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Institut wirbt um Ärzte für Spremberg

Ein Generationswechsel bei Ärzten um Senftenberg steht an.
Ein Generationswechsel bei Ärzten um Senftenberg steht an. FOTO: Foto: Fotolia.de
Spremberg.. Mediziner für die Spremberger Region zu gewinnen – das betrachten Fachleute als mächtige Herausforderung. Die Mitarbeiter des Rathauses und die Chefin des Krankenhauses setzen dabei auf die Hilfe eines Cottbuser Instituts. Von René Wappler

Fünf Ärztinnen konnte das Institut bereits in einer Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin an das Spremberger Krankenhaus vermitteln. Das teilt Geschäftsführerin Kathrin Möbius mit. "Drei der Ärztinnen sind mit ihren Familien nach Spremberg gezogen." Nach Abschluss der Ausbildung, die fünf bis sechs Jahre dauert, wolle das Krankenhaus ihnen eine berufliche Perspektive im Anstellungsverhältnis vermitteln - oder mit einer freien Niederlassung. Deshalb bewertet Geschäftsführerin Kathrin Möbius die Arbeit des Cottbuser Partners als "sehr positiv und alternativlos". Auf anderen Wegen ließen sich leider keine Nachfolger für Arztpraxen finden. So empfiehlt sie, dass die Krankenhausgesellschaft und die Stadt Spremberg auch in Zukunft gemeinsam 7500 Euro im Jahr in die Kooperation investieren.

Der Cottbuser Partner trägt einen recht komplizierten Namen: "Institut für Interdisziplinäre Medizinerweiter- und -fortbildung und klinische Versorgungsforschung". Die Chefin des Instituts, Anja Kiene, erläutert: "Wir begleiten junge Menschen in der fachärztlichen Weiterbildung - zu denen auch die fünf Fachleute in Spremberg zählen." Die Mitarbeiter des Instituts wollen nach eigenen Angaben dem drohenden Fachärztemangel entgegenwirken. Dabei kooperieren sie mit den kommunalen Krankenhäusern, mit der Landesärztekammer, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Stadt Cottbus und der Brandenburgischen Technischen Universität. Das Institut hat einen jährlichen Finanzierungsbedarf in Höhe von 140 000 Euro für Personal und Sachkosten. Dies geht aus den Unterlagen des Spremberger Rathauses hervor.

In einer Anfrage an die Potsdamer Landesregierung verweist der Spremberger Landtagsabgeordnete Raik Nowka auf das grundsätzliche Problem: "Brandenburg ist das Bundesland mit der geringsten Arztdichte", erklärt er. "Bundesweit versorgt im Durchschnitt ein Arzt 666 Einwohner, in Brandenburg müssen sich 744 Menschen einen Arzt teilen." Raik Nowka glaubt, dass ausländische Fachkräfte gegen diese Tendenz helfen könnten.

Allerdings sind dafür laut Landesregierung sorgfältige Prüfverfahren nötig. So müsse die Gewähr gegeben sein, dass tatsächlich eine ärztliche Ausbildung erworben wurde, adäquat der deutschen, sowie dass die Betreffenden geeignet sind, den Arztberuf auszuüben. Daneben seien "hinreichende Kenntnisse der deutschen Sprache unentbehrlich", heißt es in der Antwort an den Landtagsabgeordneten. Es gelte, fehlerhafte Diagnosen und Behandlungen auszuschließen, die eventuell auf sprachlichen Missverständnissen beruhen.

Spremberg gehört nach Angaben des Brandenburgischen Gesundheitsministeriums ohnehin schon zu den Regionen des Landes Brandenburg, die sich von einem Mangel an Hausärzten bedroht sehen - neben Orten wie Forst, Guben, Lübbenau, Lauchhammer und Senftenberg. Auch den öffentlichen Gesundheitsdienst plagt ein Personalproblem. Mediziner, die sich für die Arbeit in einem Gesundheitsamt entscheiden, müssen gegenüber ihren Kollegen in einem Krankenhaus Gehaltseinbußen um die 1000 Euro hinnehmen: Dies berichtet Dr. med. Ute Teichert von der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf. Vor allem bei Kinderärzten, Psychiatern und Hygienefachkräften ist die Lage prekär: Im Süden Brandenburgs können ausgeschriebene Stellen selbst nach Monaten oder gar Jahren oft nicht nachbesetzt werden, wie der Diplommediziner Steffen Hampel vom Verband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes der Länder Brandenburg und Berlin berichtet.

Im ambulanten Bereich steigt die Nachfrage der Patienten in Deutschland bis zum Jahr 2030 schneller als das Angebot: Darauf deutet eine Prognose der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hin. Bei Hausärzten stelle sich der Trend besonders dramatisch dar, er treffe jedoch auch auf Urologen, Nervenärzte und Hautärzte zu. Ausgerechnet "das Rückgrat der fachärztlichen Versorgung" rangiere am unteren Ende der Einkommensskala.