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| 17:11 Uhr

Junge Vereine
Förderantrag und Herzenswunsch

Der Verein „Jugend und Soziales“ in Spremberg will mit dem Verein „Herzenswünsche“ aus Weißwasser zusammenarbeiten: Silko Hoffmann (vorn) aus Weißwasser traf sich deshalb mit Isabel Handschak und Alexander Fritzke.
Der Verein „Jugend und Soziales“ in Spremberg will mit dem Verein „Herzenswünsche“ aus Weißwasser zusammenarbeiten: Silko Hoffmann (vorn) aus Weißwasser traf sich deshalb mit Isabel Handschak und Alexander Fritzke. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Verein „Jugend und Soziales“ will mit Schülern Demokratie leben. Von Annett Igel-Allzeit

Der junge Spremberger Verein „Jugend und Soziales“ will viel. Nach Rettung der Filmnächte bietet er sich der Stadtverwaltung als Koordinierungsstelle an und will auch einem Weißwasseraner Verein helfen, Herzenswünsche zu erfüllen. Das Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ macht es möglich. Die Stadt Spremberg hat sich um Fördermittel aus diesem Programm beworben, als Fach- und Koordinierungsstelle dafür bot sich „Jugend und Soziales“ an. Wie Benjamin Schorg, der sich ehrenamtlich für den Verein engagiert, dem Bildungsausschuss erläutert, wollen sie die Jugend mehr „aufschließen“: „In der Schule haben sie einen tollen Politikunterricht, aber im außerschulischen Bereich fehlt ihnen die politische Bildung“, so Benjamin Schorg. Die Schulen will der Verein mit Verbänden zusammenbringen – und mit der Feuerwehr. „Der Feuerwehr gelingt nämlich eine sehr gute Nachwuchsarbeit“, weiß Schorg.

Für den ersten Förderzeitraum bis Ende 2018 liegt ein Zuwendungsbescheid über 26 250 Euro im Rathaus. Für 2019, so Vize-Bürgermeister Frank Kulik, stehen weitere 100 000 Euro in Aussicht. Der Förderzeitraum laufe bis zum 31. Dezember 2019. Nach der Empfehlung des Spremberger Kultur- und Bildungsausschuss sollen am 7. November auch die Stadtverordneten darüber befinden, ob der Verein die Aufgaben der Koordinierung für die Stadt übernimmt. Der Verein wird für „Demokratie leben“ einen Begleitausschuss bilden, in den alle Träger der öffentlichen Jugendhilfe Sprembergs eingebunden werden sollen. Trotzdem, das verspricht Schorg dem Bildungsausschuss, werde es kein Riesenausschuss. Er denke an neun bis elf Mitglieder. Dem Spremberger Jugendbeirat wolle der Verein im Rahmen des Programms auch unter die Arme greifen. Um den Beirat ist es derzeit etwas still. Aber untätig ist er nicht: Die Aktiven brüten Ideen aus für einen Mehrgenerationenspielplatz in Spremberg.

Zehn Prozent der Kosten muss der Verein „Jugend und Soziales“ für „Demokratie leben“ allein aufbringen. Im Jahr 2019 wären das 10 000 Euro. Die Stadtverwaltung hofft, dass ihr Haushalt nicht weiter belastet wird – nur durchs Verwalten der Bundesmittel, die da kommen, entstünden Aufwendungen in der Verwaltung, erklärt Frank Kulik.

Aber der Vereinsvorsitzende Alexander Fritzke formuliert nicht nur förderfähige Konzepte. Sondern er „netzwerkelt“ auch. So hatte er in dieser Woche Besuch aus Weißwasser. Silko Hoffmann vom Verein „Herzenswünsche Oberlausitz“, der seit knapp einem Jahr aktiv ist, kam vorbeigerollt. Der 36-jährige Sachse leidet unter Muskeldystrophie. 16 war er, als die Krankheit ausbrach, zwei Monate nach dem Tod seines Vaters. „Ich hatte gerade eine Lehre als Koch angefangen. Mein Traumberuf, der plötzlich nicht mehr möglich war. Ich kämpfte, denn ich wollte nicht, dass meine Mutter auch mich noch zu Grabe tragen muss“, sagt er. Er kämpft noch immer. Nicht nur gegen einen zu frühen Tod. Sondern er versucht, mit dem Verein „Herzenswünsche“ Kindern und Jugendlichen, die schwer krank sind und lange Krankenhausaufenthalte erleben, große Wünsche zu erfüllen. Damit davon auch die Spremberger profitieren, öffnet Fritzke dem jungen Hoffmann jetzt zweimal im Monat die Anlaufstelle des Vereins „Jugend und Soziales“. „Eltern und Freunde, die Kinder und Jugendlichen selbst können zu uns kommen und mit uns über ihren Herzenswunsch sprechen. Wir suchen uns dann Partner dafür“, erklärt Silko Hoffmann. Auch Leute mit Ideen, die helfen wollen, seien willkommen.

Helfen konnte der Verein schon mehrfach. Zum Beispiel einem vierjährigen Mädchen, das einmal Prinzessin Elsa sein wollte, obwohl es unter schwerer Epilepsie leidet. „Sie ist als Prizessin in der Kutsche durch den Muskauer Park gefahren.“ Oder eine unter Rheuma leidende 13-Jährige, die vom Trikot der Lausitzer Füchse träumte. „Ich war zehn Jahre Fan-Beauftragter der Füchse. Wir bekamen nicht nur das Trikot, sondern es wurde ihr von ihrem Lieblingsspieler überreicht.“

Die Sprechstunden für Herzenswünsche sollen in Spremberg ab November immer am ersten und dritten Donnerstag im Monat stattfinden: erstmals am 1. November, von 14 bis 16 Uhr in der Badergasse 4.

www.herzenswuensche-ol.de.