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Ein Jahr in Südamerika
Spremberger erkundet Bolivien

Der Anteil der Armen sinkt in Bolivien, doch er bleibt verhältnismäßig hoch.
Der Anteil der Armen sinkt in Bolivien, doch er bleibt verhältnismäßig hoch. FOTO: pyty/Fotolia / Fotolia
Spremberg. Der 18-jährige Leonard von Plettenberg hilft Straßenkindern beim Weg in ein neues Leben. René Wappler

Ein junger Mann aus Spremberg begibt sich nach Bolivien, um dort elf Monate lang Straßenkindern beim Lernen zu helfen. Der 18-jährige Leonard von Plettenberg will auch über die Weihnachtsfeiertage in Südamerika bleiben. Nicht nur, weil die Flüge in die Heimat recht kostspielig sind, sondern auch, weil er sich richtig in das Leben seines Gastlandes vertiefen möchte.

Die Reise nach Bolivien entpuppte sich als das erste unwägbare  Abenteuer. Mitten auf dem Flug, in der Nähe der Atlantikküste, kehrte der Pilot wieder um – wegen eines technischen Defekts. Also landete Leonard von Plettenberg zunächst dort, wo er gestartet war, in Frankfurt am Main. Erst der nächste Versuch der Lufthansa brachte ihn ans Ziel, zu seinem Freiwilligendienst in der Stadt Santa Cruz de la Sierra. Seine Gastfamilie hat ihn „äußerst komfortabel“ einquartiert, wie er berichtet: „Mein Zimmer ist mit Sicherheit größer als das in Deutschland und wird durch ein eigenes Badezimmer mit Dusche komplettiert.“

Dabei herrscht vor allem auf dem Land in Bolivien große Armut. Dazu berichtet das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: „Die Gesellschaft ist weiterhin durch Ungleichheit geprägt.“ Mehr als zwei Drittel der Einwohner des Landes arbeiten und leben demnach ohne jede soziale Absicherung. Inzwischen befinde sich Bolivien jedoch in einem Prozess der gesellschaftlichen und politischen Umwälzung, der erste Erfolge zeige. So sank der Anteil der Armen von 63 Prozent im Jahr 2004 auf 39 Prozent im Jahr 2015. Trotzdem weist Bolivien nach wie vor mit 3000 Dollar im Jahr das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen in Südamerika auf.

Leonard von Plettenberg aus Spremberg erlebt diesen Prozess nun selbst in einem Programm namens „Weltwärts“. „Ich wollte ohnehin meine Spanischkenntnisse erweitern“, erzählt er. Dafür dient ihm vor allem ein Notizblock, auf dem er unbekannte oder unbedingt nötige Wörter aufschreibt, um sie dann nachschlagen und sich einprägen zu können.  „Außerdem weiß ich noch nicht so genau, welchen Berufsweg ich einschlagen werde, also fand ich, dass ich die nächsten Monate  auf diese Weise sinnvoll nutzen könnte.“

Auf dem Land bei Santa Cruz de la Sierra hilft er beim Unterricht für die früheren Straßenkinder, die eines Tages ohne fremde Hilfe leben und arbeiten wollen. Derzeit  wohnen sie auf einem großen Gelände, mit eigenem Vieh und Anbauflächen. „Montags bis freitags unterstütze ich dort am Vormittag eine Lehrerin bei der Arbeit“, sagt Leonard von Plettenberg. „Zum Beispiel bearbeite ich mit den Kindern Matheaufgaben.“ Am Nachmittag betreut er sie darüber hinaus bei der Landarbeit, beim Backen, Kochen, Fußball und Basteln. Das Programm dauert insgesamt elf Monate. Danach will der junge Mann aus Spremberg noch vier Wochen durch die Gegend reisen, ohne Verpflichtungen, ohne festen Zeitplan.

Bereits zu Beginn des Jahres 2017 flog eine Sprembergerin im Rahmen des Freiwilligendienstes „Weltwärts“ nach Uganda. Die 27-jährige Jenny Pusch hatte sich dafür entschieden, beim Aufbau eines funktionierenden System zur Versorgung der Einwohner mit Wasser zu helfen. Sie berichtete: „Viele Leute haben keinen Wasseranschluss – vielmehr holen sie sich das Wasser aus dem Hahn draußen auf der Wiese oder von einem entfernten Brunnen.“

Leonard von Plettenberg.
Leonard von Plettenberg. FOTO: Von Plettenberg / Leonard von Plettenberg