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| 11:45 Uhr

Kunst aus Spremberg
Stadt kauft Bilder von „Irmchen“ Kuhlee

 Irmgard Kuhlee bei einer ihrer letzten Ausstellungen in der Bloischdorfer Museumsscheune. Die Stadt Spremberg hat jetzt zwölf Werke der im Dezember 2018 verstorbenen Künstlerin gekauft.
Irmgard Kuhlee bei einer ihrer letzten Ausstellungen in der Bloischdorfer Museumsscheune. Die Stadt Spremberg hat jetzt zwölf Werke der im Dezember 2018 verstorbenen Künstlerin gekauft. FOTO: Martina Arlt
Spremberg. Letztes Jahr ist die Spremberger Malerin Irmgard Kuhlee verstorben. Jetzt hat die Stadt einige ihrer Kunstwerke gekauft. Die Bilder sollen schon bald der Öffentlichkeit gezeigt werden. Von Annett Igel-Allzeit

Die Spremberger Malerin und Volkskünstlerin Irmgard Kuhlee wird vermisst. Zum Beispiel am Karfreitag beim großen Ostereiermarkt im Schloss. Noch hochbetagt hatte sie sich zu den Ostereierkünstlern der Region gesetzt und vor den Augen der Besucher Eier nach sorbischem Brauch verziert. Zuletzt brauchte sie Hilfe, um mit dem schweren Korb vom Parkplatz in den Festsaal des Schlosses zu kommen.

Zum diesjährigen Ostereiermarkt kommt sie nicht mehr. Am 9. Dezember 2018 war die Künstlerin vom Groß Buckower See im Alter von  91 Jahren in Laubusch verstorben.

Stadt Spremberg kauft Bilder von Irmgard Kuhlee

 Damit sie in Erinnerung bleibt, hat sich die Stadt Spremberg jetzt entschlossen, zwölf Werke zu kaufen. Die Familie von Irmgard Kuhlee selbst war auf die Stadt zugegangen und hatte ihr die Möglichkeit eingeräumt, einige Werke zu erwerben.

Einen Querschnitt ihres Werkes sowohl aus unterschiedlichen Zeitepochen als auch zu ihrer Arbeitsweise mit verschiedenen Techniken will die Stadt für künftige Generationen bewahren und erhalten.

Gemeinsam mit Eckbert Kwast, Leiter des Niederlausitzer Heidemuseums in Trägerschaft des Landkreises Spree-Neiße, wurden Werke aus mindestens vier Jahrzehnten ausgewählt. Doch ganz genau ist der Zeitraum nicht zu fassen. Denn nicht alle Werke sind datiert.

Irmgard Kuhlee hat Spremberg für die Nachwelt festgehalten

„Stube Irmchen“, eine farbige Tuschzeichnung, und auch der Druck „Turmbläser“ haben keine Jahreszahl. Und die mit Tusche gemalte „Mühle“ und die Kreidezeichnung „Kirchturm“ sind ganz unsigniert.

„Irmchen – wie sie von vielen liebevoll genannt wurde – hat mit ihrer künstlerischen Handschrift in mehreren hundert Malereien und Zeichnungen die Menschen, Landschaften und Dörfer in und um Spremberg für die Nachwelt festgehalten. Das sind Erinnerungen, die mit ihren Werken bleiben“, so die Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos).

Auch Eckbert Kwast findet den Kauf sehr wichtig. „Sie hat ja nicht einfach nur die Stadt und die Dörfer gemalt, sondern sie hat unsere Region bekannt gemacht – mit ihren Bildern und wie sie war“, sagt Eckbert Kwast.

Bilder von Irmgard Kuhlee im Niederlausitzer Heidemuseum

Wie er bestätigt, hat das Niederlausitzer Heidemuseum bereits eine Reihe von Werken der Malerin. „Und die liegen nicht nur im Fundus, sondern bereichern auch unsere ständige Ausstellung. Im Flur gegenüber dem Festsaal sind sie zum Beispiel zu sehen“, so der Museumsleiter.

Großartig finde er zum Beispiel das Gemälde vom Tagebau bei Nacht. „Das sind Tagebauszenen, die einfach einmalig sind und es deshalb wirklich wert sind, bewahrt zu werden.“ Hinzukommen die Gebäude, die Bäume, ja ganze Landschaften längst abgebaggerter Dörfer.

An die „Alte Schloßstraße“ erinnert eine Lithographie von 1989. Der Druck einer alten Öl- und Getreidemühle stammt aus dem Jahr 1984. „Mutter Birnbaum“ hat sie 2004 gezeichnet – sie hatte eine Herz für die Spremberger Originale. Das Schloss verewigte sie noch einmal 2003.

Die „Bröthener Weberinnen“ hielt sie 1998 mit Pastell-Kreide fest, und die „Mähdrescherfahrerin“ in einer Zeichnung von 1986. „Tagebau vor meiner Tür“ heißt eine Kreidezeichnung von 2012. Und eine Lithographie von 1989 gestattet den Einblick, wie sie den „Neubeginn nach dem Tagebau“ gesehen hat.

Irmgard Kuhlees Bilder im Spremberger Rathaus

Während im Heidemuseum vor allem große Ölbilder von Irmgard Kuhlee hängen, gehören zu den Ankäufen der Stadt viele kleinere Arbeiten.

Vorab war ein Kaufpreis von 950 Euro für alle zwölf Werke vereinbart worden. In dieser Preisklasse war der Ankauf ein Geschäft der laufenden Verwaltung, aber die Bürgermeisterin fand es wichtig, dass der Hauptausschuss darüber informiert wird. Die Ausschussmitglieder begrüßten in ihrer jüngsten Sitzung durchweg den Ankauf.

Zunächst sollen die Bilder im Mai und Juni im Foyer des Spremberger Rathauses in einer Ausstellung gezeigt werden. Danach werden sie zur Lagerung dem Niederlausitzer Heidemuseum als Leihgaben übergeben.

Eckbert Kwast: „Anders als im Rathaus können wir die Bilder hier bei der richtigen Temperatur und Luftfeuchtigkeit fachgerecht lagern, so dass sie nicht beschädigt werden. Auch dunkel muss es sein.“