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Internet-Denkmal für die Bunker-Funker aus Kolkwitz

Kolkwitz.. Einem geheimnisumwitterten Ort in Kolkwitz hat jetzt ein Elektromeister aus der Nähe von Halle ein Denkmal gesetzt. Auf seiner Internetseite beschreibt Uwe Hödtke, 52 Jahre alt, was zu DDR-Zeiten in der mysteriösen Funkkompanie vor sich ging. „Bis zur Wende mussten wir darüber schweigen. Selbst die Stasi durfte sich nicht ungehindert auf dem Gelände umschauen.“ Von René Wappler

Die DDR-Führung liebte das Versteckspiel. Von der Bunkeranlage am heutigen Technologiepark wussten die meisten Kolkwitzer nichts, und die Soldaten blieben nach ihrer Dienstzeit dem Stillschweigen verpflichtet. Von Mai des Jahres 1979 bis Oktober 1989 arbeitete Uwe Hödtke aus Weißenfels in der Funkkompanie. Unter der Erde überwachten die Soldaten den Luftraum in der Bundesrepublik, Polen und der Tschechoslowakei.
Nun dachte sich Uwe Hödtke: Dieses Thema könnte auch ein größeres Publikum interessieren. Also stellte er eine Internet-Adresse ins Netz, die sich der Funkkompanie in allen erdenklichen Details widmet - und den Eindruck hinterlässt, auch an diesen geheimnisvollen Orten hätten die Soldaten unter der Banalität des Militäralltags gelitten. So schreibt Hödtke über die Vergatterung, das Manöver, bei dem die Soldaten jeden Morgen unter freiem Himmel antraten: „Für die musikalische Umrahmung dieser Aktion sorgte ein Außenlautsprecher in Metallausführung, der so klang wie er aussah - metallisch.“ An das Leben auf den Zimmern erinnert sich der Elektromeister: „Wirkliche Ruhe kehrte niemals ein, und war man schließlich eingeschlafen, wurde auf dem Flur lautstark der nächste Punkt des Dienstplanes verkündet.“
Für seine Internet-Adresse sammelte der Weißenfelser Material zu technischen Details, zu den Funksendeanlagen der Nationalen Volksarmee (NVA), zu den Diensten im Bunker. Allerdings versichert Hödtke, er sei kein Militärfanatiker - vielmehr das Gegenteil. „Mir geht es darum zu zeigen, wo man einen Teil seiner Jugend verbracht hat. Außerdem kam ich nach der Wende endlich mal an ein paar Quellen heran: Dieses Material erschien mir interessant genug, um es nicht einfach unter den Tisch fallen zu lassen.“ Bei aller damaligen Geheimniskrämerei blickt er heute ohne Groll auf seine Zeit in Kolkwitz zurück. „Die Offiziere hatten doch kaum Zeit für uns, insofern war der Dienst ziemlich ruhig.“ Dafür nahm Hödtke nach 1989 Kontakt zu einigen Mitglieder des Vereins der Kolkwitzer Bunkerfreunde auf, unter ihnen auch ehemalige Offiziere, um gemeinsam mit ihnen Material über die Bunkeranlage zu sammeln. Denn jetzt haben manche von ihnen wohl mehr Zeit als damals.