Von Annett Igel-Allzeit

Im 100. Jahr der Volkshochschulen geht Klaus Piersig in Rente. 1991 hatte der Mathematik- und Physiklehrer die Leitung der damaligen Kreisvolkshochschule Spremberg übernommen. Aus einer Mappe zieht er das Vorlesungsverzeichnis der Volkshochschule Spremberg für 1919. Es reichte von Schillers Leben über Englische Sprachlehre und Freihandzeichen mit Zeichenlehrer Waldmann bis zum Obst- und Gartenbau. Klaus Piersig schmunzelt: Die neuen Frühjahrsprogramme sind gerade in der Kreisvolkshochschul-Villa neben dem Erwin-Strittmatter-Gymnasium angekommen. Flink blättert er nach den Imker-Kursen. „Das ist eins der neuen Angebote“, erklärt er. Er verdankt sie in Spremberg dem Sachsen Harry Marko. Der Gutachter für Schäden an Gebäuden will am 11. April in drei Unterrichtsstunden über Feuchte- und Schimmelpilzschäden referieren. Weil er auch Mitglied des Deutschen Imkerbundes ist, wird er am 16. Februar zudem übers Imkern referieren.

Dozenten wie Harry Marko sind Glücksfälle. „Wie der Wirtschaft die Fachkräfte, fehlen uns Kursleiter.“ Selbst habe er als Dozent im Fachbereich Arbeit und Beruf gute Erfahrungen macht. „Die Dankbarkeit ist schön. Angefangen hatten wir mit 20 Teilnehmer an zehn Rechnern. Und an neun Rechnern lief alles, wie ich es vorausgesagt hatte. Durch das Nachdenken darüber, was die Teilnehmer am zehnten Rechner anders gemacht haben könnten, habe ich am meisten gelernt“, erinnert sich Piersig.

Kurse gibt es in der Kreisvolkshochschule in den Themenbereichen Gesellschaft, Kultur, Gesundheit, Sprachen und Beruf. Auch der zweite Bildungsweg ist über die Volkshochschule noch möglich, sagt Klaus Piesig – aber nur noch berufsbegleitend.

„Ohne größere Anstrengungen 100 Jahre alt zu werden und dabei geistig fit zu bleiben – dabei können die Volkshochschulen heute ihren Kursteilnehmern helfen“, sagt Piersig. In der Spremberger Regionalstelle der Kreisvolkshochschule gibt es Traditionen. Gut gebucht sind seit Jahren die Englischkurse, die Studienfahrten, die Nähkurse. Getöpfert wird mit Birgit Klausch in der Oberschule in der Wirthstraße. Monika Selke zeigt immer noch das Quilten an der Nähmaschine. Doris Goretzki gibt Kurse im Nähen. „In diesem Bereich können wir zu Sommerakademien einladen, für Intensiv-Sprachkurse aber finden wir nicht mehr genug Teilnehmer“, so Piersig.

Im Trend liegen „Webinare“: In allen drei Regionalenstellen wird im Frühjahr zum Thema Schlafen vor der Beamer-Wand Vorträgen von Heilpraktikern und Ärzten gelauscht. Um die gesunde Ernährung kümmert sich Undine Jantzky. Norbert Anspach startet am 22. Februar wieder einen Selbstverteidigungskurs in der Turnhalle. „Da das Gymnasium nun die Sporthalle hat, dort auch Spremberger Vereine trainieren, steht uns die kleine Turnhalle im Schulhaus zur Verfügung“, so Piersig

Er will nach seiner Pensionierung Ende März keine Computerkurs in der Volkshochschule leiten. Er will reisen, wieder öfter Schach spielen und seinem Nachfolger freie Bahn lassen. Was er ihm wünscht? „Dass die Kursleiter bleiben“, so Klaus Piersig, „und es ihm gelingt, neue Kursleiter zu gewinnen“.