Nach mehrmonatigen Verhandlungen haben die drei evangelischen Kirchenkreise Senftenberg-Spremberg, Niederlausitz und Cottbus eine neue Verwaltungsstruktur beschlossen. Der Kreis Senftenberg-Spremberg wird zum Jahreswechsel aufgeteilt – so werden aus drei Kirchenkreisen zwei. Die Verhandlungen für den sich auflösenden Kirchenkreis führte der Welzower Pfarrer  Hans-Christoph Schütt.

Warum wurde es notwendig, Ihren Kirchenkreis zu fusionieren?

Schütt Unsere Kirchenleitung hat uns Ende 2017 nahegelegt, über die Kreisgrößen hier in Südbrandenburg nachzudenken. Hintergrund ist die geringe Gemeindegliederzahl von knapp 10 000 Menschen in unserem Kirchenkreis. Außerdem steht das Dienstzeit-Ende der drei Superintendenten bevor, die die Kreise leiten.

Wie sind Sie bei den Überlegungen für eine neue Struktur vorgegangen?

Schütt Ziel in den Verhandlungen mit den Nachbarkreisen war es, dass wir zwei etwa gleich große Kreise schaffen – sowohl flächenmäßig als auch von der Mitgliederzahl. Das haben wir auch erreicht. Der Kirchenkreis Niederlausitz wird dann rund 33 000 Mitglieder haben – erweitert durch unsere Senftenberger Region. Der Kirchenkreis Cottbus mit dem neuen Spremberger Bereich umfasst 31 000 Menschen. Wir streben an, die neuen Kirchenkreise mindestens 15 Jahre beizubehalten, sodass man damit sicher arbeiten kann.

Wie geht es Ihnen damit, ihren Kirchenkreis abzuwickeln?

Schütt Ich empfinde das nicht als ein Abwickeln. Die Entscheidung zu der Reform wurde demokratisch und mit großen Mehrheiten getroffen. Ich persönlich sehe vor allem Chancen, sonst hätte ich diesen Weg nicht vertreten. Es ist gelungen, mit vielen Menschen die vernünftigste Lösung zu finden. Die Verhandlungen mit den anderen Kirchenkreisen wurden auf Augenhöhe geführt.

Welche Vorteile hat die Fusion?

Schütt Ich sehe einen großen Vorteil darin, dass wir mehr Kollegen sind, die sich gegenseitig vertreten und austauschen können. Zum Beispiel im Raum Spremberg: Dort gibt es sechs Pfarrstellen. Davon sind im Moment vier besetzt. Lassen Sie mal einen Kollegen krank werden und ein anderer ist im Urlaub. Da gäbe es noch zwei Pfarrer. Das funktioniert nicht. Außerdem können wir künftig bereits vorhandene Stellen für die Öffentlichkeitsarbeit oder den Baubeauftragten mitnutzen. Und da wir uns mit der Reform der Landkreisgrenzen annehmen, hat der Landrat auch bald nur einen Superintendenten als Ansprechpartner.

Was ändert sich für die Menschen in den Gemeinden?

Schütt Für die Arbeit vor Ort ändert sich wenig. Mir hat mal ein Kirchenältester gesagt, es sei ihm egal, wo der Superintendent sitze, solange die Gemeinde selbständig bleibe. Das halte ich für eine sehr pragmatische Sichtweise. Aus finanzieller Sicht hat die Fusion zur Folge, dass wir künftig etwas mehr Geld für Baukosten zugewiesen bekommen - aber weniger Sachkosten für Strom, Heizung und Wasser erhalten. Aus Rücklagen werden wir die Folgen für die Gemeinden etwas abfedern können.

Für die Engagierten in den Kirchenräten oder Ausschüssen wird es künftig weitere Wege geben. Schreckt das nicht ab, ein Ehrenamt zu übernehmen?

Schütt Ich habe immer argumentiert, dass es um Erfahrbarkeit im doppelten Sinne des Wortes geht. Der Kreis muss also einerseits greifbar, andererseits auch per Auto befahrbar sein. Der Vorteil für die Klettwitzer oder Senftenberger ist, dass sie in fünf bis zehn Minuten auf der Autobahn sind. Dadurch erreichen sie in einer halben Stunde auch Luckau oder Lübben. Solche Fahrzeiten gibt es mitunter auch jetzt schon in den alten Strukturen.

Werden mit der Neuordnung Stellen gestrichen?

Schütt Es ist uns sehr wichtig gewesen, dass alle Stellen erhalten werden und diese auch bis zum Renteneintritt finanziert werden können. Es geht eben nicht um Einsparung. Das einzige, was man in Zukunft „einspart“, ist der Aufschlag, den der jetzige Superintendent aufs Pfarrgehalt bekommt.

Wie sieht es mit Kirchengebäuden aus? Können die in Zukunft alle gehalten werden?

Schütt Diese Frage hat mit der Kirchenkreisreform nichts zu tun. Entscheidend ist hier, welche Wünsche und Ideen die Kirchenältesten vor Ort haben. In Greifenhain zum Beispiel wird die Kirche nicht nur für den Gottesdienst genutzt. Hier finden auch Kunstausstellungen, die Hubertusmesse oder Einwohnerversammlungen statt. Das füllt die Kirche regelmäßig. Dadurch wird sie von einer Gottesdienst- zu einer Bürgerkirche. Wichtig ist mir, dass der Raum genutzt wird und dass es natürlich Dinge sind, die dem Ansinnen eines Gotteshauses nicht entgegenstehen. Momentan stehen aber keine Kirchen zur Disposition.

Warum funktioniert bei Ihnen die Fusion von Kirchenkreisen geräuschlos, während die Kreisgebietsreform in Brandenburg an großen Vorbehalten gescheitert ist?

Schütt Die Kirchenleitung hat uns machen lassen. Die Leute vor Ort haben die Fusion erarbeitet – nicht von oben herab. Nach vielen Diskussionen auf Augenhöhe wurde mit großen Mehrheiten eine demokratische Entscheidung getroffen. Der einzige Nachteil war, dass unser alter Kirchenkreis an der Landkreisgrenze aufgespalten werden muss.

Genau an dieser Stelle ging vor gut 20 Jahren der Kirchenkreis Senftenberg-Spremberg zusammen. War das Zusammenwachsen in den vergangenen Jahren umsonst?

Schütt Nein, denn diese Struktur hat uns 20 Jahre lang geholfen, gut miteinander zu arbeiten. Die Verbindungen können ja auch ohne gemeinsamen Kirchenkreis erhalten bleiben. Deshalb bin ich auch sehr froh über die große Zustimmung zu der Reform.

Welche Aufgaben warten noch bis zur Fusion am Jahresende auf Sie?

Schütt Wir müssen zusammenwachsen, damit man sich als ein Kirchenkreis empfindet. Das dauert erfahrungsgemäß eine Weile, aber es wird funktionieren. Im Herbst wird es ein letztes Zusammentreffen der Kirchenkreisleitung geben. Da werden wir sicher alle ein bisschen traurig sein, immerhin haben wir 21 Jahre miteinander verbracht. An diesem Punkt merkt man, dass ein Kirchenkreis mehr ist, als eine Verwaltungsstruktur. Wenn’s gut ist, wird es auch was Geistliches und hält Menschen zusammen. Ich bin guter Hoffnung, dass das in der neuen Struktur auch gelingt.

Mit Hans-Christoph Schütt sprach Daniel Friedrich