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| 17:18 Uhr

Krebsinformationstag in Spremberg
Ein Tag, der auch Angst nahm

 Die Cottbuserin Susanne Menzel ließ sich mehr als 50 Zentimeter Haar  von der Friseurmeisterin Anke Pöser abschneiden, um es für die  Produktion einer Echthaarperücke zu spenden.
Die Cottbuserin Susanne Menzel ließ sich mehr als 50 Zentimeter Haar  von der Friseurmeisterin Anke Pöser abschneiden, um es für die  Produktion einer Echthaarperücke zu spenden. FOTO: Anja Guhlan
Zum ersten Mal hat es in Spremberg einen Krebsinformationstag gegeben, an dem aufgeklärt wurde. Von Anja Guhlan

Das Thema Krebs ist für viele Menschen noch immer ein Tabu, dabei ist fast jeder schon einmal mit der Krankheit in Berührung gekommen. Für mehr Offenheit haben am Freitag zum ersten Krebsinformationstag die Organisatoren – der Verein „Herzenswünsche Oberlausitz“, die Stadt Spremberg und das Krankenhaus Spremberg – im Mehrgenerationshaus „Bergschlösschen“ geworben.

„Krebs wird häufig erst zum Thema, wenn man selbst betroffen ist oder es eine Erkrankung direkt in der Familie gibt und dann ist es natürlich ein  Schock“, sagt Veranstalter Silko Hoffmann vom Verein „Herzenswünsche“ aus Weißwasser. „Wir wollen aufklären, informieren und Ängste nehmen“, fügt er hinzu. Die Veranstaltung richtet sich deshalb nicht nur an Betroffene und Angehörige sondern auch an die breite Öffentlichkeit.

 Zahlreiche Vorträge und eine Talkrunde mit Betroffenen rundeten den ersten Krebsinformationstag ab. 
Zahlreiche Vorträge und eine Talkrunde mit Betroffenen rundeten den ersten Krebsinformationstag ab.  FOTO: Anja Guhlan

So beginnt der Tag mit allerhand Vorträgen: So berichtet die Kinderärztin Barbora Novotna vom Uniklinikum aus Dresden über die Erkrankung Neurofibromatose. Es handelt sich um eine Tumorerkrankung der Haut oder inneren Organe. Oft wird gedacht, dass sei eine reltiv seltene Krankheit. „Neurofibromatose kommt mit einer Inzidenz von 1:3000 bei Geburt vor. Im Vergleich: Bei der in der Öffentlichkeit mehr bekannten Trisomie 21 gibt es eine Inzidenz von 1:600 bei der Geburt“, gibt die Ärztin zu bedenken.

Die Ärztin Dr. Sabine Manka klärt im Anschluss über Brustkrebs und andere gynäkologischen Krebserkrankungen wie Gebärmutterhalskrebs oder Eierstockkrebs auf. Sie hebt vor allem die Heilungsrate bei Brustkrebs hervor: „Bei 85 bis 88 Prozent der Betroffenen kann Brustkrebs geheilt werden. Davon kann zudem bei 80 Prozent die Brust inzwischen erhalten werden“, fasst Manka zusammen. Der Internist Gunter Voskamp klärt über Darmkrebs, eine sehr häufige Krebserkrankung, auf.  „Darmkrebs entwickelt sich über  viele Vorstufen. Vom einstigen Polyp bis zum ernstzunehmenden Karzinom braucht es manchmal zehn Jahre“, erklärt er. Ein großes Zeitfenster für eine frühzeitige Erkennung. „Je früher Krebs erkannt wird, desto besser die Heilungschancen“, da sind sich alle Ärzte einig, die in ihren Vorträgen  verständlich über Symptome, Diagnostik und Behandlung aufklären.

Neben den akuten Erkrankungen steht auch das Leben mit der Krankheit im Fokus. So stellt sich auch die Selbsthilfegruppe „Frauen nach Krebs“ vor. Carola Metag, die die Gruppe schon seit Jahren leitet, beschäftigt sich mit Betroffenen mit der Krankheitsbewältigung, sich zum Beispiel Ängsten zu stellen und Strategien zu finden, mit der Erkrankung zu leben.

Auch zwei Betroffene selbst kamen in einer Talkrunde zu Wort. So berichten sie über den einstigen Schock und einige Hürden, aber ihr Tenor an die Besucher ist gewesen: „Nie aufgeben. Immer optimistisch bleiben.  Auch die sozialen Kontakte aufrechterhalten und kämpfen, sonst hat irgendwann die Krankheit gesiegt.“

Die Veranstalter nutzten den Tag auch,  um Typisierungen durchzuführen und veranstalteten eine Haarspendenaktion für Echthaarperücken. Während sich mehr als 20 Besucher typisieren lassen haben, konnte der Friseursalon Haarfeeling von Anke Pöser vier Spender gewinnen. So auch Susanne Menzel aus Cottbus. Die Frau ließ sich etwas mehr als 50 Zentimeter Haar abschneiden, um es zu spenden. „Es fiel schon etwas schwer. Ich habe vier Jahre gebraucht, um es wachsen zu lassen. Nun kommt es einem gutem Zweck zugute“, freut sie sich. Auch der neunjährige Max Schilling aus Schönheide und die sechsjährige Pia Wartenberg aus Spremberg spenden jeweils etwa 25 Zentimeter langes Haar. „Ich fand es absolut nicht schlimm, möchte ja anderen Kindern helfen“, sagte Max und auch Pia meint: „Damit ich anderen Kindern helfen kann.“

Über die Resonanz der beiden Aktionen war Silko Hoffmann mehr als zufrieden. Die Besucherzahl zum Krebsinformationstag hielt sich allerdings in Grenzen. Mit einer schwankenden Besucherzahl zwischen 20 und 50 Gästen wurde der Tag von der Öffentlichkeit eher verhalten angenommen. „Wir können dennoch zufrieden sein. Wichtiger als die Anzahl ist uns, dass niemand mit offenen Fragen nach Hause geht“, zieht Silko Hoffmann das Fazit. Insgesamt konnte der Verein auch 600 Euro an Spenden an diesem Tag sammeln, die für Herzenswünsche von Kindern zugute kommen. Viele der Besucher lauschten noch den anschließenden musikalischen Benefiz-Konzerten mit „Two Pieces“, Benjamin Sweetmilk und Vivien.

Im nächsten Jahr soll es erneut einen Informationstag geben, dann allerdings mit einem anderen Krankheitsbild. In jedem Fall sollen die Informationstage sich einer Krankheit widmen, die wirklich jeden treffen kann, hieß es vonseiten der Veranstalter.