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| 17:44 Uhr

Johannes Kapelle: Bin ein ganz normaler Proschimer

Johannes Kapelle.
Johannes Kapelle. FOTO: Richter/trt1
Proschim. Er ist Lehrer, Informatiker, Landwirt, Politiker, Organist, Heimatkundler – ein „Hansdampf in allen Gassen“. Heute begeht Johannes Kapelle seinen 75. Torsten Richter/trt1

Geburtstag. Er sieht sich nicht als Kohlegegner, setzt sich aber konsequent gegen die Abbaggerung seines Heimatdorfes ein. Denn andernfalls wäre Kapelles geliebter Wald für immer verloren.

"In Bogotts Busch wachsen alle lausitztypischen Baumarten", erklärt er. Ahorne, Ulmen, Erlen, Kiefern, Birken und Eichen auf engem Raum. Ein "Liebespaar" erkennt Kapelle in einem Ahorn und einer Erle, die zusammengewachsen sind. Nur wenige Meter entfernt steht eine der größten Feldulmen der Region. Ein Stück weiter wächst der "höflichste Baum im Wald", wie Kapelle sagt. Diese Ulme bildet einen Bogen, "unter dem ich sogar mit meinem Trecker durchfahren kann".

In seiner Jugend träumte der in Berlin-Adlershof geborene Johannes Kapelle von einer Försterlaufbahn. Warum daraus nichts wurde? "Vielleicht habe ich dieses Ziel nicht mit dem nötigen Ehrgeiz verfolgt", so der 75-Jährige selbstkritisch. Er schlug eine Lehrerkarriere ein, studierte in Potsdam Mathematik und Physik. "Dinge zu durchdenken, die man eigentlich nicht glaubt", war dabei Kapelles Triebkraft.

Den musischen Ausgleich findet der Proschimer an den Kirchenorgeln. Mit 14 Jahren saß er das erste Mal an der Königin der Instrumente. "Ich habe es mir autodidaktisch beigebracht", erklärt er. Erst zu Pfingsten hätten Neupetershainer Gottesdienstbesucher ihn für sein Spiel gelobt.

Nach dem Studium war der Sohn eines Organisten und einer Hausfrau als Lehrer in Calau und später an der Cottbuser Fachschule für Landwirtschaft tätig. Die Liebe zur Landwirtschaft entfachte Kapelles Frau Marianne bei ihm. Sie brachte einen kompletten Bauernhof mit in die Beziehung. Dort lebt das Ehepaar noch heute. Drei Söhne haben sie großgezogen.

"Nebenbei" war Johannes Kapelle als Moderator der Landwirtschaftlichen Kooperation "Grenzeck", einem Zusammenschluss von Bauern aus Proschim, Bluno und Partwitz, aktiv. Durch eine clevere Verhandlungsführung gelang es den Landwirten Ende der 1960er-Jahre, als Ausgleich für die durch den Tagebau verschwundenen Stallungen von Groß Partwitz in Bluno einen nagelneuen Kuhstall zu errichten.

Der Tagebau lässt Johannes Kapelle nicht los. Mehrfach war Proschim von der Abbaggerung betroffen. "Doch jedes Mal hatte unser Ort Glück. Stattdessen fegte es die jeweiligen Regierungen von dannen", sagt Kapelle. So war es 1917/1918, 1943/1944 und 1989/1990. Jetzt ist Proschim erneut von der Kohle bedroht. "Mal sehen, was mit unserer Regierung passiert, wenn das Dorf zum vierten Mal gerettet wird", so Johannes Kapelle siegessicher.

Der stämmige Mann mit den Hosenträgerhosen und den blitzenden Augen würde für Proschim kämpfen, was immer es kosten möge. "Ich bin doch nur ein ganz normaler Proschimer. Das Dorf ist nun mal Heimat. Und die Heimat lässt man nicht im Stich."