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Junger Produktionsleiter am Ball

Schwarze Pumpe. Die Produktion in der Spremberger Papierfabrik leitet jetzt ein junger Spremberger. 2008 startete er hier seine Ausbildung. Annett Igel-Allzeit

Die Spremberger Papierfabrik hat der Bundestagsabgeordnete und einstige Spremberger Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) seiner sächsischen Fraktionskollegin Maria Michalk gezeigt. Mit dem Ausflug will sie ihre Argumente in wirtschaftlichen, infrastrukturellen und energiepolitischen Debatten schärfen. Für Schulze war es ein Ausflug in die Geschichte. Als Harald Ganster, Geschäftsführer der Hamburger Container board, 2000 zu ihm kam und das "Bächlein" sehen wollte, bevor er den Platz für die Fabrik sucht, war Schulze Bau- und Umweltdezernent im Spree-Neiße-Kreis. "Ich zeigte ihm, dass unsere Spree kein Bächlein ist." Der Österreicher Ganster begleitete die Bundestagsabgeordneten mit dem Wahlberliner Arno Liendl, seit 2016 Werkleiter in Spremberg. Geredet hat während der Führung aber ein Spremberger: Friedjof Kulling ist seit 1. Februar Produktionsleiter. "Einer von uns", so Schulze stolz.

2008 hatte Friedjof Kulling die dreijährige Ausbildung zum Papiertechnologen begonnen. Zur Theorie musste er ins Papiermacherzentrum im baden-württembergischen Gernsbach. Danach studierte er Papiertechnik in Karlsruhe. In den zwei Jahren als Prozessingenieur in der oberbayerischen Papierfabrik Trostberg - sie gehört neben Spremberg und Gelsenkirchen zu den drei deutschen Produktionsstandorten der Hamburger Containerboard der Prinzhorn-Gruppe - pendelte er. "Die Papierfabrik in Trostberg ist kleiner. Aber als Papierstandort ist er schon viel älter. Das war spannend." Trotzdem sei er froh gewesen, 2016 nach Spremberg zurückzukehren. "Ich habe meine Freunde hier, meine Familie."

Im Oktober begann er als Assistent des Produktionsleiters, seit Februar leitet er die Produktion. Und noch immer spielt er im Mittelfeld der SG Graustein Fußball. "Die Arbeit ist mehr geworden, klar. Aber der Blick aus dem Fenster motiviert." Zu sehen ist da noch nichts, aber mit einem weltweit einmaligen Patent will die Prinzhorn-Gruppe in Schwarze Pumpe eine zweite Papiermaschine errichten. Mit 370 Millionen Euro könnten 200 neue Arbeitsplätze entstehen.

Seit 2005, so Liendl, hat die Gruppe am Standort Spremberg 420 000 Millionen Euro investiert und mit Dunapack und dem EBS-Kraftwerk 500 direkte Arbeitsplätze geschaffen. Während Trostberg 170 000 und Gelsenkirchen 245 000 Tonnen Papier im Jahr produzieren, sind es in Spremberg 315 000 Tonnen. Nicht nur an der Produktion liege es, dass Spremberg mit 23 jungen Menschen die meisten Auszubildenden am Standort hat. "Wir haben hier auch den größten Bedarf, Fachkräfte für unsere Branche heranzuziehen", so Liendl. Für Friedjof Kulling ist Papier ein besonderer Werkstoff. "Wir können ihn uns im Kreislauf immer wieder zurückholen. Und die Digitalisierung in der Verpackungsbranche ist spannend." Im März wird Friedjof Kulling auch noch Vater.