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| 02:34 Uhr

Junger Spremberger fürchtet bei Namenswahl um Demokratie

Der Spremberger Marcus Kossatz schreibt zum Beitrag „Bauausschuss favorisiert ,Technisches Rathaus‘“ (erschienen in der RUNDSCHAU am 23. April):

13 Jahre Schule habe ich hinter mir. Auf dem Weg zu meinem Abitur hat man im Politik- und Geschichtsunterricht versucht, mir die Vorzüge der Demokratie beizubringen, zu Wahlen zu gehen und jede Möglichkeit wahrzunehmen, Dinge mitzubestimmen, die die Gemeinschaft betreffen. Im guten Glauben, das Gelernte bei der Namensgebung des neuen Spremberger Schmuckstückes umsetzen zu können, habe ich als Bürger der Stadt Spremberg die Möglichkeit wahrgenommen, Namensvorschläge bei der Altstadtsanierungsgesellschaft Spremberg, die von der Stadtverwaltung den Auftrag für eine solche Bürgerumfrage bekommen hat, einzureichen.
Und dann lese ich in der Zeitung, dass der Bauausschuss sich gedacht hat, zu den 88 eingereichten Vorschlägen kurzerhand noch einen „hinzuzufügen“ und über diesen dann auch noch in den eigenen Reihen abzustimmen. „Technisches Rathaus“. Ein Vorschlag, den kein einziger Bürger eingereicht hat, soll nun zu den Favoriten gehören. Toll, wie mit der Meinung der Spremberger Bürger hier umgegangen wird.
Da Bauausschuss-Mitglieder ja ebenfalls normale Bürger sind, hätten sie sich – wie jeder andere auch – an der Umfrage der ASG beteiligen können. Somit ist es im demokratischen Sinne unzulänglich, nachträglich noch einen Vorschlag einzureichen. Das stellt den Sinn der gut gemeinten Aktion komplett in Frage. Die Tatsache, dass die eigentlich nicht stimmberechtigten „sachkundigen Einwohner“ kurzerhand mit abstimmen durften, komplettiert den demokratischen Nonsens, der da fabriziert wurde.
Ganz nebenbei müsste jedem auffallen, warum „Technisches Rathaus“ nicht unter den eigentlichen Vorschlägen war. Am Markt steht ein wunderschönes Rathaus, in welchem der Bürgermeister und die Stadtverwaltung zu Hause sind. Warum sollte es nun ein zweites, „technisches“ Rathaus geben? Ich kenne keinen Ort, in dem neben der Dorfkirche noch eine „technische Kirche“ steht, in welcher der Pfarrer zu Mittag essen kann.
In diesem Sinne hoffe ich, dass die Spremberger Stadtverordneten zur Rettung der Bürgermeinung den Vorschlag „Technisches Rathaus“ in Gänze ignorieren und sich zwischen „Bürgerhaus“, „Bürgerzentrum“ und „Spremberger Stadthaus“ entscheiden. Dann kann auch jeder demokratisch erzogene Mensch wieder beruhigt schlafen.