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| 17:55 Uhr

Spremberg
Die etwas andere Jugendfeier im Schloss-Saal

Die Jugendweihelinge der Wiesenwegschule zwischen Martina Münch (l.) und Jörg Paukstadt (r.).
Die Jugendweihelinge der Wiesenwegschule zwischen Martina Münch (l.) und Jörg Paukstadt (r.). FOTO: Anett Igel-Allzeit
Spremberg. Ministerin Martina Münch hält Festrede für Jugendliche der Spremberger Wiesenwegschule.

(ani) 110 Jugendliche haben in diesem Jahr ihre Jugendfeier im Spremberger Bergschlösschen erlebt. Aber das waren längst noch nicht alle, für die dieser neue Lebensabschnitt in Spremberg so feierlich eingeläutet wurde. Jörg Paukstadt, Geschäftsführer des Vereins Lebenshilfe Region Spremberg, hat gemeinsam mit dem Team der Förderschule im Wiesenweg  eine Jugendweihe 26. Mai für zehn Jugendliche vorbereitet. „Zum vierten Mal haben wir das organisiert, und zum ersten Mal haben wir den großen Festsaal im Schloss dafür gebraucht. Da unsere zehn Jugendlichen jeweils sieben Gästen mitbringen durften, haben wir uns im Saal auch gar nicht verloren gefühlt“, so Jörg Paukstadt.

Wie sie auf dem Schloss-Innenhof in die Kamera schmunzeln, hätten sie gut und gerne auch ins „Bergschlösschen“ gepasst. „Ich weiß, dass wir immer noch extra feiern, passt nicht so recht zum Integrationsgedanken. Aber die Eltern wünschen es so – und ich verstehe das auch“, sagt Jörg Paukstadt. Die Wiesenwegschule ist die Förderschule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“. Die Mädchen und Jungen – 64 sind es im diesem Schuljahr – brauchen mehr Unterstützung, um eine eigene Identität und eine stabile Persönlichkeit zu entwickeln. An so einem Tag der Jugendfeier kann alles gut gehen. Aber bei all der Aufregung kann es auch passieren, dass ein Jugendlicher plötzlich aufspringt, laut wird. „Wir als Lebenshilfe, die Eltern und das Schulteam können damit umgehen, das ist überhaupt nicht schlimm“, sagt Jörg Paukstadt. Aber bei einer großen Feierstunde mit Gästen, die sonst nie mit behinderten Menschen zu tun haben?

Schüler des Spremberger Erwin-Strittmatter-Gymnasiums um Musiklehrerin Anne Wern fanden die richtigen Töne. Neben dem Chor beeindruckte auch der junge Pianist. „Er spielte einfach weiter, als es plötzlich lauter wurde“, so Jörg Paukstadt. Martina Münch, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg, hielt die Jugendfeier-Rede im Schloss in Spremberg. „Ich versuche immer, Politiker auf Landesebene dafür zu gewinnen“, sagt Jörg Paukstadt. So waren Jürgen Maresch, der einstige Cottbuser Landtagsabgeordnete, Jürgen Dusel, der Beauftragte der Brandenburgischen Landesregierung für die Belange der Menschen mit Behinderungen, und Landtagsabgeordnete Diana Bader schon als Festredner in Spremberg. Nein, nicht jedes Jahr muss es die Jugendfeier geben, sagt der Lebenshilfe-Geschäftsführer. „Damit es genug Schüler sind, sammeln wir auch mal zwei Jahre.“

Die Handsträuße für alle zehn Jugendlichen hatte übrigens die Großmutter eines Jugendweihelings gebunden.