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| 16:00 Uhr

Prozess um Attacke auf Patienten
Arzt sagt vor Gericht über kranken Angeklagten aus

Spremberg/Cottbus. Justiz verhandelt erneut über Fall aus Spremberger Klinik.

Das Personal der Spremberger Psychiatrie hätte Bedenken, diesen Patienten weiter zu behandeln. Ein Arzt sagte als Zeuge am Montag am Landgericht Cottbus aus, wo der Prozess um einen Messerangriff im Krankenhaus neu verhandelt wird. Der Angeklagte Markus S., von Polizeibeamten in Handschellen in den Gerichtssaal geführt, soll am 1. Januar 2017 versucht haben, einen anderen Patienten der Psychiatrie in Spremberg zu erwürgen. Er leidet nach Aussage von Medizinern unter paranoider Schizophrenie, unter dem Wahn, ein Chip befinde sich in seinem Kopf, der seine Gedanken steuere.

Zwar hatte sich das Landgericht schon im vergangenen Jahr mit diesem Fall befasst. Doch der Bundesgerichtshof hob später die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus auf. Nach Ansicht der Karlsruher Richter berücksichtigte das Urteil aus Cottbus darüber hinaus nicht zur Genüge die Frage der Gefahr, die von dem Mann ausging. Deshalb findet nun ein Revisionsprozess statt.

Der Arzt des Spremberger Krankenhauses, von seiner Schweigepflicht entbunden, berichtete am Montag, der Angeklagte sei erstmals im Jahr 2002 stationär behandelt worden. Leider habe der Mann später „immer weniger“ eingesehen, warum die Behandlung nötig sei. „Er entwickelte ein Konzept, wonach nicht er, sondern die Welt krank sei“, erklärte der Arzt. Situationen wie der Angriff auf einen anderen Patienten kämen im Krankenhaus „extrem selten vor“, berichtete der Mediziner. „Dieser Vorfall hat unser Personal erheblich verunsichert und zu Ängsten geführt.“ Deshalb wäre es schwierig, die Behandlung in Spremberg fortzusetzen.

Weitere Zeugen erinnerten sich daran, dass der Angeklagte schon früher zu Aggressivität neigte. Ein 40-jähriger Schweißer aus Forst hatte einst gemeinsam mit ihm die Schule besucht. „Wir waren gute Freunde“, sagte er zum Richter. „Dann ging das los mit der Krankheit.“ So habe der Angeklagte im Jahr 2015 eines Tages vor seiner Tür gestanden und ihn angebrüllt. Nach der Aufforderung, bitte wieder zu gehen, seien Sätze gefallen wie: „Ich hau dir aufs Maul, ich mach dich fertig.“ Daraufhin kam es nach Aussage des Zeugen zu einer Schlägerei zwischen beiden.

Laut der Aussage eines Polizeibeamten mussten Uniformierte eingreifen, als der Angeklagte im Jahr 2015 beim Fachbereich für Ordnung und Sicherheit im Spremberger Rathaus aufkreuzte und in aufbrausender Art darauf beharrte, die Mitarbeiterin solle ihm eine Wohnung vermitteln. „Er wirkt in solchen Momenten sehr gefährlich“, sagte der Polizeibeamte.

Die Schwester des Angeklagten berichtete, früher sei er „eine Seele von Mensch“ gewesen, „hilfsbereit und fürsorglich“. Das habe sich mit der Krankheit geändert. So schilderte ihr Ehemann vor Gericht, auch ihn habe der Angeklagte im Jahr 2016 angegriffen und gewürgt. „Wir leben in ständiger Angst“, sagte er.

Der Prozess in Cottbus wird in dieser Woche mit weiteren Terminen fortgesetzt.