ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:24 Uhr

Rechte und Pflichten an den Seen der Spremberger Region
Im Zweifel gilt: Baden erlaubt

Idylle von oben: Der Felixsee.
Idylle von oben: Der Felixsee. FOTO: Margit Jahn
Spremberg. Was Behörden zum Aufenthalt an öffentlichen und weniger öffentlichen Gewässern sagen. Von Rene Wappler

Fast an jedem Sommertag besucht Dietrich Pick aus Spremberg ein Badegewässer. Mal schwimmt er im Felixsee, dann wieder im Gräbendorfer See, und oft begleitet ihn seine Enkeltochter. Das Freibad am Kochsagrund kommt für ihn ebenso wie die Spremberger Schwimmhalle nicht in Frage: „Leider vertrage ich kein chlorhaltiges Wasser.“ Als Naturfreund fragt er sich allerdings, woran Badegäste überhaupt eine öffentliche Badestelle erkennen – und was das Gesetz dazu vorschreibt.

Dazu erläutert Silvia Friese von der Pressestelle des Spree-Neiße-Kreises. „Grundsätzlich dienen solchen Gewässer dem Gemeingebrauch.“ Das bedeutet: Jeder Besucher darf in den Seen baden, wie es auch der Paragraf 25 des Wasserhaushaltsgesetzes festlegt. Zwar gibt es wie so oft im Leben Ausnahmen, zum Beispiel, wenn am jeweiligen Ort Trinkwasser entnommen wird. Doch für den Felixsee und den Gräbendorfer See kommen diese Sonderregeln nicht in Betracht.

Selbst der Eigentümer eines Gewässers, das dem Gemeingebrauch unterliegt, darf nicht einfach ein Badeverbot aussprechen. Das berichtete die Brandenburgische Landesregierung im August 2017 nach einer Anfrage des Abgeordneten Peter Vida von den Freien Wählern. Vielmehr müsse der Eigentümer dulden, dass gebadet wird, auch wenn ihn darüber hinaus keine weiteren Pflichten treffen.

Dabei zählen im Spree-Neiße-Kreis nur zwei Gewässer zu den offiziellen Badeseen, wie sie die Richtlinie der Europäischen Union beschreibt. Deren Vorgaben erfüllen der Deulowitzer See in der Gemeinde Schenkendöbern und der Großsee im Amt Peitz. Doch auch die anderen zwölf Badestellen werden monatlich auf ihre Wasserqualität überprüft, wie der Fachbereich für Gesundheit beim Landkreis mitteilt. Sachgebietsleiterin Christa Lohan sagt: „Derzeit bestehen in keinem dieser Seen Beanstandungen.“

Darüber hinaus gibt es weitere Gewässer, die nicht in offiziellen Verzeichnissen vorkommen. Im Jahr 2013 sprach sich der Ortsbeirat von Graustein dafür aus, einen Teich am Ausbau Nord untersuchen zu lassen, den Badegäste regelmäßig nutzten. Ortsvorsteher David Lamm sagt: „Bis heute ist dieser Teich bei den Leuten beliebt.“ Ein Schild weist lediglich darauf hin, dass das Angeln verboten ist.

Neben den grundsätzlichen Vorschriften beschäftigt den eifrigen Schwimmer Dietrich Pick aus Spremberg der Aspekt der Sauberkeit. „Ich ärgere mich beim Baden in unserer Gegend ständig über den Hundekot, der überall herumliegt“, sagt er. „Ohnehin frage ich mich, ob die Tiere ins Wasser dürfen.“

Auch den Spremberger Stausee besuchen viele Badegäste mit ihren Hunden. Das Gewässer gehört zum Gebiet der Gemeinde Neuhausen. Mitarbeiter Karsten Magister erläutert: „Insofern Schilder nichts anderes besagen, dürfen sich die Gäste mit ihren Hunden am Gewässer aufhalten.“ Schließlich sei der Stausee touristisch erschlossen. Allerdings besteht für Hunde genereller Leinenzwang im Land Brandenburg, also auch an den Badeseen. Darauf weist Dr. Annett Stange vom Tierheim am Schäferberg hin.

Die Hinterlassenschaften von Hunden ärgern nicht nur viele Besucher der Badeseen. Mitunter befasst sich mit diesem Problem sogar die Kommunalpolitik, wie es zuletzt in Spremberg im Mai passierte. Der Stadtverordnete Jens-Uwe Winkler von den Vereinten Wählergruppen wandte sich bei einer Konferenz im Bürgerhaus an die Mitarbeiter des Rathauses. Es wäre doch auch im Sinne der Hundehalter, wenn die Verwaltung wieder kostenlose Tüten bereitstelle, gab er zu bedenken.

Doch dieses Ansinnen scheitert am Geld. So erwiderte Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos): Zwar hätten die Mitarbeiter des Bürgerbüros und der Rathausinformation zehn Jahre lang solche Beutel für die Notdurft der Tiere gratis herausgegeben. Doch aufgrund der angespannten Haushaltslage sei im Jahr 2017 der Beschluss gefallen, diesen Service nicht mehr anzubieten. Er kostete die Stadt 400 Euro im Jahr.

Damit bleibt es die Verantwortung der Tierhalter, so wenig Dreck wie möglich zurückzulassen, ob in der Stadt oder an den Badeseen. Ein Urteil zu diesem Problem fällte im Jahr 1989 das Amtsgericht Düsseldorf. Demnach machen sich Hundehalter „wegen umweltgefährdender Abfallbeseitigung schuldig“, wenn sie den Kot ihrer Tiere auf öffentlichen Flächen liegen lassen.