden Nörgeleien zu den "Monopolisierungsbestrebungen in der Elektrizitätsindustrie" scheint sich in unserer Heimatstadt etwas Neues zu entwickeln. Auf der nächsten Zeitungsseite verkündete die Ilse-Bergbau-Aktiengesellschaft sogleich eine Erhöhung des Grundkapitals um fünf Milliarden Mark durch die Ausgabe von 10 000 Vorzugsaktien. Die Spremberg Stadtverordneten tagten am 31. März, nachmittags vier Uhr mit nur drei Tagesordnungspunkten. Der Wichtigste lautete - einmal dürfen Sie raten: "1. Elektrizitätssache". Alles Zufall? Es bleibt spannend! In einem Jahr wird in Trattendorf Baubeginn sein.

Weiter bewegten die Umzüge zum 1. April, die baldigen Konfirmationen und eine Personalie im Postamt die Gemüter. Der Postinspektor Hunfeld wurde nach Hamburg versetzt und der "Ober-Postpraktikant Lohe" zum Postinspektor in Spremberg befördert. Zwei neue Geschworene für das Königliche Landgericht in Cottbus mussten ausgelost werden. Es traf den "Mühlenbesitzer Walter Jung-Spremberg" und den "Landwirt Christian Budich-Kochsdorf".

Das Genossenschaftsregister vermeldete auch Wichtigeres. Der Gastwirt Max Heintze war aus dem Vorstand der "Genossenschaftsbrauerei Spremberg, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung" ausgeschieden und der Braumeister Paul Berndt an seine Stelle getreten. Und das in "Spremberg, Lausitz , den 17. März 1914".

Witz: Die Köchin. "Wir behandeln unsere Köchin ganz, als ob sie zur Familie gehörte," sagte die Besucherin. "Wir nicht," entgegnete die Hausfrau, "das würden wir nicht wagen, wir behandeln sie viel höflicher!"