Von Anja Guhlan

„In der Kinder- und Jugendfeuerwehr werden die Grundlagen dafür gelegt, den aktiven Dienst der freiwilligen Feuerwehren zu verstärken“, sagt Sven Wochnik. Er ist Jugendwart der Feuerwehr Stadt Welzow und steht am Samstag vor rund 100 Kinder und Jugendlichen auf dem Gelände der Welzower Feuerwehr. Allesamt nehmen sie an dem jährlichen Orientierungslauf des Unterverbandes 4, der die Wehren Spremberg, Welzow und Drekbau vereint, teil. In diesem Jahr richtet die Feuerwehr Welzow zum zweiten Mal den Lauf aus. „Wir bereiten den Orientierungslauf meist ein halbes Jahr vor, denken uns Stationen aus, planen die Zeitschienen und kümmern uns um die Betreuer der Stationen“, erläutert Wochnik.

Nach dem Begrüßungsappell der Welzower Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) fällt 9.30 Uhr der Startschuss an allen elf Stationen. Sie sind im gesamten Stadtgebiet auf einem etwa zehn Kilometer langen Rundkurs verteilt sind. An allen Stationen wurde neben Feuerwehr-Wissen auch Geschicklichkeit und Teamgeist getestet. Mal mussten auf einem weiträumigen Gelände Gegenstände gesucht werden. Dann wieder ging es im Feuerwehrmuseum historische Fakten. Im Welzower Feuerwehrdomizil galt es, Fragen zur Brandschutz-Theorie zu beantworten. Und schließlich ging es mit Kübelspritze und Strahlrohr ans zielgerichtete Löschen. Spaßig wurde es beim Stiefelweitwurf und beim Wasserspiel.

Anspruchsvoll war die Station am Sportplatz, an der die Feuerwehrdienstvorschrift 3 theoretisch und praktisch abgefragt wurde. „Was ist die Feuerwehrdienstvorschrift 3?“, will Dirk Wust von der Proschimer Wehr, einer der insgesamt 48 Betreuer, von den die Jugendlichen wissen. Ordnungsgemäß haben sie sich in einer Zweierreihe aufgestellt. Bis zu fünf Punkte können sich die Jugendlichen pro Station durch Disziplin noch ergattern. „Disziplin ist bei der Arbeit in der Feuerwehr auch extrem wichtig, denn hier müssen die Kameraden mit Befehlen und Anweisungen arbeiten“, erläutert Jugendwart Sven Wochnik. Denn nur das macht sie schnell.

Florian (13) von der Drebkauer Jugendwehr weiß die Antwort auf die Frage sofort: „Diese Vorschrift beschäftigt sich mit der Einteilung der taktischen Einheiten bei einem Löscheinsatz“, ruft er. Er erklärt auch, dass immer neun Feuerwehrkameraden den Löscheinsatz begleiten und kann aus dem Effeff die einzelnen taktischen Einheiten aufzählen – vom Melder über den Angriffstrupp, dem Wassertrupp, dem Maschinisten bis hin zum Gruppenführer.

Im Anschluss müssen die jungen Retter einen simulierten Brand einer Mülltonne in einem Löscheinsatz bewältigen. Lena (12) und Anna (11) von der Drebkauer Wehr lassen sich als Wassertrupp einteilen und müssen den Schlauch an den Hydranten kuppeln. „Das machen wir heute zum ersten Mal. Wir lernen also auch was dazu“, meint Lena.

An der Station des Deutschen Rotren Kreuzes (DRK) Niederlausitz müssen die Jugendlichen Druckverbände anlegen, Reanimationen durchführen und eine bewusstlose Person in die stabile Seitenlage bringen. Jannek (12) von der Wehr aus Schwarze Pumpe meldet sich zur Reanimation. Er ist nicht zimperlich: „Lieber dem Verletzten eine Rippe brechen als gar nicht zu helfen“, meint er und wird in seinem Tun bestätigt.

Am Clara-See in Welzow müssen die jungen Retter auf das Schlauchboot übersetzen und Bojen aus dem kalten Wasser retten. „Diese Übung fiel mir besonders leicht, da ich sie schon einige Male üben konnte. Wasserrettung kann richtig Spaß machen und gehört zur Grundausbildung“, erzählt Marvin von der Spremberger Feuerwehr, der er schon seit etwa zwei Jahren angehört. Christina von der Spremberger Wehr, die seit sechseinhalb Jahren mit dabei ist, ist mit Eifer beim Orientierunglauf dabei: „Das ist immer eine gute Gelegenheit, unser Feuerwehrwissen zu festigen und vor allem das Team in sich zu stärken.“ Sie lobt die vielfältigen Aufgaben.

Am Ende konnte sich die Spremberger Jugendwehr den Wanderpokal dieses großen Orientierungslaufes sichern. „Das Niveau von allen Jugendfeuerwehren ist wirklich gut. Da können wir stolz sein auf den Nachwuchs. Wir als Ausbilder bekommen durch die Orientierungsläufe auch immer einen gewissen Überblick über den Stand des Wissens der Jugendlichen und können im Anschluss noch nachjustieren“, erklärt Sven Wochnik. Der nächste Orientierungslauf im April 2020, weiß er, wird in Spremberg ausgetragen.

Mehr Fotos vom Orientierungslauf in Welzow Finden Sie im Internet auf www.lr-online.de/bilder.