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| 14:23 Uhr

Immobilienmarkt in Spremberg
Interesse an Wohneigentum steigt

Integra-Mitarbeiter Steffen Troska sagt: „Vor allem junge Familien interessieren sich für Wohneigentum.“
Integra-Mitarbeiter Steffen Troska sagt: „Vor allem junge Familien interessieren sich für Wohneigentum.“ FOTO: LR / René Wappler
Spremberg. Wachsende Nachfrage wird Mietmodell aber nicht verdrängen, auch aus historischen Gründen.

Mit dem Argument günstigen Wohneigentums werben Unternehmer und Politiker in Spremberg derzeit um mögliche Rückkehrer und neue Einwohner. Tatsächlich berichten Fachleute aus der Branche, dass die Nachfrage steigt. Doch das Wohneigentum wird auf lange Sicht nicht das Mietmodell verdrängen. Dafür gibt es auch historische Gründe.

Derzeit interessieren sich vor allem junge Familien für den Kauf einer Wohnung oder eines Hauses. Das berichtet Steffen Troska, der sich bei der Spremberger Firma Integra um den Immobilienmarkt kümmert. „Das Geld dafür scheint da zu sein“, sagt er. „In den vergangenen zehn Jahren hat deshalb die Bauaktivität in Spremberg stark zugenommen.“ Gerade Einfamilienhäuser seien in der Stadt schnell verkauft. „Dazu trägt sicher bei, dass sich der Erwerb momentan zu günstigen Konditionen finanzieren lässt“, erläutert Steffen Troska.

Von einer „enormen Nachfrage“ spricht auch der Bauunternehmer Erik Weber, der in der Bergstraße den Neubau von Häusern plant. Bei einer Konferenz des Bauausschusses im Frühjahr sagte er: „Wer viel Geld für eine Wohnung ausgibt, will natürlich im Grünen leben.“ Deshalb sei es Eigentümern heutzutage wichtig, in einer Anlage zu leben, die mindestens an einen Park erinnert.

Trotzdem scheint die Zahl der Mieter stabil zu bleiben. Seit vielen Jahren verzeichnet der Mieterbund in Spremberg ungefähr 900 Mitglieder, bei einem Durchschnittsalter von 50 Jahren. Die Vorsitzende Birgit Teuber erklärt: „Wir erleben eher in Einzelfällen, dass sich Leute für Wohneigentum entscheiden.“ So wird dem Mieterbund auch in Zukunft kaum die Arbeit ausgehen. Drei bis vier Fälle bearbeitet jeder Mitarbeiter pro Tag, wie die Vorsitzende einschätzt. Meistens geht es dabei um die Betriebskosten, um Wohnungsmängel und offene Fragen bei der Übergabe. Zugleich wächst der Anteil von Nachbarschaftskonflikten, die sich weder bei Mietern noch bei Eigentümern ganz vermeiden lassen.

Die letzte große Studie zum Wohnungsmarkt in der Region stammt aus dem Jahr 2011. Damals trug das statistische Bundesamt die Daten für seinen Zensus zusammen. Auch wenn sich die Branche seitdem gewandelt hat, bleiben einige Faktoren bis heute relevant. Die durchschnittliche Wohnfläche im Spree-Neiße-Kreis betrug 84,3 Quadratmeter. Zum Vergleich: Besonders geräumig waren zu diesem Zeitpunkt die Wohnungen im bundesdeutschen Spitzenreiter Cloppenburg mit 128,8 Quadratmetern Durchschnittsfläche. An letzter Stelle lag wiederum Rostock mit 64,3 Quadratmetern. Der Zensus erläutert dazu: „Die Wohnungen in den neuen Bundesländern sind deutlich kleiner und liegen in fast allen Kreisen im Schnitt unter 90 Quadratmetern.“ Auch Spremberg bildet da keine Ausnahme, wie Integra-Mitarbeiter Steffen Troska feststellt: So reicht die Wohnfläche in der Stadt nach seinen Worten allgemein von 50 bis 80 Quadratmeter.

Nicht nur die Wohnfläche ist knapper bemessen, sondern auch das Vermögen der Ostdeutschen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Berlin-Instituts unter dem Titel „So geht Einheit“. Im Westen beträgt das angehäufte Vermögen demnach im Schnitt pro Kopf 153 200 Euro, im Osten nicht einmal die Hälfte davon. So gehören in Ostdeutschland Personen mit einem Nettovermögen von mindestens 110 000 Euro bereits zu den zehn reichsten Prozent der Erwachsenen, während im Westen dafür knapp 240 000 Euro nötig sind.

Als einen wichtigen Grund für dieses Ungleichgewicht nennen die Autoren die „schlechtere Startposition“: „Im Arbeiter- und Bauernstaat DDR war das Lohnniveau niedrig, und selbst wer ein wenig Geld angehäuft hatte, konnte dieses nur sehr begrenzt in Betriebsvermögen investieren oder davon Aktien beziehungsweise Immobilien kaufen.“

Auch deshalb wird die Zahl der Mitglieder im Spremberger Mieterbund wohl so schnell nicht sinken. Den meisten Menschen fehlt laut der Studie des Instituts schlichtweg das Geld, um sich ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen.