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| 17:37 Uhr

Spremberg
Jobcenter setzt auf Papierfabrik

Spremberg . Rita Richter spricht mit Bildungsausschuss über Gruppendynamik und Mindestlohn.

Eine Flasche Sekt will Rita Richter ihren Mitarbeiter spendieren: Wenn es für die zweite Papiermaschine im Industriepark Schwarze Pumpe auch fünf Kunden des Eigenbetriebes Jobcenter Spree-Neiße in die Umschulung zum Papiertechnologen schaffen. Hamburger Rieger Containerboard hatte auch im Jobcenter eine Infoveranstaltung durchgeführt. Von den elf Anwärtern sollen es neun in die engere Wahl geschafft haben. „Die Förderung habe ich zugesagt. Einfach wird es nicht. Der Führerschein ist nötig, höhentauglich müssen sie sein. Haben sie bereits einen technischen Beruf gelernt, ist das ideal“, erläutert sie in Sprembergs Ausschuss für Bildung, Kultur, Sport und Soziales ein Beispiel, an dem das Jobcenter gerade intensiv arbeitet.

Im Jahr 2005 war Rita Richter von der Spremberger Stadtverwaltung zum Eigenbetriebe Jobcenter Spree-Neiße gewechselt und leitet seither den Spremberger Standort. Seit 2013 ist sie stellvertretende Werkleiterin. Dass das Jobcenter als kommunaler Träger ein Erfolgsmodell ist, begründet sie mit der wirtschaftlichen Entwicklung und der Arbeitslosenquote: Die Quote im Spree-Neiße-Kreis sank von 21 Prozent im Dezember 2004 auf 6,8 Prozent, im Mai 2018 auf 6,8 Prozent.

Vier Standorte hat das Jobcenter Spree-Neiße: Cottbus-Land, Forst, Guben und Spremberg. Gemeinsam betreuen sie noch 6465 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Von den 5233 Bedarfsgemeinschften leben 869 im Cottbuser Umland, 1254 im Raum Guben, 1316 im Raum Spremberg, wozu Welzow gehört, und 1794 am Standort Forst. Insgesamt sind das aber 724 Bedarfsgemeinschaften weniger als noch im Mai 2017. Das überrascht einige Mitglieder des Bildungsausschusses. Deutliche Rückgänge spüre das Jobcenter aber auch bei den Bleibeberechtigten, wie Rita Richter die Flüchlinge bewusst nennt: 613 betreut das Jobcenter Spree-Neiße, 210 davon in Spremberg. „Und es gab mit ihnen noch keinen unschönen Vorfall. Sie sind sehr höflich. Eine sprachliche Hilfskraft, die befristet eingestellt ist, hilft uns, mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, sagt Rita Richter. 27 der Bleibeberechtigten habe das  Jobcenter spree-neiße-weit auf den ersten Arbeitsmarkt bringen können, aber damit seien sie auch weg aus der Region.

Mit Unterstützung freiwilliger Träger versuche das Jobcenter, erwerbsfähige Leistungsbezieher fit zu machen. Bei Arbeitsgelegenheiten über drei bis zwölf Monate sollen sie stabilisiert werden, eine Tagesstruktur bekommen, Wertschätzung erfahren. „Das hilft unseren Kunden und, wie wir wissen, auch unseren Sportvereinen, dem Kreismuseum, denen es wiederum oft an Leuten fehlt“, erklärt Rita Richter.

Mobil sollen die erwerbsfähigen Leistungsempfänger werden. Fehlt der Führerschein, suche das Jobcenter Mittel und Möglichkeiten, dass er erworben werden kann. In kleinen Gruppen werden sie gecoacht. Sozialarbeiter sind dafür eingestellt, und die Gruppendynamik helfe. In freien Räumen der Arbeitsagentur sind zehn Plätze eingerichtet, an denen die Arbeitslosengeld-II-Empfänger selbst nach Jobs suchen und Bewerbungen schreiben können.

Fragen haben die Bildungsausschussmitglieder an Rita Richter. Zur Zusammenarbeit mit der Rentenversicherung, zur zunehmenden Zahl der offenen Stellen, zu den „Aufstockern“, die so wenig Einkommen haben, dass sie, ihre Familen davon nicht existieren können.

Die Zahl der „Aufstocker“ will Rita Richter nachreichen. Grundsätzlich versichert sie, dass das Jobcenter nicht mehr in schlecht bezahlte Jobs vermittelt. „Wir haben in solchen Fällen schon Strafverfolgung beantragt“, sagt sie. Mindestlohn werde vorausgesetzt.

Und vorzeitig in Rente werde nur geschickt, wenn die zu erwartende Rente höher ausfällt als die bezogene Leistung.